Sonntag, der 1.Februar
Nachdem wir das üppige und abwechslungsreiche Frühstück unangetastet im Hotel stehen ließen, war unser erster Gang: „Bitte einmal 2 Drei-Tages-Tickets!“

Da wir immer noch jeden einzelnen Knochen und Muskel spürten, war es für mich
ein Leichtes, Hühnchen davon zu überzeugen, die 11€ in Fahrscheine zu
investieren.

Da wir gestern das Monumento Vittorio Emmanuele ll nur von hinten sahen, war es
heute unser erster Punkt auf der Tagesordnung, bevor uns unser Weg weiter zum
Pantheon und zum Papst führte.
Als ich letztes Jahr hier war, war fast die ganze „Schreibmaschine“ in Baunetze
eingehüllt und somit konnte man nur bis auf halbe Höhe hinauf. Dieses Jahr, so
dachte ich, kann man endlich wieder bis ganz hoch und die Aussicht auf fast die
ganze Stadt genießen.


Leider war da der Wunsch Vater des Gedanken, und ich mußte mich mit den
gleichen Eindrücken wie letztes Jahr zufrieden geben. Irgendwie hatte auf
diesem Trip jemand was gegen mich, denn so wirklich glatt lief bisher nichts.

Ok, dann gehen wir jetzt zum Pantheon und schauen mal, ob „die Bude noch
steht“.. ![]()
Jep, das tat sie und weil heute Sonntag war, kam es, wie es kommen mußte:
Gottesdienst-Time. Und damit niemand das Palaver störte, war das Gebäude
großräumig abgesperrt. Klasse. Gaaaaaaanz toll.
Und jetzt? Wenn das weiter so geht, sind wir 14 Uhr mit der Stadt fertig und
haben trotzdem nichts gesehen..
Und weil der Wetterbericht auch nicht mehr das ist, was er mal war, nutzte ich
den Sonnenschein, um mich um das Mitbringsel zu kümmern, was ich jemandem
versprochen hatte. Und da es bei Regen nicht zu erstehen ist…
* * *
Auch auf unserem nächsten Highlight der Tour, der Piazza Navona, wurde noch
gebaut. Werden die hier denn nie fertig??
Ok, erstmal in die Kirche. Hatten wir ja lange nicht mehr.

An der Tür wurde darauf hingewiesen, daß keine Fotografierarbeiten geduldet
werden und so betraten wir die heiligen Hallen, um nach 10 Sekunden
festzustellen: keine Sau hielt sich dran. Ein Blitzlichtgewitter jagte das
andere und da ich das schon lange kann, was andere können.. zückte ich
ebenfalls meine Kamera und den „Aufpasser“ am Eingang juckte es ebenfalls nicht
sonderlich.
Erstmal hinsetzen und verschnaufen.

Mal abgesehen davon, daß die Baustelle auf dem Platz um 5m nach rechts
gerutscht ist, hat sich in dem Jahr nichts verändert. Die Maler und
Bilderverkäufer waren immer noch da und sie standen sogar alle noch an der
selben Stelle.
Am Ende des Platzes ist ein Fotoladen und weil Hühnchen nur eine Speicherkarte
besitzt, haben wir spaßeshalber mal gefragt, ob sie sowas anbieten und wenn ja,
was es denn kosten soll.
Kauft man sich in Dt. eine Speicherkarte von 2gb, muß man zwischen 5 und 10€
dafür bezahlen. Hier wollte man für 2gb gleich 23€.
Wir verließen dankend den Laden und fragen uns, in welchem Jahrhundert die
Menschen hier leben. Wer soll das kaufen…????
Das heute Sonntag war, merkten wir auch, als wir die Via de Concicinqu… als wir
die Straße erreichten, die zum Petersdom führte. So stelle ich mir die
Völkerwanderung vor. Tausende Gläubige, Nonnen und Nönnerer auf dem Weg zurück
in die Stadt. Das nenn ich perfektes Timing. Wäre schlimm, wenn wir an der
Kirche angekommen wären, während da grad die Messe abgehalten worden wäre.
(Scheiß auf richtige Grammatik)
Für viele ist es ein Traum, einmal
dabeizusein, für mich gibt es allerdings schönere Dinge…

