Als ich gestern das Zimmer betrat, war meine erste Handlung: Heizung an. Draußen war es kalt, drinnen war es kalt und ich klapperte ebenso. ![]()
Heute abend war hingegen das Gegenteil der Fall. Es ist jetzt 18 Uhr und das Thermometer zeigt 78°F an und man könnte es sich sogar draußen vor dem Zimmer gemütlich machen, aber ich hab ja noch etwas vor.
Aber zurück zum Anfang.
Heute morgen meldete der Wetterkanal eine derzeitige Temperatur von 38°F, was dringend nach einer laufenden Heizung verlangte. Kälte ist nicht gut, um Pläne zu schmieden. Wie soll man da aus dem Bett kommen? Kaffee gibt es auch keinen und niemand bringt mir Frühstück ans Bett ![]()
Es hilft aber alles nichts, vom im Bett bleiben gibt’s keine Fotos und der Bericht bleibt auf ewig bei 40 Seiten hängen und das kann ich weder mir noch anderen antun. ![]()
Irgendwann war das Zimmer schön aufgeheizt und ich konnte es wagen, ohne mir Frostbeulen zu holen, aus den Federn zu kriechen.
30 Minuten später saß ich auch schon im Auto, in dem es heute morgen aber mächtig zog und da hab ich es bemerkt: ich hatte gestern vergessen, daß Dachfenster zu schließen und konnte mal wieder froh sein, in einer regenarmen Gegend unterwegs zu sein. Das wär ja was geworden, wenn ich heute beim Türöffnen nasse Füsse bekommen hätte.
Ganz zu schweigen von den restlichen Unannehmlichkeiten, wie nasse Papiere, nasse Armaturen, nasse Sitze… aber ok, ich hatte Glück gehabt und wollte nicht weiter darüber nachdenken.
Nachdem ich auch hier die Heizung hochgedreht hatte, fuhr ich zu Ziel Nr. 1, welches 25km weiter nördlich lag. Schon gestern kam ich am Abzweig vorbei und mußte heute also nicht lange suchen. Während der Fahrt kam die Sonne natürlich mal wieder von vorn und so mußte ich ganz schön aufpassen, nicht irgendwo einen Abhang runterzufahren, von denen es ja auf der UT 12 reichliche gibt.
Am Trailhead zum Lower
Calf Creek parkte ich
mein Auto, schnallte mir
meine wanderfesten
Schuhe um, schmierte mir noch 2 Sandwiches
für
unterwegs, 
| denn ich hatte ja noch
nichts im Magen, packte 2 Flaschen
Wasser ein, zahlte die Gebühr von 2$, marschierte los und hoffte
inständig, daß der Weg kürzer und leichter schien, als man im
allgemeinen so hörte und las. Ist
alles schon vorgekommen. |



Noch sah es aber gut aus, daß ich es schaffen sollte. Zwischendurch hielt ich immer mal wieder für das ein oder andere Foto an, nahm einen Schluck aus meiner Flasche, kam wieder zu Puste und nahm die nächsten 100m in Angriff.
Der Weg schlängelte sich am Calf Creek entlang und war leider sehr sandig. Dadurch, daß man ständig irgendwie versank, war das Laufen sehr mühselig. Zwischendurch ging es immer mal wieder kleine Hügel hoch und wieder runter, es kamen Rechts- und Linkskurven und man mußte auch mal klettern.
So ging das 1 Stunde und 25 min lang und endlich war ich da.

Tja, was soll ich sagen?
Es hat mich schier umgehauen, was ich da vor mir zu sehen bekam.
Ich glaub, ich hab 2 min einfach nur so dagestanden, geguckt und hab mir das Pippie aus den Augen gewischt. Endlich mal eine Anstrengung, die sich wirklich gelohnt hat. Nicht nur einfach so ein alberner Wash, wo man nichts für sein Geld bekommt oder eine unbefestigte Straße, die im Nirgendwo endet. Bei dem Anblick kann kein Grand Canyon der Welt mithalten.

Es sind also doch die kleinen Dinge, die die Welt zu etwas besonderem machen.
![]() | Und das Beste an der ganzen Sache: ich war hier mutterseelenallein
unterwegs. Niemand störte mich beim Bilder machen oder rannte mir durchs
Foto. Es war herrlich. Ich weiß nicht, wie es im Paradies aussieht,
aber genauso stelle ich es mir vor. |
Jetzt kam mir auch das ältere Pärchen entgegen, welches ich schon ziemlich am Anfang meiner Wanderung überholt hatte.
Auch sonst war jetzt Rushhour auf dem Weg, aber bei 19 Personen hab ich dann aufgehört zu zählen.
Anders erging es den Wanderern, denen ich was von "nur noch eine Meile" am Trailregister erzählte.
Ok, war nen Witz, aber eine gewisse Auflockerung des Textes muß ab und an sein.
Obwohl ich mir für den Rückweg viel Zeit ließ, brauchte ich trotzdem nur 90 min, war aber happy, als ich endlich wieder am Auto war und mich der Schuhe entledigen konnte. Endlich sitzen. Durchatmen. Pause machen.
Ich weiß nicht, wie ich den Weg im Hochsommer geschafft hätte, denn heute war es schon recht schwer und das, obwohl die Temperaturen mehr als moderat waren.
Durch die, in meinen Augen, Unbefahrbarkeit der Nottom Rd hieß mein 2. Ziel heute: 2x den Burr Trail bitte.
Geplant war, ihn von Ost nach West zu befahren aber so fuhr ich ihn eben bis zu den Serpentinen und dann wieder zurück, was ja auch interessant sein kann, da man, im wahrsten Sinne des Wortes, die Medaille von beiden Seiten betrachtet.

