Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.
Erasmus von Rotterdam


Prolog:


Ich bin groß und alt genug, ich brauch niemanden mehr, der mich an die Hand nimmt, und mit mir durch die Welt zieht.

Es wird Zeit, dass ich meine eigenen Erfahrungen mache.

Die letzten Reisen zusammen mit Hühnchen waren quasi nur die Vorbereitung auf das, was ab jetzt für immer der Fall sein wird:

Sylvi allein unterwegs…



Arches - Bridges - Chaos



Tag 1 - 26. April:

Wenn man sich nicht sicher ist, ob alles mit rechten Dingen zugeht, kneift man sich normalerweise und genau das tat ich heute morgen halb 6 auch, als ich aufwachte.

Nicht, weil ich wissen wollte, ob heute wirklich Montag war oder ob ich noch lebte, sondern wieso ich keinerlei Reisefieber hatte.
Es hätte mich freuen müssen, dass es so war, aber genau DAS machte mir Sorgen. 

 

Kein Reisefieber ist wie:                                   

keine Reise


Egal, erstmal aufstehen und schauen, dass ich nichts vergesse einzupacken.
Das sind so meine Horrorszenarien: ich stehe am Check In am Flughafen und hab mein Portemonnaie zuhause vergessen. Oder meine Kreditkarte liegt auf dem Küchentisch. Oder…
Nein, ich denke besser nicht weiter darüber nach, es gibt jetzt wichtigere Dinge.
Hab ich alles? Wie wird es den Blumen die nächsten Wochen ergehen? Soll ich ein Fenster ankippen oder lieber alles verriegeln?
Fernseher ist aus. Herdplatte auch. Kaffeemaschine hatte ich keine an.
Koffer ist zu,

Handgepäck hab ich,

Geld hab ich,

Papiere hab ich,

hab ich?

Noch mal gucken. Ja, hab ich.

Jacke? Hab ich an.

Schuhe? Hab ich an.

Papiere? Hab ich.

Hab ich?

Noch mal gucken.

Hab ich.

Geld? Hab ich.

Schlüssel? Hab ich.

Papiere? Hab ich.

Hab ich…?

Meine Güte, Sylvi.  Reiß dich zusammen.  Du hast alles eingepackt, also los jetzt. Der Bus wartet nicht auf dich. Also pack deinen Krempel und lauf los !!!

Tatsächlich fuhr der Bus vor mir los, als ich grad seine Rücklichter erreichte und normal wäre ich sicher Wut schnaubend  hinter ihm her gerannt, aber da morgens alle 15 Minuten ein Bus kommt, sah ich das alles gelassen.
Trotzdem fand ich die Sache vom Busfahrer unhöflich, nicht die 30 Sekunden noch zu warten. Sowas gab es früher nie…
Die nächsten 15 Minuten prüfte ich in Gedanken immer und immer wieder, ob ich auch alles eingepackt hatte, was man nicht mal eben während der Fahrt kaufen kann. Aber solange meine Innentasche der Jacke dick war, war alles in Ordnung, denn dort hatte ich mein Geld und meinen Ausweis und das Zugticket die ganze Zeit griffbereit.

