Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.
Erasmus von Rotterdam
Prolog:
Es wird Zeit, dass ich meine eigenen Erfahrungen mache.
Die letzten Reisen zusammen mit Hühnchen waren quasi nur die Vorbereitung auf das, was ab jetzt für immer der Fall sein wird:
Sylvi allein unterwegs…

Arches - Bridges - Chaos
Nicht,
weil ich wissen wollte, ob heute wirklich Montag war oder ob ich noch lebte,
sondern wieso ich keinerlei Reisefieber hatte.
Wenn
man sich nicht sicher ist, ob alles mit rechten Dingen zugeht, kneift man
sich normalerweise und genau das tat ich heute morgen halb 6 auch, als ich
aufwachte.
Es
hätte mich freuen müssen, dass es so war, aber genau DAS machte mir Sorgen.
Kein
Reisefieber ist
wie:
keine
Reise
Egal,
erstmal aufstehen und schauen, dass ich nichts vergesse einzupacken.
Das
sind so meine Horrorszenarien: ich stehe am Check In am Flughafen und hab mein
Portemonnaie zuhause vergessen. Oder meine Kreditkarte liegt auf dem
Küchentisch. Oder…
Nein,
ich denke besser nicht weiter darüber nach, es gibt jetzt wichtigere Dinge.
Hab
ich alles? Wie wird es den Blumen die nächsten Wochen ergehen? Soll ich ein
Fenster ankippen oder lieber alles verriegeln?
Fernseher ist aus. Herdplatte
auch. Kaffeemaschine hatte ich keine an.
Koffer
ist zu,
Handgepäck hab ich,
Geld hab ich,
Papiere hab ich,
hab ich?
Noch mal gucken. Ja, hab ich.
Jacke? Hab ich an.
Schuhe? Hab ich an.
Papiere? Hab ich.
Hab ich?
Noch mal gucken.
Hab ich.
Geld? Hab ich.
Schlüssel? Hab ich.
Papiere? Hab ich.
Hab ich…?
Meine
Güte, Sylvi.
Reiß dich zusammen. Du hast
alles eingepackt, also los jetzt. Der Bus wartet nicht auf dich. Also pack
deinen Krempel und lauf los !!!
Tatsächlich
fuhr der Bus vor mir los, als ich grad seine Rücklichter erreichte und normal
wäre ich sicher Wut schnaubend hinter ihm her gerannt, aber da morgens
alle 15 Minuten ein Bus kommt, sah ich das alles gelassen.
Trotzdem
fand ich die Sache vom Busfahrer unhöflich, nicht die 30 Sekunden noch zu
warten. Sowas gab es früher nie… ![]()
Die
nächsten 15 Minuten prüfte ich in Gedanken immer und immer wieder, ob ich auch
alles eingepackt hatte, was man nicht mal eben während der Fahrt kaufen kann.
Aber solange meine Innentasche der Jacke dick war, war alles in Ordnung, denn
dort hatte ich mein Geld und meinen Ausweis und das Zugticket die ganze Zeit
griffbereit.
Was
diese Kontrollen angeht, bin ich sicher paranoid, aber noch hat mich keiner zu
einem Arzt geschickt.
20
Minuten später hatte sich der Bus endlich ausgezuckelt und ich war am Koblenzer
Bahnhof angekommen, wo ich mit meinen beiden Koffern (einer davon Handgepäck,
denn der 2. Koffer, den man am Flughafen aufgibt, kostet ab diesem Jahr 50€)
über den Bahnhofsvorplatz ratterte.
Planmäßige
Abfahrt war 7:50 Uhr und 9:20 Uhr sollte ich am Fernbahnhof am Frankfurter
Flughafen ankommen. Danach hatte ich immer noch genau 3 Stunden Zeit, bis der
Flieger Richtung Washington, DC abhob. Noch war ich also genau im Plan und es
gab nicht den kleinsten Grund, sich wegen irgendwas Sorgen zu machen.
Bis
auf die Sache mit den Papieren und dem Portemonnaie.
Hab
ich alles?
Ja.