In Boulder am Hells Backbone Grill bog ich rechts ab und hatte ab dem Zeitpunkt meine Kamera immer im Anschlag. Immer wieder las ich, daß die Straße wunderschön sein soll und daß man wegen der ganzen Fotografiererei sehr viel Zeit einplanen muß.


Ich war noch keine 10 Minuten unterwegs, als es auch schon los ging. Ganz großes Kino wartete hier auf mich und mal wieder war ich froh, alleine unterwegs zu sein. Nachfolgende Autofahrer wären sicher an mir verzweifelt, denn die Höchstgeschwindigkeit unterbot ich deutlich.

![]() | Die ganze Zeit fährt man durch eine Art Canyon und die Wände sehen aus, als stehen sie kurz vor dem Einsturz. Und sie sind riesig hoch. Man bekommt es zwar auf ein Foto gebannt, aber wer nicht da war, begreift nicht, wie riesig das hier alles ist. Am Ende der Schlucht hat man dann einen fantastischen Blick Richtung Capitol Reef. Es war jetzt doch noch ganz schön warm geworden, aber der Wind der letzten Tage blies unverändert stark. Mein Auto verdreckte immer mehr, jetzt mußte ich sogar schon über das Tacho wischen, damit ich noch was erkannte. Die nächsten km waren recht eintönig und ich spielte etwas mit dem Radio, aber irgendwie konnte die Musik heute auch keinen Preis gewinnen. |




Kurz vor den Serpentinen konnte man links in den Upper Muley Twist Canyon abbiegen, aber leider war der Weg nur für Allradautos geeignet und so blieb mir eine schöne Aussicht auf die Verwerfungen des Capitol Reefs verwehrt.



Bevor ich die Serpentinen runter fuhr, vergewisserte ich mich erstmal, daß ich es auch heil überstehe und da auch wieder rauf komme. Aber mein geübtes Auge meinte: „Fahr ruhig. Mehr, als den Abhang seitlich runterrutschen, kannste eh nicht!
“
Und so fuhr ich Schrittgeschwindigkeit eine Kurve nach der anderen und mit meiner freien Hand knipste ich jede Kurve der Strecke.
Unten angekommen gab es ein schnelles Dreherle und es ging die ganzen 8 Kurven wieder hinauf.


Irgendwie liegt mir ja berghoch fahren mehr, als bergrunter. Weiß der Geier, wieso. ![]()
Auf dem Weg zurück überkam mich dann die Müdigkeit und mal wieder rächte sich meine ungenügende Vorbereitung und daß ich es nie schaffte, ein Zimmer mit Kaffeemaschine zu bekommen. Die Kilometer bis zum Motel spulte ich dann mehr oder weniger im Gähnen ab und hoffte auf den letzten Metern nur noch, schnell anzukommen.


| Leider gibt es auch hier immer noch Autofahrer, die sich penibel an
Geschwindigkeiten halten und es sogar schaffen, berghoch zu bremsen.
Eine Lady vor mir brachte mich schier zur Weißglut mit ihrer Kurverei,
leider lies sie sich aber nicht vom immer länger werdenden Autokorso
hinter ihr stören. Wer die UT 12 kennt, weiß, daß man da so gut wie
nicht überholen kann, also tuckerten wir ihr alle mit 25mph hinterher. |
![]() | Nach
einer 3stündigen Siesta und dem Hinweis von Silke, daß sie sich das
letzte Mal auf der Strecke, die ich gleich fahren wollt, einen Platten
geholt hatte, machte ich mich auf, um mich etwas in Teufels Garten
umzuschauen. |





Ich will ja nicht immer meckern. 
![]()
Trotzdem konnte
natürlich keine Gegend
der Welt dem Wasserfall heute
Konkurenz machen und so verabschiedete ich mich
schon nach 30 min von
den Teufeln und
fuhr nach hause.


Vielleicht sollte ich
mir Highlights
immer für den Schluß eines Tages aufheben und sie nicht schon früh
vergeuden, dann wäre ich sicher mit einem ah und einem oh zwischen den
Steinfiguren hergelaufen.
Ganz so ruhig wollte
ich den Tag dann doch
nicht ausklingen lassen und hab beschlossen, daß es mal wieder Zeit für
ein Steak ist und ich probierte das zum Motel gehörende Restaurant aus.
Von
außen sah es wirklich top aus, allerdings sagte mir die
Inneneinrichtung nicht so zu, denn hatte man außen noch einen rustikalen
wüstenhaften Touch, meinte man innen in einem Stehcafe zu sein, denn
die Tische und Stühle wirkten sehr bistrohaft.
Ich wollte irgendwo in die Ecke und Ich
bestellte das Steak des Tages und war mit meiner Wahl sehr zufrieden.
Vorher hat man mir einen Teller mit Beim schneiden des Steaks mußte ich sehr vorsichtig sein, denn der Tisch wackelte dabei so sehr, daß ich nicht riskieren wollte, daß sich mein Getränk auf dem Boden wiederfindet. Es passen nunmal keine einbeinigen Tische in ein Steakrestaurant. Da muß was bodenständiges hin. Rustikal. Holz. 4 Beine. Basta. | ![]() |
Naja, das Essen war trotzdem gut und noch ehe ich bei der Hälfte angekommen war, brachte man mir auch schon die Rechnung. Ich weiß ja, daß Amis da recht schnell sind, aber das war wirklich rekordverdächtig. Vielleicht schaffen sie es ja dieses Jahr noch die Rechnung schon VOR dem Essen zu präsentieren.
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Eine halbe Stunde später war ich wieder im Motel und nicht viel später ging ich auch schon schlafen, denn der Tag hatte es wirklich in sich.
Gefahrene Meilen: 162