Was diese Kontrollen angeht, bin ich sicher paranoid, aber noch hat mich keiner zu einem Arzt geschickt.
20 Minuten später hatte sich der Bus endlich ausgezuckelt und ich war am Koblenzer Bahnhof angekommen, wo ich mit meinen beiden Koffern (einer davon Handgepäck, denn der 2. Koffer, den man am Flughafen aufgibt, kostet ab diesem Jahr 50€) über den Bahnhofsvorplatz ratterte.
Planmäßige Abfahrt war 7:50 Uhr und 9:20 Uhr sollte ich am Fernbahnhof am Frankfurter Flughafen ankommen. Danach hatte ich immer noch genau 3 Stunden Zeit, bis der Flieger Richtung Washington, DC abhob. Noch war ich also genau im Plan und es gab nicht den kleinsten Grund, sich wegen irgendwas Sorgen zu machen.
Bis auf die Sache mit den Papieren und dem Portemonnaie.
Hab ich alles?
Ja. Hab ich. Die Tasche war immer noch angeschwollen.
Die Zugfahrt verbrachte ich stehend, denn ich wusste nicht so recht, wohin mit meinem Gepäck und ich als Kontrollfreak, hatte ein ungutes Gefühl, es aus den Augen zu lassen.
Wegen irgendeines Weichenproblems fuhr der Zug nicht zum Fern- sondern zum Regionalbahnhof am Flughafen, was sich im Nachhinein als positiv herausstellte, denn so hatte ich nicht weit bis zum United Schalter zu laufen.
Ich stellte mich an die 2-Personen-Schlange an und war relativ schnell durch. Relativ nur deshalb, weil ein US-Marine-Navy-Air Force-Typ sein Handy vermisste und glaubte, es sei mit dem Koffer in den Untergrund verschwunden.
Während die Lady also mit rechts alle zuständigen Leute anrief, stellte sie mir mit links meine Bordkarten neu aus und fragte mich zusätzlich noch so wichtige
Sachen wie: haben sie den Koffer alleine gepackt? Haben sie ein Visa oder sind sie bei ESTA angemeldet?
„Natürlich hab ich meinen Koffer alleine gepackt, oder sehe ich aus, als bräuchte ich dafür Hilfe???“  hätte ich am liebsten geantwortet, stattdessen lächelte ich, wie ich es ab 1990 gelernt hatte und tat, als ob die Antworten von größter Wichtigkeit wären.
Kurz nach halb 10 Uhr war auch das erledigt und nachdem ich nachgesehen hatte, ob auch noch alles in der Tasche meiner Jacke war und mein Handköfferchen sich hinter meiner linken Hand befand, lief ich erstmal bis zu der riesigen Anzeigentafel und vergewisserte mich (mal wieder), ob der Flug auch wirklich angezeigt wurde.
Dieser Kontrollzwang ist schon manchmal lästig, aber lieber 2x zuviel  gucken, als 1x zu wenig und dann unwissend durch das Gelände stolpern.
Um zum Gate zu gehen, war es noch viel zu früh und so tüddelte ich noch über eine Stunde durch die Hallen und wieder zurück, guckte hier und da und ich weiß gar nicht mehr, ob ich mir einen Kaffee gönnte, denn heute ist ja schon der 18. Mai und ich kann mir schließlich nicht alles merken.



Gegen 11 beschloss ich, langsam mein Gate aufzusuchen, schob mich durch die letzte Kontrolle, wo mein Handgepäckinhalt für Interesse sorgte.
Ich als rechtschaffene Bürgerin hatte den Trolley nach dem Gesetzbuch gepackt und es befand sich nichts darin, was man nicht auch ohne Strafen aus dem Land schmuggeln darf.
Die Lady nach dem Scanner meinte lächelnd zu mir: „Ist das ihr Koffer?“
Ich: „Ja. Sie können ruhig drin rumschnüff…äähm…reinschauen. Den Sprengsatz hab ich im großen Koffer!“

Sylvi, schreib nicht so einen Scheiß, die Leute kriegen ja Angst.
Also los, den Satz noch mal neu !!!
Ich: „Ja. Tun sie sich keinen Zwang an!“