Hab ich. Die Tasche war immer noch angeschwollen.
Die
Zugfahrt verbrachte ich stehend, denn ich wusste nicht so recht, wohin mit
meinem Gepäck und ich als Kontrollfreak, hatte ein ungutes Gefühl, es aus den
Augen zu lassen.
Wegen
irgendeines Weichenproblems fuhr der Zug nicht zum Fern- sondern zum
Regionalbahnhof am Flughafen, was sich im Nachhinein als positiv herausstellte,
denn so hatte ich nicht weit bis zum United Schalter zu laufen.
Ich
stellte mich an die 2-Personen-Schlange an und war relativ schnell durch.
Relativ nur deshalb, weil ein US-Marine-Navy-Air Force-Typ sein Handy vermisste
und glaubte, es sei mit dem Koffer in den Untergrund verschwunden.
Während
die Lady also mit rechts alle zuständigen Leute anrief, stellte sie mir mit
links meine Bordkarten neu aus und fragte mich zusätzlich noch so wichtige
Sachen wie: haben sie den Koffer alleine gepackt? Haben sie ein Visa oder sind
sie bei ESTA angemeldet?
„Natürlich
hab ich meinen Koffer alleine gepackt, oder sehe ich aus, als bräuchte ich
dafür Hilfe???“
hätte ich
am liebsten geantwortet, stattdessen lächelte ich, wie ich es ab 1990 gelernt
hatte und tat, als ob die Antworten von größter Wichtigkeit wären.
Kurz
nach halb 10 Uhr war auch das erledigt und nachdem ich nachgesehen hatte, ob
auch noch alles in der Tasche meiner Jacke war und mein Handköfferchen sich
hinter meiner linken Hand befand, lief ich erstmal bis zu der riesigen
Anzeigentafel und vergewisserte mich (mal wieder), ob der Flug auch wirklich
angezeigt wurde.
Dieser
Kontrollzwang ist schon manchmal lästig, aber lieber 2x zuviel gucken,
als 1x zu wenig und dann unwissend durch das Gelände stolpern.
Um
zum Gate zu gehen, war es noch viel zu früh und so tüddelte ich noch über eine
Stunde durch die Hallen und wieder zurück, guckte hier und da und ich weiß gar
nicht mehr, ob ich mir einen Kaffee gönnte, denn heute ist ja schon der 18. Mai
und ich kann mir schließlich nicht alles merken.

Gegen
11 beschloss ich, langsam mein Gate aufzusuchen, schob mich durch die letzte
Kontrolle, wo mein Handgepäckinhalt für Interesse sorgte.
Ich
als rechtschaffene Bürgerin hatte den Trolley nach dem Gesetzbuch gepackt und
es befand sich nichts darin, was man nicht auch ohne Strafen aus dem Land
schmuggeln darf.
Die
Lady nach dem Scanner meinte lächelnd zu mir: „Ist das ihr Koffer?“
Ich: „Ja. Sie können ruhig drin rumschnüff…äähm…reinschauen. Den Sprengsatz hab
ich im großen Koffer!“ ![]()
Sylvi,
schreib nicht so einen Scheiß, die Leute kriegen ja Angst.
Also
los, den Satz noch mal neu !!!
Ich:
„Ja. Tun sie sich keinen Zwang an!“ ![]()
Sie
öffnete den Trolley und die darin befindliche 2. Tasche, die mir als Fototasche
diente, entnahm ihr meinen Fotoapparat und meinte, ich solle ihr bitte folgen,
sie würden mal eben nachschauen, ob ich da was reingebastelt hatte.
Natürlich
hatten sie nichts gefunden, wie gesagt, der Sprengsatz war im
… ja jaaaaa, schon
gut und ich sagte zu den beiden Kontrolleuren, daß ich mir beim besten Willen
nicht vorstellen kann, wie man für gefährliche Sachen noch Platz in einer
Spiegelreflex finden kann.