Beim Tageslicht betrachtet, zeigte sich dann auch die wahre Größe des Platzes
und der Kirche, obwohl ich Hühnchen ansah, daß sie sich das ganze NOCH größer
vorgestellt hatte. Sie hat mich irgendwann die Tage gefragt, was ich glaube,
wie lange sie wohl an der Kirche gebaut haben. Heute weiß ich es: der Bau, so
wie wir ihn HEUTE sehen, wurde von 1506 bis 1626 errichtet.
Da die Schlange an der Einlaßkontrolle noch ca. 100m lang war, setzten wir uns
erstmal an eine der vielen Säulen und verspeisten unser heute morgen
geschmiertes und üppig belegtes Baguettebrot und beobachteten in der Zeit die
Leute, die da so kamen und gingen.
Nach dem 2 Frühstück war die Schlange soweit geschrumpft, daß wir uns
entschieden, uns dort anzustellen. Leider dachten andere das auch und so waren
wir, als wir das Ende erreichten, Nr. 1277 und 1278….
Ca. 20 Minuten später waren wir aber endlich an den Toren zur Kirche angekommen
und ich überlegte mir schonmal, wo ich denn alles meine Kamera positioniere..
Der Satz: „Früher war alles besser“ traf auch auf diesen Teil der
Stadtbesichtigung zu und ich mußte Hühnchen ein weiteres Mal enttäuschen, denn
sie bekam nicht das zu sehen, was ich ihr versprochen hatte.
Das gesamte Mittelschiff war abgesperrt. Man konnte weder unter die Kuppel,
noch kam man an den Baldachin heran, der über dem Grab des heiligen Petrus
steht.
Als wir den Kircheninnenraum betraten, mußten wir uns daher entscheiden, ob wir
links oder rechtsrum gehen.

Auch hier war die weihnachtliche Krippe noch aufgebaut und es waren so viele
Menschen hier, daß es unmöglich war, Fotos zu machen, auf denen nichts zu sehen
war, außer das heilige Gemäuer.
Nachdem wir krampfhaft versucht hatten, einige Deckenfotos zu machen, wir aber
dabei aufpassen mußten, daß nicht irgendwer unser Equipment zertritt, verließen
wir die Kirche und fuhren zurück zum Hotel, holten uns unsere tägliche Dosis
Döner und machten anschließend Siesta...


Mit Einbruch der Dunkelheit gg. 18 Uhr verließen wir das Hotel zu unserer
allabendlichen Nachtfoto-Etappe. Ziele waren heute die spanische Treppe und die
Fontana die Trevi.
Wir bestiegen also die Metro Linie A, fuhren 3 Stationen Richtung Battistini
und schwupps, waren wir auch schon vor Ort. Ehrlich gesagt, hatte ich mir das
ganze hier bunter und interessanter vorgestellt, aber immerhin hatten wir
Winter. Wer da blühende Geranien erwartet, ist hier falsch. So versuchten wir
mal wieder das Beste aus dem Ambiente herauszuholen und suchten als nächstes
die richtige Straße, die uns zur Fontana di Trevi bringen sollte.
Irgendwie war mir das da alles zu verwinkelt und so beschloß ich, doch mal nen
Blick auf den Stadtplan zu werf….. „Hühnchen? Hast du den Stadtplan?“
„Nee, den hast DU doch!“
Tja, wenn man alt wird…
Man kann zwar dumm sein, aber man muß sich zu helfen wissen.
Ab ins nächste Hotel und den Rezeptionisten gefragt, ob ich einen der vielen
Pläne haben kann, die ihnen als Schreibunterlage dienen.
Und schwupps…Fehler behoben.
Soooo, wo waren wir jetzt?
Aaaah, ja… wir müssen da vorn rechts und dann links…. und dann,
Mist, da kommen wir wieder an der Treppe raus. Ok, von vorn: da rechts und
dann… ach egal, wir finden uns schon.

Und tatsächlich. Nach nur 100km Irrweg waren wir endlich am Brunnen, wie 1000
andere Leute auch.
Ist man denn nirgends vor Touristen sicher???

