Tag 13 - 8. Mai
Als ich gestern das Zimmer betrat, war meine erste Handlung: Heizung
an. Draußen war es kalt, drinnen war es kalt und ich klapperte ebenso. ![]()
Heute
abend war hingegen das Gegenteil der Fall. Es ist jetzt 18 Uhr und das
Thermometer zeigt 78°F an und man könnte es sich sogar draußen vor dem
Zimmer gemütlich machen, aber ich hab ja noch etwas vor.
Aber zurück zum Anfang.
Heute
morgen meldete der Wetterkanal eine derzeitige Temperatur von 38°F, was
dringend nach einer laufenden Heizung verlangte. Kälte ist nicht gut,
um Pläne zu schmieden. Wie soll man da aus dem Bett kommen? Kaffee gibt
es auch keinen und niemand bringt mir Frühstück ans Bett ![]()
Es
hilft aber alles nichts, vom im Bett bleiben gibt’s keine Fotos und der
Bericht bleibt auf ewig bei 40 Seiten hängen und das kann ich weder mir
noch anderen antun. ![]()
Irgendwann war das Zimmer schön aufgeheizt und ich konnte es wagen, ohne mir Frostbeulen zu holen, aus den Federn zu kriechen.
30
Minuten später saß ich auch schon im Auto, in dem es heute morgen aber
mächtig zog und da hab ich es bemerkt: ich hatte gestern vergessen, daß
Dachfenster zu schließen und konnte mal wieder froh sein, in einer
regenarmen Gegend unterwegs zu sein. Das wär ja was geworden, wenn ich
heute beim Türöffnen nasse Füsse bekommen hätte.
Ganz
zu schweigen von den restlichen Unannehmlichkeiten, wie nasse Papiere,
nasse Armaturen, nasse Sitze… aber ok, ich hatte Glück gehabt und
wollte nicht weiter darüber nachdenken.
Nachdem ich auch hier die
Heizung hochgedreht hatte, fuhr ich zu Ziel Nr. 1, welches 25km weiter
nördlich lag. Schon gestern kam ich am Abzweig vorbei und mußte heute
also nicht lange suchen. Während der Fahrt kam die Sonne natürlich mal
wieder von vorn und so mußte ich ganz schön aufpassen, nicht irgendwo
einen Abhang runterzufahren, von denen es ja auf der UT 12 reichliche
gibt.
Am Trailhead zum Lower
Calf Creek parkte ich
mein Auto, schnallte mir
meine wanderfesten
Schuhe um, schmierte mir noch 2 Sandwiches
für
unterwegs, 
denn ich hatte ja noch
nichts im Magen, packte 2 Flaschen
Wasser ein, zahlte die Gebühr von 2$, marschierte los und hoffte
inständig, daß der Weg kürzer und leichter schien, als man im
allgemeinen so hörte und las.
Insgesamt hatte der Weg eine Gesamtlänge von 8,4km und es war schon ein
hartes Stück Arbeit, was da vor mir lag.
Zumindest die ersten 2km
hatten es für meine Verhältnisse in sich, denn immer wieder mußte ich
kraxeln oder nen Hügel hoch und wieder runtergehen und das alles auf
nüchternen Magen, macht keinen Spaß. Zum essen hatte ich aber keine Zeit
und Lust und plante es einfach mal für meine eventuelle Ankunft beim
Wasserfall ein. Eventuell deswegen, weil man bei mir ja diesbezüglich
nie weiß.
Da packt mich der Rappel und ich kehre einfach um.
Ist
alles schon vorgekommen. ![]()



So ging das 1 Stunde und 25 min lang und endlich war ich da.

Tja, was soll ich sagen?
Es hat mich schier umgehauen, was ich da vor mir zu sehen bekam.
Ich glaub, ich hab 2 min einfach nur so dagestanden, geguckt und hab
mir das Pippie aus den Augen gewischt. Endlich mal eine Anstrengung,
die sich wirklich gelohnt hat. Nicht nur einfach so ein alberner Wash,
wo man nichts für sein Geld bekommt oder eine unbefestigte Straße, die
im Nirgendwo endet. Bei dem Anblick kann kein Grand Canyon der Welt
mithalten.

Es sind also doch die kleinen Dinge, die die Welt zu etwas besonderem machen.
![]() | Und das Beste an der ganzen Sache: ich war hier mutterseelenallein
unterwegs. Niemand störte mich beim Bilder machen oder rannte mir durchs
Foto. Es war herrlich. Ich weiß nicht, wie es im Paradies aussieht,
aber genauso stelle ich es mir vor. |
sah mir den Fall noch einmal kurz an und machte mich auf den Rückweg, ohne mich noch einmal umzudrehen.
Jetzt kam mir auch das ältere Pärchen entgegen, welches ich schon ziemlich am Anfang meiner Wanderung überholt hatte.
Auch sonst war jetzt Rushhour auf dem Weg, aber bei 19 Personen hab ich dann aufgehört zu zählen.
Anders erging es den Wanderern, denen ich was von "nur noch eine Meile" am Trailregister erzählte.
Ok, war nen Witz, aber eine gewisse Auflockerung des Textes muß ab und an sein.
Obwohl ich mir für den Rückweg viel Zeit ließ, brauchte ich trotzdem nur 90 min, war aber happy, als ich endlich wieder am Auto war und mich der Schuhe entledigen konnte. Endlich sitzen. Durchatmen. Pause machen.
Ich weiß nicht, wie ich den Weg im Hochsommer geschafft hätte, denn heute war es schon recht schwer und das, obwohl die Temperaturen mehr als moderat waren.