Ihre
Antwort, dass sie sich freut, in mir keine kriminellen Energien feststellen zu
können, und daß ich mir nicht vorstellen kann, wo man alles Dinge verstecken
kann, entlockte mir zwar ein Lächeln, aber ich sollte mir mein Equipment doch
bei Gelegenheit mal genauer ansehen.
In
einer Kamera. Wie doof muß man denn sein? Zum Schluß fliegt sie in die Luft und
man hat umsonst 500€ ausgegeben. Dann lieber in einem Schuh. Wenn der mit dem
Flieger… ![]()
Ich
sollte besser aufhören, sonst schreib ich mich noch um Kopf und Kragen.
Nachdem
ich mich wieder angezogen und verschnürt und nach der Innentasche meiner Jacke
gesehen hatte, musste ich noch ein letztes Mal durch eine Paß- und
Ticketkontrolle und nach einem 200m-Fußmarsch zum Gate gesellte ich mich
zu den anderen Passagieren, die mit mir fliegen würden.
Keine
Ahnung, ob es anderen auch so geht, aber ich schau mir die Leute immer genau
an, die mit mir in den Flieger steigen und versuche sie in gefährlich,
vielleicht gefährlich, ungefährlich und mit schreiendem Kind
einzuschätzen, wobei ich letzteres als besonders tragisch empfinde, sollte ich
einen Platz direkt daneben erwischen.
Boarding
war gegen 12 Uhr und den hintersten Platz auf der linken Fensterseite, in
Fahrt..äähm Flugrichtung gesehen, teilte ich mir mit einem jungen Mann, der
ebenfalls ein Armymensch war.
Ich
richtete mich häuslich ein, zog meine Schuhe aus, durchwühlte die Tasche im
Sitz vor mir, suchte einen Platz für meine Kamera und eigentlich hätten wir jetzt
starten können, aber es dauert nun mal seine Zeit, bis die Maschine alle
Passagiere verschluckt hatte.
Zur
geplanten Zeit um 12:20 Uhr hatte der Flieger noch nicht mal den Motor an und
ich schrieb eine letzte sms.
Auch
15 Minuten später standen wir immer noch am Gate und der Kapitän meldete sich
aus dem Cockpit, aber ich hab kein Wort von dem verstanden, was er
wollte.
Die
Crew, die für uns zuständig war, kam dann nach 30 Minuten auch mit Getränken
vorbei, denn hier im Flieger war es ganz schön warm. Eigentlich ungewöhnlich,
denn normal sind Flieger amerikanischer Fluggesellschaften immer Schockfroster.
Langsam
machte ich mir aber schon Gedanken, wieso wir mit dem Hintern immer noch auf
deutschem Grund standen und dankte mir innerlich für meine gute Planung, was
die Dauer des Zwischenstops anging.
2
Stunden, nachdem ich den Flieger bestiegen hatte, kam eine 2. Durchsage des
Kapitäns, die mich mit so einer Wucht in die Realität zurückbrachte, dass ich
für einen Moment das Denken einstellte:
„Ladys
und Dschentelmän, diese Maschine wird heute zu keinem Flug starten, denn es
gibt Probleme mit einem der Triebwerke. Wir bitten sie, das Flugzeug jetzt zu
verlassen. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und wünschen ihnen
noch einen schönen Tag!“
Oder
so ähnlich. ![]()
Es gibt viele Situationen, die ich vor einer Reise einkalkuliere, ein nicht startender Flug gehört allerdings nicht dazu. Jedenfalls nicht so einer, wo man bereits im Flieger sitzt.

Auf
den Flughafen kommen und an der Anzeige „gestrichen“ lesen, ist eine Sache, es
aber 60 Minuten NACH dem geplanten Abflug erfahren, ist etwas anderes.
Gedacht
hab ich zu dem Zeitpunkt immer noch nicht, denn sicher würden wir alle einfach
von einer Maschine in die nächste steigen und dann mit etwas Verspätung
starten. So trottete ich den anderen einfach hinterher und stellte mich an die
lange Schlange an, die sich am Gate gebildet hatte.
Nicht
viel später wurde es in der Mitte der Reihe recht unruhig und es wurden Stimmen
laut, Rufe ertönten und man hörte einen Mann so was wie Anweisungen geben.