Sie öffnete den Trolley und die darin befindliche 2. Tasche, die mir als Fototasche diente, entnahm ihr meinen Fotoapparat und meinte, ich solle ihr bitte folgen, sie würden mal eben nachschauen, ob ich da was reingebastelt hatte.
Natürlich hatten sie nichts gefunden, wie gesagt, der Sprengsatz war im
… ja jaaaaa, schon gut und ich sagte zu den beiden Kontrolleuren, daß ich mir beim besten Willen nicht vorstellen kann, wie man für gefährliche Sachen noch Platz in einer Spiegelreflex finden kann.
Ihre Antwort, dass sie sich freut, in mir keine kriminellen Energien feststellen zu können, und daß ich mir nicht vorstellen kann, wo man alles Dinge verstecken kann, entlockte mir zwar ein Lächeln, aber ich sollte mir mein Equipment doch bei Gelegenheit mal genauer ansehen.
In einer Kamera. Wie doof muß man denn sein? Zum Schluß fliegt sie in die Luft und man hat umsonst 500€ ausgegeben. Dann lieber in einem Schuh. Wenn der mit dem Flieger…
Ich sollte besser aufhören, sonst schreib ich mich noch um Kopf und Kragen.
Nachdem ich mich wieder angezogen und verschnürt und nach der Innentasche meiner Jacke gesehen hatte, musste ich noch ein letztes Mal durch eine Paß- und Ticketkontrolle und nach einem 200m-Fußmarsch zum Gate gesellte ich mich zu den anderen Passagieren, die mit mir fliegen würden.
Keine Ahnung, ob es anderen auch so geht, aber ich schau mir die Leute immer genau an, die mit mir in den Flieger steigen und versuche sie in gefährlich, vielleicht gefährlich, ungefährlich und mit schreiendem Kind einzuschätzen, wobei ich letzteres als besonders tragisch empfinde, sollte ich einen Platz direkt daneben erwischen.
Boarding war gegen 12 Uhr und den hintersten Platz auf der linken Fensterseite, in Fahrt..äähm Flugrichtung gesehen, teilte ich mir mit einem jungen Mann, der ebenfalls ein Armymensch war.
Ich richtete mich häuslich ein, zog meine Schuhe aus, durchwühlte die Tasche im Sitz vor mir, suchte einen Platz für meine Kamera und eigentlich hätten wir jetzt starten können, aber es dauert nun mal seine Zeit, bis die Maschine alle Passagiere verschluckt hatte.
Zur geplanten Zeit um 12:20 Uhr hatte der Flieger noch nicht mal den Motor an und ich schrieb eine letzte sms.
Auch 15 Minuten später standen wir immer noch am Gate und der Kapitän meldete sich aus dem Cockpit, aber ich hab kein Wort von  dem verstanden, was er wollte.
Die Crew, die für uns zuständig war, kam dann nach 30 Minuten auch mit Getränken vorbei, denn hier im Flieger war es ganz schön warm. Eigentlich ungewöhnlich, denn normal sind Flieger amerikanischer Fluggesellschaften immer Schockfroster.
Langsam machte ich mir aber schon Gedanken, wieso wir mit dem Hintern immer noch auf deutschem Grund standen und dankte mir innerlich für meine gute Planung, was die Dauer des Zwischenstops anging.
2 Stunden, nachdem ich den Flieger bestiegen hatte, kam eine 2. Durchsage des Kapitäns, die mich mit so einer Wucht in die Realität zurückbrachte, dass ich für einen Moment das Denken einstellte:
„Ladys und Dschentelmän, diese Maschine wird heute zu keinem Flug starten, denn es gibt Probleme mit einem der Triebwerke. Wir bitten sie, das Flugzeug jetzt zu verlassen. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten und wünschen ihnen noch einen schönen Tag!“
Oder so ähnlich.

Es gibt viele Situationen, die ich vor einer Reise einkalkuliere, ein nicht startender Flug gehört allerdings nicht dazu. Jedenfalls nicht so einer, wo man bereits im Flieger sitzt.