Irgendwie war ich schon leicht genervt und geschlaucht und wollte eigentlich
nur noch unter die heiße Dusche und ins Bett, was auch 1 Stunde später der Fall
war. Und die Dusche war WIRKLICH heiß, was in römischen Hotels recht selten
ist.
Alles, was ich an diesem Abend noch machte, war: Fläschchen Wein auf, Blasen
zählen und über den vergangenen Tag nachdenken.
Montag, der 2. Februar
Heute ist Markttag.
Es gibt doch (fast) nichts faszinierenderes, als in Rom auf den Märkten zu
schlendern und zu gucken, zu probieren und zu…

knipsen.
Haben wir uns die letzten Tage eher mit der Antike beschäftig, sollte es heute
die Gegenwart sein. Nachdem wir unseren Proviant und den Regenschirm
eingepackt, hatten, denn es sah heute morgen so aus, als wenn uns der ein oder
andere Schauer erwarten würde, fuhren wir mal wieder Bus. Mit unseren lädierten
Knochen, wären wir sicher schon auf halber Strecke tot zusammengebrochen. Wir
beide fühlten uns mittlerweile wie 100 aufwärts und wenn es sich vermeiden
ließ, fuhren wir, statt zu laufen.
„Diener, die Sänfte bitte!“

Wir stiegen am Termini also in einen der vielen Busse und schaukelten gemütlich
bis zur Station „Corso“ auf der Corso Vittorie Emanuele und trotteten dann
gemütlich zum Markt. Wir krochen förmlich dahin, aber es ging wirklich nicht
schneller. Ok, wir hätten die Strecke auch mit dem Minibus Nr. 116 fahren
können, aber die 100m wäre es albern gewesen.
Irgendwann kamen wir auch aus eigenen Kräften am Markt an und „stürzten“ uns
ins Getümmel. Ich konzentrierte mich aufs Filmen, während Hühnchen eine Tomate
und Aubergine nach der anderen knipste. Da es ja in Deutschland kein Obst und
Gemüse gibt, ist es durchaus nachzuvollziehen ![]()

Womit ICH allerdings nicht gerechnet hatte: hier gab es Mandarinen. Die hab ich
seit über 20 Jahren nicht mehr gegessen, denn nach der Wende gab es ja nur noch
Clementinen, die es aber mit Mandarinen nicht aufnehmen können. Schon der
Geruch ist beeindruckend. Das Kilo kostete an dem Stand 3€ und ich genehmigte
mir 3, die ich innerhalb kürzester Zeit verspulte..

Und da ja in diesem Urlaub nichts glatt lief, erwischte es uns (eher mich) auch
hier: 5 Meter weiter kosteten die Mandarinen nur noch 2 € das kg. Das erinnert
mich an einen Satz, den ich auf einer anderen Reiseseite las: „Und egal, wo man
in den USA tankt, die nächste Tankstelle, an die man kommt, ist IMMER
billiger…!“ C’est la vie
Nachdem wir jeden cm² des Marktes begutachtet und auf Foto und film gebannt
hatten, krochen wir weiter nach Trastevere, welches der Stadtteil links des
Tibers ist, woher er auch seinen Namen hat: Trastevere…tras tever… hinter dem
Tiber..
In den letzten Jahren wurde hier viel wiederaufgebaut und schön gemacht und
Trastevere entwickelte sich zu einer teuren Wohngegend mit Charme.

Da heute schon Montag war und morgen Abend der Flug zurück nach Dt. ging, war
es an der Zeit, sich um das Schreiben von einigen wenigen Karten zu kümmern.
Nachdem ich die erste Post wegen zu hohen Andranges verließ, fanden wir um die
Ecke eine weitere Filiale. Warum es hier 2 gibt, erschloss sich uns, als wir
Nr.2 betraten. Während in Filiale 1 ausgebildete Postler arbeiteten, wurden wir
hier von 2 Dilettanten bedient, die in ihrem ganzen Leben wahrscheinlich erst 1
Briefmarke gesehen hatten. Sie waren dermaßen überfordert, daß es schon nicht
mehr mit anzusehen war. Da wir beide kein italienisch verstehen, ließen wir
einfach nur die Bilder auf uns wirken. 2 Schalter. 2 Beamte (ich nenne sie
jetzt einfach mal so) und an jedem Schalter vor uns ein Kunde. Einer wollte
Geld, der andere wollte ein Päckchen o.ä. abholen.