Die
Schlange verrudelte sich um ihn und jetzt bekam ich auch mit, was hier
„gespielt“ wurde.
Das
Problem mit unserem Flieger war ein größeres, als sie gedacht haben und ein
Ersatzflieger war nie Thema gewesen. Stattdessen hatte man für uns 3
Vorschläge, von denen ich alles andere als begeistert war.
Vorschlag
eins lautete: warten sie hier bis zum jüngsten Tag und fangen sie an zu beten,
dass sie vielleicht heute noch mit dieser Maschine nach Washington fliegen.
„Abgelehnt“
Vorschlag
zwei: gehen sie zum Ticketschalter und lassen sie sich ihr Geld wiedergeben.
„Unvorstellbar!“
Vorschlag
drei und jetzt zitiere ich wörtlich:
„Alle
anderen haben jetzt die Möglichkeit, in ein Hotel gebracht zu werden, wo jedem
ein Zimmer zur Verfügung gestellt und dessen Kosten von der Airline übernommen
werden. Außerdem bekommt jeder Gast einen Telefongutschein über 10€, den er im
Hotel einlösen kann. Im Laufe des Nachmittags werden sie darüber informiert,
wie es weitergeht oder ob sie umgebucht werden. United kümmert sich um alles
und sie werden sofort informiert, wenn es Neuigkeiten gibt!“
Erst
jetzt schaltete sich mein Hirn wieder ein, langsam zwar, aber immerhin. Ich muß
zugeben, ich war etwas überfordert. Normal kommt das nie vor, aber ich
stand grad da wie ein begossener Pudel und wusste weder ein noch aus. ![]()
Immer
wieder gab es von den Leuten ringsum Fragen, was den Flug oder die Unterkunft
oder den Ersatz angeht, aber so richtig wusste der Mensch von United, oder war
er nur vom Flughafen?, auch nicht weiter. Im Grunde war er nur eine
Marionnette, die einen vorgefertigten Text auswendig vorsagte.
Ich
hatte nicht viel Zeit, mich für eine von den 3 Möglichkeiten zu entscheiden und
so blieb nur Variante 3, von der ich ganz und gar nicht begeistert war.
Wie
würde es jetzt weitergehen? Was passiert nachdem ich im Hotel war? Wir haben
es 14 Uhr. Was soll ich da? Was ist mit meinem Koffer? Wer gibt mir Bescheid,
was mit dem Flug ist? Werde ich umgebucht? Auf was? Wann? Wie lange? ![]()
Ich
beschloss die Fragen im Laufe des Tages nacheinander zu beantworten, doch
erstmal lief ich den wenigen Passagieren hinterher, die sich ebenfalls für eine
Hotelübernachtung entschieden hatten.
Wir trotteten durch den ganzen Airport und durch Passkontrollen und vorbei an den ganzen glücklichen Menschen, die soeben eingecheckt hatten und rudelten uns vor der Ankunftshalle wieder zusammen, wo der Herr uns sagte, dass wir jetzt mit dem Shuttlebus zum Steigenberger gebracht würden, wo wir dann weitere Anweisungen bekommen werden. So hofft er.
Aber was wird aus meinem Koffer?
Eine Nacht in einem Hotel ist ja gut und schön, aber in meinem Handgepäck befindet sich nichts, was auch nur ansatzweise für eine Übernachtung geeignet wäre. Keine Zahnbürste, keine frischen Sachen, kein Kamm, kein nichts.
Ich war immer noch wie vor den Kopf gestoßen, als ich plötzlich zu meiner rechten ein „Licht am Ende des Tunnels“ in Form eines Gesprächsfetzens vernahm.
„…Hotel…Wohnmobil…Gepäck…Anschlussflug Phoenix…“
P
H O E N I X ??? ![]()
Meine
Rettung. ![]()
Ich
tat jetzt etwas, was nicht so mein Ding ist, ich sprach das Pärchen an, welches
soeben das Wort Phoenix hat fallen lassen und fragte einfach mal auf den Kopf
zu, ob ich es richtig verstanden hatte, dass sie heute noch nach Arizona
weiterfliegen wollten und Gott sei Dank konnte ich mich noch auf meine Ohren
verlassen.