Auf den Flughafen kommen und an der Anzeige „gestrichen“ lesen, ist eine Sache, es aber 60 Minuten NACH dem geplanten Abflug erfahren, ist etwas anderes.
Gedacht hab ich zu dem Zeitpunkt immer noch nicht, denn sicher würden wir alle einfach von einer Maschine in die nächste steigen und dann mit etwas Verspätung starten. So trottete ich den anderen einfach hinterher und stellte mich an die lange Schlange an, die sich am Gate gebildet hatte.
Nicht viel später wurde es in der Mitte der Reihe recht unruhig und es wurden Stimmen laut, Rufe ertönten und man hörte einen Mann so was wie Anweisungen geben.
Die Schlange verrudelte sich um ihn und jetzt bekam ich auch mit, was hier „gespielt“ wurde.
Das Problem mit unserem Flieger war ein größeres, als sie gedacht haben und ein Ersatzflieger war nie Thema gewesen. Stattdessen hatte man für uns 3 Vorschläge, von denen ich alles andere als begeistert war.
Vorschlag eins lautete: warten sie hier bis zum jüngsten Tag und fangen sie an zu beten, dass sie vielleicht heute noch mit dieser Maschine nach Washington fliegen.

„Abgelehnt“

Vorschlag zwei: gehen sie zum Ticketschalter und lassen sie sich ihr Geld wiedergeben.
„Unvorstellbar!“
Vorschlag drei und jetzt zitiere ich wörtlich:
„Alle anderen haben jetzt die Möglichkeit, in ein Hotel gebracht zu werden, wo jedem ein Zimmer zur Verfügung gestellt und dessen Kosten von der Airline übernommen werden. Außerdem bekommt jeder Gast einen Telefongutschein über 10€, den er im Hotel einlösen kann. Im Laufe des Nachmittags werden sie darüber informiert, wie es weitergeht oder ob sie umgebucht werden. United kümmert sich um alles und sie werden sofort informiert, wenn es Neuigkeiten gibt!“
Erst jetzt schaltete sich mein Hirn wieder ein, langsam zwar, aber immerhin. Ich muß zugeben, ich war etwas überfordert. Normal kommt das nie vor, aber ich stand grad da wie ein begossener Pudel und wusste weder ein noch aus.
Immer wieder gab es von den Leuten ringsum Fragen, was den Flug oder die Unterkunft oder den Ersatz angeht, aber so richtig wusste der Mensch von United, oder war er nur vom Flughafen?, auch nicht weiter. Im Grunde war er nur eine Marionnette, die einen vorgefertigten Text auswendig vorsagte.
Ich hatte nicht viel Zeit, mich für eine von den 3 Möglichkeiten zu entscheiden und so blieb nur Variante 3, von der ich ganz und gar nicht begeistert war.
Wie würde es jetzt weitergehen? Was passiert nachdem ich im Hotel war? Wir haben es 14 Uhr. Was soll ich da? Was ist mit meinem Koffer? Wer gibt mir Bescheid, was mit dem Flug ist? Werde ich umgebucht? Auf was? Wann? Wie lange?
Ich beschloss die Fragen im Laufe des Tages nacheinander zu beantworten, doch erstmal lief ich den wenigen Passagieren hinterher, die sich ebenfalls für eine Hotelübernachtung entschieden hatten.

Wir trotteten durch den ganzen Airport und durch Passkontrollen und vorbei an den ganzen glücklichen Menschen, die soeben eingecheckt hatten und rudelten uns vor der Ankunftshalle wieder zusammen, wo der Herr uns sagte, dass wir jetzt mit dem Shuttlebus zum Steigenberger gebracht würden, wo wir dann weitere Anweisungen bekommen werden. So hofft er.

Aber was wird aus meinem Koffer?

Eine Nacht in einem Hotel ist ja gut und schön, aber in meinem Handgepäck befindet sich nichts, was auch nur ansatzweise für eine Übernachtung geeignet wäre. Keine Zahnbürste, keine frischen Sachen, kein Kamm, kein nichts.

Ich war immer noch wie vor den Kopf gestoßen, als ich plötzlich zu meiner rechten ein „Licht am Ende des Tunnels“ in Form eines Gesprächsfetzens vernahm.

„…Hotel…Wohnmobil…Gepäck…Anschlussflug Phoenix…“

P H O E N I X ??? 

Meine Rettung. 

