Trotz des ganzen Troubles der letzten Tage fand ich, daß der Urlaub zu schnell verging. Es blieb nur noch ein Motel vor Las Vegas und dann hieß es fast schon Koffer packen.
Für heute hatte ich zur Abwechslung mal wieder eine Routenänderung drin, denn ich hatte erfahren, daß die CCR nach ewig langem Hickhack gegradet worden und für normale Autos wieder passierbar war. So cancelte ich die UT 24 und fuhr mal wieder unpaved. 
Bevor es jedoch losging, tankte ich noch ein letztes Mal für diesen Urlaub und hielt nochmal eben am Visitorcenter des GSENM am Ende von Escalante, um mir erstens meine Stempel zu holen und um zweitens den Ranger zu fragen, ob die Meldung wirklich richtig war, daß man die CCR wieder der ganzen Länge nach befahren konnte.

Er meinte nur, kein Problem, winkte ab und ich konnte ein weiteres Abenteuer Buckelpiste beginnen.
Mein Weg führte mich allerdings erst bis nach Tropic, denn mir war mal wieder nach frühstücken gehen. Nicht, daß ich nicht noch genug Essen im Gepäck hatte, aber es ist immer so mühsam, sich durch die Kühlbox zu quälen und seine Schnittchen selber zu schmieren. ![]()

Margret meinte, Clarks Restaurant ist eine gute Adresse um seinen Magen ruhigzustellen und so wollte ich ihr mal nicht widersprechen.
Bevor ich allerdings satt wurde, galt es mal wieder, einige Hürden zu nehmen, denn erst stand ich mind. 5 Minuten am „Please wait..“-Schild, dann meinte ich zum Kellner, daß ich das Combofrühstück nehme und auf seine Frage hin „Bacon or Sausage?“ antwortete ich: „sausage“.
Er: „Oh, we don’t have sausage.“
Ich: „And why you ask me? I take Bacon“
Er: „We have also Ham“
Ich: „Ok, ham I like more“
Er zog von dannen und während ich so da saß und wartete, beobachtete ich die Ladys beim Tisch abräumen und sauber machen und was ich da sah, ließ meine Nackenhaare zu Berge stehen. ![]()
Nach 10 Minuten kam meine Combo aus Pancakes, Ei und Hashbrowns und der Kellner meinte, er mache sich auf die Suche nach Ahornsirup.
![]() | Langsam kam in mir der verdacht hoch, der Schuppen steht hier erst seit
gestern und die Leute, die hier arbeiten, gehören wirklich in eine
deutsche Berufsschule. Das alles war nicht wirklich wahr. |
Viel hab ich mich vorher nicht über den Park erkundigt, nur daß man da ruhig eine Stunde oder mehr verbringen kann, wenn man eh in der Gegend ist.
Nach dem komplizierten Bezahlverfahren, denn man kam mit dem Auto am Mitarbeitereingang an, und um den VC-Eingang zu finden, mußte man das Gebäude einmal umrunden, fuhr ich einfach einmal bis zum Ende des kleinen Parks, um mir einen ersten Überblick zu verschaffen.

Die Lady am VC hatte mir einen Plan mitgegeben und mir schonmal vorab mitgeteilt, welchen Trail man UNBEDINGT laufen sollte. Und natürlich ignorierte ich ihre Hinweise, denn das, was mir als erstes ins Auge stach, konnte man nicht auf besagtem Weg sehen.
Ich will es mal zensiert ausdrücken:
Ich war im Pimmelpark.



Normal gehört an den Eingang ein riesiges Warnschild, daß der Zugang für Kinder und Jugendliche nicht geeignet ist bzw. sollten sie es doch tun, es schwerwiegende Einflüsse auf ihr Erwachsenwerden haben kann.
Das, was hier rumstand, und das im wahrsten Sinne des Wortes, war alles, nur nicht jugendfrei.
Mit hochrotem Kopf lief ich den 800m-Nature-Trail und schoß ein Foto nach dem anderen, um später in meinem Bericht die Menschheit vor diesem Sündenpfuhl zu warnen.