Meine
nächste Aktion war sicher nicht die feine englische Art, aber ich sagte den
beiden ohne Umschweife, dass ich beabsichtige, mich ihnen anzuschließen, bis
ich meine Füße auf Arizonaboden setzen würde.
Ein
Nein hab ich praktisch nicht akzeptiert und so war ich einen Stein schon mal los.
Das liest sich jetzt wie eine Hau-Ruck-Aktion, aber in Wahrheit war es ein
langwieriger Prozess, denn wären mir die beiden unsympathisch gewesen, hätte
ich mich sicher dazu entschlossen, mich alleine bis zum Ziel durchzuschlagen.
An
der Rezeption des Hotels kannte man sich anscheinend besser mit solchen
Situationen aus, denn man wusste, was auf uns zu kam. Nachdem wir alle ein
Formular ausfüllen mußten, meinten die Rezeptionösen nur, dass wir im Laufe des
Tages eine Nachricht der Fluggesellschaft bekommen werden, auf denen einige
Anweisungen stehen werden. Für alle gestrandeten Passagiere, die in diesem
Hotel untergekommen waren, würde es heute abend ein kleines Abendessen in Form
eines Buffets geben und morgen ein kostenloses Frühstück.
Im
Fahrstuhl verabredeten wir 3 uns dann noch für später um das weitere Vorgehen
zu besprechen und ab und an nach einem Aushang zu sehen.
Das
Zimmer, welches ich bekam war in Ordnung. Die Minibar war versiegelt und die
Aussicht war nicht die, die ich für meine heute geplante Unterkunft gedacht
hatte, aber ok. Es lies sich nicht ändern. Das Wichtigste war jetzt allerdings
erstmal meine Umorganisation meiner Buchungen, was das Motel und den Mietwagen
anging.
Ich schnappte mir also den Telefonhörer, schließlich wollte ich die 10€ nicht
verfallen lassen, und so wählte ich als erstes die Nummer meines
Mietwagenverleihers bzw. der Agentur.
Wenn ich etwas nicht leiden kann, so sind es Besetztzeichen und nach dem 3. Versuch gab ich auf und rief bei der Rezeption an, die mir sagten, ich müsse das Telefon erst freischalten lassen und das ginge nur, wenn ich mich mit der Kreditkarte an der Rezeption einfinde.
Wieso
Kreditkarte? Wir haben 10€ frei…
Egal.
Wenn ein Tag schon alles andere als normal verläuft, dann aber auch richtig.
Die
Dame am Schalter erklärte mir dann, dass sie ja nicht weiß, wann die 10€
vertelefoniert sind und damit Gespräche nicht mittendrin beendet werden,
bräuchte sie eine Bankverbindung, die nach den 10€ zum Einsatz kommt.
Irgendwie
klang das plausibel und so watschelte ich zurück in mein Zimmer um… wieder vor
einem Besetztzeichen zu enden.
Der
Telefonmann des Hotels meinte, er schaltet mich noch mal frei und ich solle 10
Sekunden warten.
Wider
Erwarten klappte es diesmal und die Lady von Holiday Auto kümmerte sich rührend
um mein Problem und schickte ein Fax mit den veränderten Mietbedingungen hier
an das Hotel. Das nenne ich Service. Zack zack und ein Problem war vom Tisch.
Problem
Nr. 2 war ebenfalls in 2 Minuten erledigt und man versprach mir in Tempe, mein
Zimmer, welches ich für 2 Nächte gebucht UND bereits wegen des Rabattes bei
Vorauszahlung, bezahlt hatte, nicht anderweitig zu vergeben, bis ich da war.
Nicht
viel später versammelten wir 3 uns in der Lobby und beschlossen die Sache
einfach selber in die Hand zu nehmen, denn von „weiteren Informationen“ waren
wir so weit entfernt, wie Wasser von der libyschen Wüste.
