Tag 9 - 4. Mai
Ich hab geschlafen, wie ein Stein. Zwar nur 8 Stunden, aber die tief
und fest. So eine Reise macht einen ja auch fix und fertig. ![]()
Heute
morgen 8 Uhr hatte ich endlich den ersehnten Termin zum Ölwechsel, denn
wenn ich mir überlege, die nächsten 2000km macht es alle paar Meilen
„pling pling pling“, das nervt wirklich und wer weiß schon, ob nicht
irgendwann die Automatik sagt: „Frau S, sie sind unseren Aufforderungen
bzgl. Der Ölerneuerung nicht nachgekommen und mit sofortiger Wirkung
stellen wir das Fahren ein!“ Und wenn ich da grad auf der Temple
Mountain Road sitze, dann hab ich die A…Karte gezogen.
Also lieber heute etwas Zeit opfern, als irgendwo in der Weite Utah’s wegen verschollen zu verenden.
Halb
8 packte ich meinen Kram zusammen, gab den Schlüssel ab, nahm mir noch
2 Kakaokaffee mit und fuhr zur Werkstatt, wo ich natürlich viel zu
zeitig ankam. Der Chef des Hauses war noch nirgendwo zu sehen.
Ich
nutzte die Zeit für eine ausgiebige Kaffeepause und schrieb die
Millionen Karten, die ich mir in jedem Park gekauft hatte. Kurz vor 8
trudelten dann die „Klempner“ an und ich ging ins Office, um meinen
Wagen anzumelden.
Mister Pat meinte nur: „ok, fill this out and I get the key. In 1 Hour the car is ready.”
ONE HOUR ????? Für nen stink normalen Ölwechsel brauchen die eine Stunde?? ![]()
Das
lag sicher an der amerikanischen Mentalität, denn kaum hatte ich das
Office verlassen, klang es, als würden die Herrschaften erstmal
Frühstückspause machen und meine Stimmung sank ins Bodenlose. Da sitze
ich hier auf einer verrosteten Bank vor einer heruntergekommenen
Werkstatt im Schatten und die Leute denken nicht die Bohne daran, sich
um mein Auto zu kümmern. Ich war drauf und dran, reinzugehen und einen
Aufstand zu proben. Leider fehlten mir dafür die passenden Worte und so
sagte ich mir nur: Augen zu und durch.
Gegen halb 9 fuhren sie den Wagen endlich rein und ich zählte ab da jede
Minute. |
Bevor ich losfuhr, schaute ich mich im Wagen um, ob auch nichts fehlte und ging dann wieder zum Tagesgeschehen über. Einmal volltanken, einmal Nahrungsvorräte auffüllen und einmal die Post, wegen des Briefkastens suchen. Dann noch schnell im VC des Arches vorbeifahren, weil sich die 2 Becher Kaffee meldeten und schon konnte ich zum Canyonlands NP aufbrechen. Wobei „schon“ übertrieben war, denn mittlerweile zeigte die Uhr halb 11.
Für heute waren 3 Dinge geplant: die Mineral Bottom Road fahren, dann den Dinotapser im Canyonland NP anschauen und zum Schluß wollte ich noch zum toten Pferd, bevor ich endgültig die Gegend um Moab Richtung Green River verließ.

Ich fuhr die UT 191 Richtung Norden und bog dann auf die UT 313 Richtung Westen ab und ca. 20km weiter war auch schon die Mineral Bottom Rd ausgeschildert.
So, wie der Parkplatz da aussah, mußte es eine populäre Strecke sein, denn es standen mindestens 10 Geländewagen da.

Die letzten unpaved Roads, die ich in Angriff nahm, gingen von leicht zu fahren bis „bloß nie wieder“ und ich war gespannt, in welche Kategorie diese Piste fiel. In Gedanken hatte ich mir eine Skala erstellt und jede Strecke hatte eine bestimmte Nummer bekommen. 1 für pippieinfach und 10 für absolut unterirdisch. Natürlich bekam die Strecke im MV nur die 10, das Valley of the gods kam auf die 3, die kurze Strecke zum House on Fire bekam die 7 und die Onion Creek Rd schwankte zwischen 3 und 4.
Eigentlich hatten alle eine niedrigere Nummer, aber da die Straße, auf der ich gerade unterwegs war, die Note 1 erhielt, mußte alles eine Stufe nach oben rutschen.
Wenn alle unpaved Roads in dem Zustand wären, müßte ich mir keine Gedanken mehr machen. Ich fuhr die ganze Zeit zwischen 35 und 45 Meilen und mußte mir endlich mal keine Sorgen um meine Reifen machen.

20 km ging das so und dann kam ich an einen Parkplatz und ein „Gaddlerid“ und ein Schild: 10 Meilen und Vorsicht: Gefälle.
Bevor ich mich todesmutig irgendwo reinstürzte, schaute ich mich erstmal um und befand die Strecke als wesentlich besser befahrbar, als das Teil, was das MV zu bieten hatte.
Ich atmete kurz tief durch, machte die Augen zu und…holperte die Serpentinen hinunter. Das mit den Augen zu war ein Witz, aber man wird ja wohl noch bisschen Spaß in den Bericht einfließen lassen dürfen.

Je weiter ich mich von der Rimkante entfernte, um so mulmiger wurde es mir. Vorsichtshalber schaltete ich mal auf L und schlich den Berg weiter runter. Normalerweise hat man in einem SUV schon gute Sicht nach vorn, aber in dem Fall war es mir eindeutig zu wenig. Mein Hals wurde immer länger, denn ich wollte nicht einen Stein und nicht eine Felskante verpassen.
Nach ca. 500m Fahrt oder 6 engen Kurven, hatte ich dann auch noch Gesellschaft in Form eines Engels und eines Teufels bekommen, die abwechselnd sagten: dreh um, fahr weiter, dreh um, fahr weiter.
Als ich das Gezanke nicht mehr ertragen konnte und mir bewußt wurde, daß ich die 20° (oder %, wer weiß das schon?
Vor mir die Felswand, hinter mir der Abgrund.
Und das bei meinen schwachen Nerven. Nach meinem Urlaub muß ich mir unbedingt die Haare neu färben.
Es soll ja Leute geben, die machen so eine Tour noch vor dem Frühstück, aber ich war heil froh, als ich wieder oben war und kein pling erklang. Wer mir den Mund nach dieser Tour wässrig gemacht hat, wird meine Rache noch zu spüren bekommen. Nicht wahr, Silke?