Die Natur mag ein großartiger Schöpfer sein, aber hier hatte sie eindeutig einen etwas schweren Tag gehabt. Wahrscheinlich heißt es deshalb: DIE Natur, und nicht DER…
Da ich eine junge, wohlerzogene, sittsame, ledige Frau bin,
Seit einigen Jahren liegen sich schon der BLM und Kane County in den Haaren und es kommt immer wieder zu Trotzreaktionen der beiden und im Zuge dessen, wurde die Strecke der Cottonwood Canyon Rd in letzter Zeit ziemlich vernachlässigt und war praktisch immer wieder bis April 2010 unpassierbar.
Ich hab sie daher nicht in meine Planung aufgenommen und wollte ursprünglich die UT12 und dann weiter auf der UT89 nach Kanab fahren.
Im Forum hab ich dann von den erfreulichen Neuigkeiten erfahren und dachte mir: Sylvi, JETZT oder nie.
Bis auf die ersten Meilen zum Grosvenor Arch soll die Strecke komplett gegradet sein und so wagte ich das Abenteuer CCR.
Für mich als Unpaved-Angsthasen-Fahrer waren die ersten Meilen wirklich gewöhnungsbedürftig und immer wieder hinterfragte ich meine Entscheidung, hier lang zu fahren. Die Piste war in meinen Augen miserabel und mit jeder weiteren Meile stieg das Risiko eines Platten.

Für die Natur hatte ich in den Momenten keine Augen, denn ich war vollauf damit beschäftigt, den Rillen, Furchen und Steinen auszuweichen.
Am schlimmsten war es einen Hügel hoch, bei dem die Reifen durchdrehten, denn ich fuhr nur halbe Schrittgeschwindigkeit.
Mein Blutdruckt sang bestimmt gerade die Marseillaise und auch der Inhalt des Wagens wurde ganz schön durchgerüttelt. Das war alles nicht wirklich gut für meinen Kopf, denn mit jeder Meile stieg die Anzahl meiner grauen Haare proportional zur Anzahl der Querrillen auf der Straße.
Gott sei Dank kam ich nach 30min endlich am Schild für den Arch vorbei und ab da sollte es ja besser werden. Ich bog da einfach mal links ab und gönnte nicht nur mir eine kleine Pause. Die Bögen des Arch knipste ich nur von weiten, denn für einen Spaziergang dahin, waren meine Knie noch nicht bereit oder hat von euch schonmal einer davon gehört, daß Pudding laufen kann?

Und dann kam mir auf der Rückfahrt zur „Straße“ ein normaler PKW entgegen und ich meinte noch so zu mir: „Man, ist die mutig“ Oder sollte es jetzt doch „bergauf“ gehen?
Schon nach den ersten Metern atmete ich förmlich auf, denn die Strecke war 1A-Sahne im Vergleich zu den vorangegangenen Meilen. Endlich konnte ich mich auf das Wesentliche konzentrieren und gucken, anhalten, knipsen, fahren, gucken, anhalten, knipsen, fahren… Gott, war das schweißtreibend. Auch wurde mein Auto durch das ständige hin und her staubiger und dreckiger und das nicht nur außen. Auf jeden cm² konnte man nun SAU schreiben.





Für eine Grundreinigung von Hand müßte ich sicher nochmal 3 Wochen dranhängen, doch leider leider leider hatte ich grad nicht so viel Zeit und so hoffte ich bei der Rückgabe auf ein schönes dunkles Parkhaus. Die
nächsten Stunden, denn es lagen laut Wegweiser 30 Meilen vor mir, hab
ich sicher das ein oder andere Gramm abgenommen, denn es war schon
Sport, was ich da machte. Kaum war ich ein paar Meter gefahren, sah ich
schon etwas neues, was unbedingt von mir abgelichtet werden wollte. Die
Gegend änderte sich so schnell, so schnell kam man mit dem Gucken und
Knipsen gar nicht hinterher. | Hügelchen, Steinchen, Felsen, Nadeln, Kuppeln, Täler, Flußläufe, Ebenen und zwischendurch immer wieder Büschel bunter Blumen, welche auch ständig „Hier“ riefen. Frühling in der Wüste. Ein (Alp-)Traum für
jeden Fotografen. Auf den letzten 10km etwa änderte sich die
Landschaft fast schlagartig und man sah eigentlich nur … nichts. |

Ein paar kahle Hügel, ab und an eine Kuh, eine schnurgerade CCR und wieder ein Hügel. Und das alles war grau in grau.


Wer jetzt meint, es war langweilig, irrt gewaltig, denn die Landschaft war mindestens genauso beeindruckend, wie die vorangegangenen 40 Meilen.
Zum Ende hin waren die Hügel mit einem gelben Blütenteppich überspannt, es war unglaublich. Ich hätte mir nie vorstellen können, daß es hier irgendwann im Jahr mal so aussieht. Ein Traum.

Insgesamt war mein Fazit durchaus positiv und bei einer erneuten Fahrt in ein paar Jahren, wird sicher auch das nördlichste Stück der Piste wieder „benutzerfreundlich“ sein.

