Als ich aus dem Fenster sah, lachte mir mal wieder die Sonne entgegen
und der Temperaturfühler meinte: kalt.
Was eine Mischung..
![]() | Ich war hier mehr oder weniger mitten in der Wüste und draußen hatte es Temperaturen wie in der Tundra zur Schneeschmelze. Ich ging dann einfach davon aus, daß es sich schon im Laufe des Tages erholen wird,
packte meinen Kram zusammen, gab den Zimmerschlüssel im Laden ab und
mußte nun doch in den sauren Apfel „3,39$“ beißen. Zum Glück paßten nur 4
Gallonen in den Tank, sodaß sich die Kosten in Grenzen hielten. zumal die eigentliche Strecke schon wieder in 5 Stunden abgehakt sein sollte. |

Lieber hatte ich zu viele Ziele auf meiner Reise, als zu wenig. Lieber streiche ich ein paar Punkte, als das ich kurz nach dem Mittagessen wieder im Motelzimmer hockte.
Bevor ich allerdings baden gehen konnte, wartete mal wieder ein Highlight auf mich, von dem ich erst die letzten Monate etwas mitbekam. Man sieht zwar hin und wieder Bilder davon, aber selten macht man sich Gedanken dazu, wo sich dieser Ort befindet. für den Normaltourist ist dieses Fleckchen Erde auch eher zweitrangig, denn es gibt ja viel größere und schönere Dinge zu sehen.

Wer allerdings häufiger die Staaten bereist, braucht immer wieder neue Ziele, damit ihm nicht langweilig wird. Und mal ehrlich: immer nur Grand Canyon ist auf die Dauer sicher auch nicht das Wahre.
Nicht weit nach Hanksville bog ich also von der UT95 nach Westen ab und gelangte nicht wenig später nach Ägypten.
Nach Klein Ägypten.



Ich fuhr also da ein wenig langsamer, konnte aber irgendwie nichts entdecken bzw. es sah auf den ganzen Meilen alles gleich aus. Rote Felsen mit Einschnitten gab es hier viele und so gab ich wieder Gas, und fuhr schnellen Fußes Richtung Lake Powell.

Kaum hatte ich die 60 Mph geschafft, sah ich links im Vorbeifahren einen Parkplatz mit einer Infotafel und ich beschloß, hier auf dem Rückweg mal anzuhalten.
Je näher ich dem See kam, um so schöner wurde die Fahrerei. Die UT 95 wand sich durch immer engere Canyons und wäre ich zu Fuß unterwegs gewesen, hätte ich sicher dutzende Fotos gemacht. Es fuhr sich herrlich.
Irgendwann kamen dann auch die ersten Aussichtshaltepunkte, wo ich einige davon ansteuerte.

Viel Wasser war nicht im See, aber das tat meiner guten Laune keinen Abbruch, denn zu dem schönen Wetter und den schönen Aussichten, gesellten sich auch immer wieder blühend Blumen am Wegesrand hinzu, die sich auf einem Bild hervorragend machten. Hier schien jedenfalls der Winter endgültig vorbei zu sein.
An der Brücke über den Colorado River hielt ich ein letztes Mal, bevor ich ein Dreherle machte und zurück zum Abzweig der UT 276 fuhr, die ebenfalls am Lake Powell endete.



Nach 20 min sattelte ich wieder meine Pferde und hoffte, daß ich den kleinen Parkplatz mit der Infotafel nicht übersah.
Natürlich mußte ich, als es soweit war, kräftig in die Eisen steigen, um es noch rechtzeitig vor der Zufahrt zu schaffen, das Auto zum halten zu bringen, aber ich schaffte es.
Auf der Tafel war von 3 Canyons die Rede, die irgendwas mit Irland zu tun hatten und auch der Lepra-Canyon war dabei. Ich knipste schnell die Tafel und wollte nun sehen, ob ich den genauen Ort fand.
Und genau das tat ich. Und in dem Moment, als ich die beiden Autos da stehen sah, entschied ich mich dafür, den Canyon Canyon sein zu lassen und lieber einen Seetag zu machen, denn die Aussichten hatten mir sehr gut gefallen und ich fühlte mich, wie auf einem Sonntagsausflug.

Ich weiß nicht, ob die UT276 auch als Scenic Route ausgeschildert war, verdient hätte sie es jedenfalls.
Am liebsten wäre ich alle 100m angehalten und hätte Fotos gemacht. Die Landschaft war sowas von schön, man kann es gar nicht beschreiben. Im Hintergrund waren schneebedeckte Berge zu sehen und die Straße wand sich die ganze Zeit durch steinige und hügelige Steinhügel , bei deren Überquerung man unweigerlich daran denken mußte, wie schwierig hier der Straßenbau gewesen sein muß. Es gab nicht einen Meter, der gerade oder eben verlief, doch genau das, machte das Fahren so toll.