Ich tat jetzt etwas, was nicht so mein Ding ist, ich sprach das Pärchen an, welches soeben das Wort Phoenix hat fallen lassen und fragte einfach mal auf den Kopf zu, ob ich es richtig verstanden hatte, dass sie heute noch nach Arizona weiterfliegen wollten und Gott sei Dank konnte ich mich noch auf meine Ohren verlassen.
Meine nächste Aktion war sicher nicht die feine englische Art, aber ich sagte den beiden ohne Umschweife, dass ich beabsichtige, mich ihnen anzuschließen, bis ich meine Füße auf Arizonaboden setzen würde.
Ein Nein hab ich praktisch nicht akzeptiert und so war ich einen Stein schon mal los.
Das liest sich jetzt wie eine Hau-Ruck-Aktion, aber in Wahrheit war es ein langwieriger Prozess, denn wären mir die beiden unsympathisch gewesen, hätte ich mich sicher dazu entschlossen, mich alleine bis zum Ziel durchzuschlagen.
An der Rezeption des Hotels kannte man sich anscheinend besser mit solchen Situationen aus, denn man wusste, was auf uns zu kam. Nachdem wir alle ein Formular ausfüllen mußten, meinten die Rezeptionösen nur, dass wir im Laufe des Tages eine Nachricht der Fluggesellschaft bekommen werden, auf denen einige Anweisungen stehen werden. Für alle gestrandeten Passagiere, die in diesem Hotel untergekommen waren, würde es heute abend ein kleines Abendessen in Form eines Buffets geben und morgen ein kostenloses Frühstück.
Im Fahrstuhl verabredeten wir 3 uns dann noch für später um das weitere Vorgehen zu besprechen und ab und an nach einem Aushang zu sehen.
Das Zimmer, welches ich bekam war in Ordnung. Die Minibar war versiegelt und die Aussicht war nicht die, die ich für meine heute geplante Unterkunft gedacht hatte, aber ok. Es lies sich nicht ändern. Das Wichtigste war jetzt allerdings erstmal meine Umorganisation meiner Buchungen, was das Motel und den Mietwagen anging.
Ich schnappte mir also den Telefonhörer, schließlich wollte ich die 10€ nicht verfallen lassen, und so wählte ich als erstes die Nummer meines Mietwagenverleihers bzw. der Agentur.

Wenn ich etwas nicht leiden kann, so sind es Besetztzeichen und nach dem 3. Versuch gab ich auf und rief bei der Rezeption an, die mir sagten, ich müsse das Telefon erst freischalten lassen und das ginge nur, wenn ich mich mit der Kreditkarte an der Rezeption einfinde.

Wieso Kreditkarte? Wir haben 10€ frei…
Egal. Wenn ein Tag schon alles andere als normal verläuft, dann aber auch richtig.
Die Dame am Schalter erklärte mir dann, dass sie ja nicht weiß, wann die 10€ vertelefoniert sind und damit Gespräche nicht mittendrin beendet werden, bräuchte sie eine Bankverbindung, die nach den 10€ zum Einsatz kommt.
Irgendwie klang das plausibel und so watschelte ich zurück in mein Zimmer um… wieder vor einem Besetztzeichen zu enden.
Der Telefonmann des Hotels meinte, er schaltet mich noch mal frei und ich solle 10 Sekunden warten.
Wider Erwarten klappte es diesmal und die Lady von Holiday Auto kümmerte sich rührend um mein Problem und schickte ein Fax mit den veränderten Mietbedingungen hier an das Hotel. Das nenne ich Service. Zack zack und ein Problem war vom Tisch.
Problem Nr. 2 war ebenfalls in 2 Minuten erledigt und man versprach mir in Tempe, mein Zimmer, welches ich für 2 Nächte gebucht UND bereits wegen des Rabattes bei Vorauszahlung, bezahlt hatte, nicht anderweitig zu vergeben, bis ich da war.
Nicht viel später versammelten wir 3 uns in der Lobby und beschlossen die Sache einfach selber in die Hand zu nehmen, denn von „weiteren Informationen“ waren wir so weit entfernt, wie Wasser von der libyschen Wüste.