Ich war die letzten Stunden so sehr damit beschäftigt, langsam zu fahren, daß mir die UT89 jetzt vorkam, wie die A3 zwischen Frankfurt und Köln. Es widerstrebte mir, schnell zu fahren, aber um nicht als Risikogruppe eingestuft zu werden, trat ich für die nächsten 5 Meilen notgedrungen aufs Gas.
Es war deshalb nur eine so kurze Strecke, weil schon das nächste Ziel auf mich wartete: die Toadstool Hoodoos.

![]() | Laut Google map befanden sie sich praktisch direkt an der Straße und so parkte ich mein Auto neben den 5 anderen auf dem Platz, der vorher NICHT als Hoodoo-Parkplatz ausgeschildert war, nahm meine halbe Flasche Wasser und stiefelte los. Auf dem Schild stand was von 0,8 Meilen und
ich war mir in dem Moment nicht sicher, ob das Wasser reicht. Aber
anstatt einfach eine volle Flasche einzustecken, hakte ich die Sache ab
und meinte, daß es schon reichen wird. Schließlich meinte google map… |
Ständig mußte man einen Hügel rauf, dann wieder einen runter, durch ein Wash, wieder ein Hügel…
War es die vergangenen Tage eher kühl gewesen, meinte es die Sonne ausgerechnet jetzt sehr gut mit mir und brannte erbarmungslos vom Himmel. Andere würde meinen, daß es saukalt war, aber da ich nicht so auf Hitze stehe, war es für mich schon arg brütend.

Mit meinen letzten 100ml Wasser kam ich bei den Hoodoos an und konnte mir daher nicht so viel Zeit lassen, wie ich gerne wollte. Ich lief
daher nur einmal kurz drumrum und verließ wieder nach nur 5 Minuten
diesen schönen Ort. Das Wasser war 500m vor dem Parkplatz alle und ich
wußte bis dahin nicht, wie lang 500m sein können, wenn mit jedem Schritt
der Körper mehr und mehr austrocknet und dein Gesicht mit jedem Meter
mehr zusammenschrumpelt. Es war grauenhaft. Zum Glück bin ich aber
jemand, der aus ihren Fehlern lernt und werde in Zukunft auf jedem noch
so kurzen Weg lieber ein Liter mehr mitnehmen, als einen zu wenig. | ![]() |
Außerdem verträgt sich Staub nicht so gut mit Wasser und ich wollte nicht unbedingt als Schweinderl im Motel ankommen.
Während der Fahrt nach Kanab, wo ich mir für heute Nacht ein Zimmer im Bob-Bon-Inn reserviert hatte, zog ich mir erstmal meine Schuhe aus. Man hörte die Füße förmlich Halleluja singen und mir ging es auch gleich viel besser.
Kanab war meine letzte Etappe vor Las Vegas und ich verliebte mich gleich beim ersten Blick in dieses Städtchen. Endlich mal kein heruntergekommenes Nest, in dem es nur 1Motel, 2 Tankstellen, 3 Häuser, 4 Ställe und 5 verrostete Autos gab.
Es war groß, übersichtlich, aufgeräumt und man fand hier alles, was man zum Überleben braucht. Ein Ort, in dem man es sicher auch länger, als nur eine Nacht aushielt. Es gab sogar ein schönes Steakhouse, welches von mir aber heute nicht besucht werden würde.
Margret kannte mein heutiges Motel nur als Bon-Bon-Inn und ich war gespannt, welches Sahnestückchen ich für diese Nacht aufgetrieben hatte. Ganz am nördlichen Ende des Städtchens kam es in einem Grün-Braun-Look zum Vorschein und gefiel mir auf anhieb. Es nannte sich selber „Little Hollywood“ und war ein richtiges Kleinod.

Wenn jetzt noch die Zimmer genauso schnuckelig waren, wie es das Äußere versprach, war die Welt in Ordnung.
Als ich das Office betrat, fiel mir erstmal die Kinnlade nach unten, denn ich hatte noch nie so viele ehemalige Hollywood-Westerngrößen gesehen, wie sie hier auf Bildern an den Wänden hingen. Der ganze recht winzige Raum war von oben bis unten voll behangen und ich hab eine ganze Weile erstmal nur geguckt. Gestört hat mich dabei keiner, denn ich war ganz alleine.
Auf dem Tisch lag ein Telefonhörer und davor ein Zettel, auf dem stand, daß man anrufen sollte, wenn man ein Zimmer wünscht.