Irgendwann im Laufe der Diskussion, daß ja kein Geld und schon gar kein
Päckchen da ist, verabschiedete sich ein Schaltermitarbeiter nach hinten,
telefonierte ne Runde und ließ den Kunden einfach stehen, der sich dann dem
anderen Mitarbeiter zuwandte, der ihm dann alles noch einmal erklärte, daß er
ja die falsche Person sei, mit dem falschen Zettel, in der falschen Filiale, im
falschen Land und überhaupt haben wir heute keine Lust uns um sie zu kümmern.
Fragen sie einfach morgen noch einmal nach… Oder besser übermorgen. Dann ist ja
auch kein Montag mehr und vielleicht wird dann alles gut. Irgendwie ging hier
alles mit einer Seelenruhe von statten, daß ich beinah ausgeflippt wäre.

Schade, daß wir kein Foto gemacht haben, denn man brauchte nur hinter die
Schaltermenschen schauen, um zu wissen, woher das Chaos und die Inkompetenz
kam. Der Raum hinter ihnen hatte eine Größe von ca. 3x4m maximal und war so
vollgestopft mit Kartons und Kisten und Regalen und Papieren, sie KONNTEN gar
nicht effizient arbeiten.
Das sie am Ende die 7 Briefmarken fanden, die ich verlangte, grenzte an ein
Wunder. Zusammenfassend kann man sagen: erstmal atmen, der Rest kommt von
alleine. Irgendwann. Vielleicht...

Auf unserem weiteren Weg durch Trastevere kamen wir an etlichen Pizzerien und
Trattorien und Osterien vorbei und sahen, daß sie relativ humane Preise hatten
und so beschlossen wir, heute Abend noch einmal zurückzukommen und hier Essen
zu gehen.

wenn sie sie schon nicht pflücken kann... ![]()
Nachdem wir durch jede Gasse geschlichen waren, krochen wir beinah auf allen
Vieren zurück zur Via de Trastevere, bestiegen die Linie H und fuhren bis zur
Piazza Venezia, wo wir uns nach einer Weile in die Linie 119 quetschten.
Quetschten deshalb, weil in bestimmten Stadtvierteln keine großen Linienbusse
Platz haben und dort nur Busse mit einer maximalen Länge von 3 Metern
verkehren.
Bisher kannten wir die spanische Treppe und die Fontana di Trevi nur im
Dunkeln, also war es ander Zeit, für Tagesfotos.
Nach 30 min war auch dieser Tagesordnungspunkt abgehakt und wir fuhren zurück
ins Hotel für unsere tägliche Siesta und Karten mußten wir ja auch noch
schreiben.

* * *
Normal ist es nicht kompliziert, sich in Rom zurechtzufinden. Wenn man weiß, wo
Norden und Süden ist, ist es schon die halbe Miete. Anders sieht es allerdings
aus, wenn es dunkel und kein Stern weit und breit zu sehen ist und man sich auf
sein Gedächtnis verläßt.
Unser Ziel für heute abend war ja eine Pizzeria in Trastevere und wir fuhren
mit der Linie H wieder zurück bis zur Via de Trastevere, an der wir heute
Nachmittag in einen Bus zurück in die Stadt eingestiegen waren.
Alles klappte wie am Schnürchen. Wir stiegen aus, und hielten uns immer rechts,
denn die Hauptstraße teilte den Stadtteil in 2 Hälften. Der rechte Teil von
beiden war allerdings der interessantere und sehenswertere.
Trotzdem kamen uns die ersten 500m spanisch vor. Keine enge Gasse weit und
breit. Kein Restaurante und sonst nichts, was im Entferntesten an den
Nachmittag erinnerte. Ich überlegte nochmal und meinte dann: ok, immer gerade
aus, dann kommen wir zum Tiber und halten uns dann etwas links, dann kommen wir
wieder in etwa bei der Post raus.
SOOOOO war der Plan..
Komisch nur, daß wir just in dem Moment in ein Wurmloch fielen und nicht
rechts, sondern links in Trastevere wieder zum Vorschein kamen.