So schnappten wir uns das nächste Shuttle, fuhren zum Flughafen und erklärten der Uniteddame am Ticketschalter unser Problem.
Sie hatte von der Sache schon gehört und ich war nun der Meinung, hier könnte man uns Informationen geben, wie es denn weiterging.
Würden wir heute noch fliegen? Oder morgen? Vielleicht sogar mit der gleichen Maschine? Wie war das mit dem Koffer? Und der Anschlussflug?
Ab dem Moment, an den wir ihren Schalter betraten, galten wir 3 als Zusammenreisende und noch bevor ich meine vielen Fragen zuendedenken konnte, hatten wir jeder 2 Tickets für Flüge morgen um 14Uhr in der Hand, welche erst nach San Francisco und anschließend nach Phoenix gingen.




 


Mein 2. Gedanke: wow.

Puh. 

Also wäre ich hier alleine gewesen, ich wäre kläglich gescheitert. Ich wollte ja eigentlich nur fragen… Bzw. nicht mal das. Hätte ich die beiden nicht getroffen, säße ich sicher jetzt noch im Hotel und würde auf Nachrichten von United warten. Manchmal kann das Schicksal wirklich nett zu einem sein.

Die Lady am Schalter fackelte nicht lange und meinte zu uns: „Bevor sie morgen wieder nicht wegkommen, setze ich sie lieber in eine verfügbare Maschine und schicke sie in den Urlaub! Ich rufe schnell in der Gepäckabteilung an und kläre das mit ihren Koffern, aber das sollte kein Problem darstellen“
Sie drückte uns die neuen Tickets in die Hände und wünschte uns noch einen schönen Tag.
Da der Nachmittag noch jung war, schlenderten wir noch etwas über den Flughafen, den ich, wenn ich ehrlich sein soll, nicht mehr sehen konnte. Ich war jetzt so lange hier, dass ich einen Bauplan mit verbundenen Augen hätte zeichnen können.
Als wir zurück ins Hotel kamen, wurden wir von Mitreisenden angesprochen, dass man jedem Passagier ein Infozettel unter der Tür durchgeschoben hatte, auf denen in englisch stand, dass wir uns selber um einen Ersatzflug kümmern sollen und United bedauert es ja 
soooo sehr , dass es zum Flugausfall und zu den Unannehmlichkeiten kam. 


 

Da wir den Gedanken des Selbstkümmerns schon eher hatten, bekamen ihrerseits die anderen eine Info von uns, denn der Schalter für Umbuchungen schloß in 30 Minuten.

Später beim Buffet erfuhren wir dann, dass die Ticketdame extra wegen denen Überstunden gemacht und alle erfolgreich umgebucht hatte.


Was das Buffet anging, so verschwende ich dafür wirklich ungern meine Zeit, denn es war eine mittelgroße Katastrophe. Unser Hotel hatte angeblich 4 Sterne, dass Essen hingegen reichte qualitätsmäßig nur an eine Mitropakantine der frühen 80’er heran.

Furchtbar.

Grauenvoll. 

Im Prinzip hatte man 2 Möglichkeiten: entweder du isst, was dir angeboten wird oder du gehst wieder.
Der ganze Tag war etwas, das nur dem echten „Leben“ einfallen konnte. Normal wäre ich jetzt irgendwo in Washington stammelnd vor einem Officer gestanden, stattdessen lag ich nun in einem deutschen Durchschnittsbett in einem deutschen Durchschnittsairporthotel und meldete mich noch schnell per Internet und für viel Geld bei den lieben Daheimgebliebenen und konnte auch im Forum etwas für Ruhe sorgen, denn dort hatte man schon mitbekommen, dass es meine Maschine nicht bis zu den Wolken geschafft hatte. Watt nen Streß.

Der Flug nach San Francisco war ja erst für den frühen Nachmittag geplant und so ließ ich mir noch lange Zeit, bis ich endlich einschlafen konnte…

 



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