So ganz ohne war es nicht, denn auf englisch telefonieren gehört nicht zu meinen Lieblingsaufgaben, aber nach einem kurzen „Hallo, I have a reservation“ war das Telefonat schon wieder beendet.
Nach 5 Minuten kam ein Pickup vorgefahren und ein älterer Herr um die 75 betrat den Raum und begrüßte mich freundlich.
Während ich gewartet hatte, hab ich schonmal das Motelbuchungsformular ausgefüllt und brauchte so nur noch den Schlüssel. Mein Zimmer war in einem langgestreckten Nebengebäude, direkt neben dem kleinen Parkplatz und vor meinem Zimmer standen auch Tische und Stühle.
Wäre es nicht so furchtbar windig gewesen, man hätte sich abends gemütlich vors Zimmer setzen und die Leute beobachten können. Vor dem Zimmer auf der Wiese stand eine alte Kutsche und überhaupt stand und lag hier viel altes „Gerümpel“ rum, was aber in keinster Weise unordentlich und zugemüllt aussah. Ich fühlte mich hier pudelwohl !!!

Auf meiner To Do Liste für heute stand noch ein weiteres Ziel und obwohl ich Bedenken wegen des Windes hatte und auch sonst recht lustlos war, riß ich mich zusammen und fuhr Richtung Norden, denn hier in Kanab gab es noch einen State Park, den ich mir unbedingt ansehen wollte. Also "unbedingt" war vor meinem Urlaub, das "unbedingt" hatte sich aber grad verflüchtigt und so galt das Ziel eher als was zum abhaken.
Der komplette Name des Ortes lautete: Coral Pink Sand Dunes State Park und wie der Name es schon vermuten ließ, handelt es sich dabei um ein kleines Stückchen rotfarbenes Wüstchen, von dem ich schon schöne Fotos gesehen hatte, die bei Sonnenuntergang aufgenommen wurden.
So fuhr ich also die 20 Meilen erst alleine nach Norden und dann weiter alleine nach Westen und schließlich war ich da.

So richtig Lust hatte ich immer noch nicht auf Sand, aber was solls, jetzt war ich nunmal hier und wollte das Beste daraus machen. Als ich am VC ankam, wartete der Officer schon sehnsüchtig auf mich, denn als er mein Auto kommen sah, verließ er das Gebäude und kam mir förmlich entgegen. Scheint ein langweiliger Job zu sein, denn weit und breit war sonst kein Mensch oder Auto zu sehen. Und auch ich überlegte, ob das bisschen Sand, welches ich irgendwie vor lauter Bäumen nicht sehen konnte, die 6$ wert war.

10 Sekunden standen wir beiden uns praktisch wie bei einem Duell gegenüber und überlegten. Der Officer an der Tür, ich bei laufendem Motor im Auto. Er guckte, ich guckte.
Nee, keine 6$.


Ich drehte um, fuhr die Straße noch ein Stückchen in den Park, drehte aber nach 2 Meilen ohne Sand gesehen zu haben, wieder um und fuhr zurück Richtung Motel.
Kurz vor dem Parkausgang gab es einen kleinen Parkplatz, von dem man aus Zugang zu den Dünen hatte und so hatte ich wenigstens eine kleine Gelegenheit, etwas Sand zwischen meine Zehen zu bekommen. Es war noch recht warm heute, aber der Sand war eiskalt. Schon nach 10 Metern hatte ich Eisfüße, denn meine Schuhe hatte ich wohlweislich ausgezogen. Es war ein ganz feiner Sand, ohne Steine dazwischen oder Pflanzen und mal abgesehen davon, daß ich bei 2 Schritten vor, wieder einen zurückrutschte, war das Laufen recht angenehm.

Auf dem Rückweg zog ich mir mal wieder Countrymusik rein, denn irgendwie war es mir jetzt sentimental. Schließlich ging morgen praktisch mein Urlaub zu Ende und wer weiß, wann ich wieder hierher kam?
Ansonsten tat ich heute nicht mehr viel. Ich fuhr schnell noch in einen Supermarkt, denn mein Brot verlangte nach einer Auflage und mein Wein war auch ausgegangen. Leider aber hatten sie letzteres nicht, denn immer noch war ich in Utah und die sind, was Alkohol angeht, sehr sehr sehr vorsichtig, denn es handelt sich dabei sicher um eine Droge des Teufels und so gab es an dem Abend stattdessen nur Wasser zum Brot.
Bevor ich dann gegen 22 Uhr das Licht ausknipste, laß ich noch was im Forum und tippte ein paar Zeilen Bericht, mit dem ich arg im Rückstand war.
Gefahrene Meilen: 189