Den Abzweig zum Burr Trail, auf dem ich heute noch nach Norden fahren wollte, lies ich erstmal rechts liegen und fuhr weiter bis zum See. Am „Eingang“ zückte ich meine NP-Karte und fuhr geradenweges zum VC, welches aber noch geschlossen hatte. Es war so warm, daß man baden gehen konnte, doch das VC öffnete erst am 21. Mai. Es gab hier also keinen Stempel und so mußte ich mich mit der Aussicht auf herrlich leuchtendes blaues Wasser begnügen.
Ich fand es ja nach wie vor unwirklich, daß es hier einen riesigen See mit tausenden Booten mitten in der Steinwüste gab, denn rund herum gab es so gut wie keine Vegetation. Rotgelber Stein, dunkelblaues Wasser, wieder roter Stein und blauer Himmel. Was ein Kontrast.

Ich hielt mich über eine Stunde hier auf und fand am Ende auch einen Weg direkt bis ans Wasser, in das ich meine Fingerchen hielt. Doch. Durchaus badebar. Ich schätze die Wassertemperatur so auf 20°C. Leider hatte ich meine Schwimmärmel nicht dabei, sonst wäre ich gern ein Stündchen ins Wasser gehopst.
Während der ganzen Kurverei am Wasser lies ich die Karte bei Margret mitlaufen und an ihr sah man deutlich, daß der Wasserstand die letzten Jahre deutlich geschrumpft war, denn immer wieder stand ich laut ihrer Aussage im Wasser, obwohl es bis zum Ufer noch hunderte Meter waren. Eines Tages wird der Lake sicher nur noch auf den Straßenkarten existieren.

Halb 2 verließ ich dann diesen schönen Ort und fuhr Richtung Burr Trail, der als eines der schönsten Nebenstrecken des Westens gilt.
Die ersten 20 Meilen waren asphaltiert und auch hier mußte ich ständig anhalten um zu fotografieren. Es war aber auch zu schön. Canyons, Schluchten, Täler und am Horizont leuchtete stahlblau der Lake Powell. Hach, was war das schön. ![]()


Nach 30 Minuten endete der Asphalt und nun ging es auf einem gut zu befahrenen Schotter weiter und mal wieder zog ich eine Staubwolke hinter mir her, die Meilenweit zu sehen war. Auch das Auto sah nach einigen Km dementsprechend aus.
Der Weg gewann immer mehr an Höhe und auch die Aussichten wurden immer besser. Nach gut einer Stunde Fahrt kam ich dann an die Kreuzung, die ich weiter geradeaus auf die Nottom Rd fuhr. Der Burr Trail knickte hier nach links Richtung Serpentinen ab, aber hier würde ich erst morgen langfahren.


Zumindest meinte ich das in diesem Augenblick noch, denn ich ahnte ja nicht, was die nächsten 60km auf mich zukam.
Ein Washboard jagte das nächste und mir blieb nichts anderes übrig, als die Geschwindigkeit auf der sonst gut zu befahrenen Straße zu erhöhen, denn sonst hätte es meine Knochen endgültig zerlegt. So ratterte ich also die nächsten Km Richtung Norden und kam nur selten dazu, ein Foto zu machen.



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Und weil der Tag heute so gut verlief und ich mal wieder happy war, gönnte ich mir zur Feier des Tages eine riesige Pilz-Chicken-Pizza in einem winzigen Restaurant irgendwo zwischen dem Park und Torrey.
Während ich auf die Pizza wartete, kam ich mit der Hausherrin ins Gespräch, denn mal wieder war ich der einzige Gast im Haus und ich fragte sie, welches der beste Ort im Park für einen Morgenspaziergang war. Sofort kam die Antwort: „Hickman Bridge“.

Wir disskutierten nicht weiter über das Thema, denn ich machte es für morgen sofort fest.
Die Pizza war ausgesprochen lecker, zwar etwas teurer, als ich es von Pizzen gewohnt bin, aber lecker.
Im Aquarius Inn bekam ich dann ein riesiges Zimmer im Nebengebäude und den Zugang zum Internet und den restlichen Abend verbrachte ich dann mit der Planänderung der nächsten beiden Tage.

Gegen halb 10 knipste ich das Licht aus.
Gefahrene Meilen: 292