So
schnappten wir uns das nächste Shuttle, fuhren zum Flughafen und erklärten der
Uniteddame am Ticketschalter unser Problem.
Sie
hatte von der Sache schon gehört und ich war nun der Meinung, hier könnte man
uns Informationen geben, wie es denn weiterging.
Würden
wir heute noch fliegen? Oder morgen? Vielleicht sogar mit der gleichen
Maschine? Wie war das mit dem Koffer? Und der Anschlussflug?
Ab
dem Moment, an den wir ihren Schalter betraten, galten wir 3 als
Zusammenreisende und noch bevor ich meine vielen Fragen zuendedenken konnte,
hatten wir jeder 2 Tickets für Flüge morgen um 14Uhr in der Hand, welche erst
nach San Francisco und anschließend nach Phoenix gingen.

Mein
2. Gedanke: wow. ![]()
Puh. ![]()
Also wäre ich hier alleine gewesen, ich wäre kläglich gescheitert. Ich wollte ja eigentlich nur fragen… Bzw. nicht mal das. Hätte ich die beiden nicht getroffen, säße ich sicher jetzt noch im Hotel und würde auf Nachrichten von United warten. Manchmal kann das Schicksal wirklich nett zu einem sein.
Die
Lady am Schalter fackelte nicht lange und meinte zu uns: „Bevor sie morgen
wieder nicht wegkommen, setze ich sie lieber in eine verfügbare Maschine und
schicke sie in den Urlaub! Ich rufe schnell in der Gepäckabteilung an und kläre
das mit ihren Koffern, aber das sollte kein Problem darstellen“
Sie
drückte uns die neuen Tickets in die Hände und wünschte uns noch einen schönen
Tag.
Da
der Nachmittag noch jung war, schlenderten wir noch etwas über den Flughafen,
den ich, wenn ich ehrlich sein soll, nicht mehr sehen konnte. Ich war jetzt so
lange hier, dass ich einen Bauplan mit verbundenen Augen hätte zeichnen können.
Als
wir zurück ins Hotel kamen, wurden wir von Mitreisenden angesprochen, dass man
jedem Passagier ein Infozettel unter der Tür durchgeschoben hatte, auf denen in
englisch stand, dass wir uns selber um einen Ersatzflug kümmern sollen und
United bedauert es ja soooo sehr, dass
es zum Flugausfall und zu den Unannehmlichkeiten kam.

Da
wir den Gedanken des Selbstkümmerns schon eher hatten, bekamen ihrerseits die
anderen eine Info von uns, denn der Schalter für Umbuchungen schloß in 30
Minuten.
Später
beim Buffet erfuhren wir dann, dass die Ticketdame extra wegen denen
Überstunden gemacht und alle erfolgreich umgebucht hatte.
Was
das Buffet anging, so verschwende ich dafür wirklich ungern meine Zeit, denn es
war eine mittelgroße Katastrophe. Unser Hotel hatte angeblich 4 Sterne, dass
Essen hingegen reichte qualitätsmäßig nur an eine Mitropakantine der frühen
80’er heran.
Furchtbar.
Grauenvoll.
Im
Prinzip hatte man 2 Möglichkeiten: entweder du isst, was dir angeboten wird
oder du gehst wieder.
Der ganze Tag war etwas, das nur dem
echten „Leben“ einfallen konnte. Normal wäre ich jetzt irgendwo in Washington
stammelnd vor einem Officer gestanden, stattdessen lag ich nun in einem
deutschen Durchschnittsbett in einem deutschen Durchschnittsairporthotel und
meldete mich noch schnell per Internet und für viel Geld bei den lieben
Daheimgebliebenen und konnte auch im Forum etwas für Ruhe sorgen, denn dort
hatte man schon mitbekommen, dass es meine Maschine nicht bis zu den Wolken
geschafft hatte. Watt nen Streß.
Der Flug nach San
Francisco war ja erst für den frühen Nachmittag geplant und so ließ ich mir
noch lange Zeit, bis ich endlich einschlafen konnte…