A=Haltestelle, B=Otello, blaue Linie=gegangener
Weg, gelber Pin=Stelle, an der wir merkten, daß wir falsch sind
Um es mal einfacher zu erklären:
Fußballfeld. 2 Hälften. Du willst ins rechte Tor. Und auf halber Strecke merkst
du: upps…wie komme ich denn plötzlich in die linke Hälfte? Irgendwas ist hier
faul.
Wir beiden überlegen heute noch, wie wir nach links kamen, obwohl wir
erwiesener Maßen rechts abgebogen sind. Selbst der Blick auf den Stadtplan half
uns nicht, denn um zu wissen, wo man ist, muß man ja wissen, wo man suchen muß.
Es war schrecklich.
Nach 2 Stunden „Irrfahrt“ landeten wir doch noch in der richtigen Hälfte und
nahmen das erstbeste Lokal, namens „Otello“.


Da ich letztes Jahr Pizza
hatte, beschloß ich dieses Jahr Pasta (Nudeln)
zu essen. Und ich muß sagen: erstklassig. Nicht teuer und trotzdem sättigend.
Lecker.


Der abend war trotz unserer Odysse noch jung und wir überlegten, was wir noch
anstellen könnten. Hühnchen wollte noch einmal zum Kolosseum und so machte ich
den Vorschlag: ok, laß uns zur Schreibmaschine fahren und zum Kolosseum laufen,
dann siehst du auch noch Dinge, die wir bisher außer Acht gelassen haben.

Monumento Vittorio Emanuele ll, von den
Italienern "Schreibmaschine" genannt
Gesagt, getan und wir fuhren mit der 271 bis zur Via dell Ara Coeli, links
neben der Schreibmaschine und liefen dann, immer mit der Knipse im Anschlag bis
zum Kolosseum, wo wir in Ruhe, mal abgesehen von den Störungen der indischen
oder pakistanischen Rosenverkäufer, ausgibig knipsen konnten.


Letzter Akt des Tages: Gläschen Rotwein und schlaaaaaaaaaaaaafen…
Dienstag, der 3. Februar
Heute geht’s wieder zurück nach Hause. Allerdings erst 22:10Uhr.
Bis dahin hieß es: Zähne zusammenbeißen und durch. Im Hotel durften wir bis
10.30Uhr bleiben und nutzten es auch komplett aus, da wir ja heute keine Siesta
machen konnten.
Wir packten also gemütlich unsere 7 Sachen und kehrten, nachdem wir mit dem
Mann an der Rezeption ausgemacht hatten, daß wir unser Gepäck bis halb 7 Uhr
abends hier deponieren dürfen, dem Hotel den Rücken um uns auf dem Weg zum
Bahnhof zu überlegen: WAS machen wir jetzt?
Erstmal: zurück zum Hotel, denn dort lag in den Tiefen der Reisetasche,
Hühnchens Speicherkarte.
Und nun?
Wir hatten alles gesehen.
STOP!
Hatten wir eben NICHT.
Was noch fehlte, waren die Piazze del Popolo und das Pantheon von innen, denn
dort war bei unserem letzten Besuch ja grad Gottesdienst.
So schlenderten wir also das letzte Mal zur Metro, bestiegen Linie A Richtung
Battistini und stiegen an der 4 Haltestelle namens „Flaminio“ wieder aus.



Irgendwie ist es am letzten Reisetag immer so, daß man so voll von Eindrücken
ist, daß man nur so so vor sich hinguckt, aber nichts mehr aufnehmen kann.
Wären wir am ersten Tag hier gewesen, hätte uns der Platz, mal abgesehen von
den nervenden Rosenveräufern, sicher einige Ah’s und Oh’s entlockt. Heute war
er aber einfach nur ein weiterer Ort, auf dem uns gehörig die Füße schmerzten.
Gaaaanz langsam gingen wir also südwärts Richtung Panthon, bestaunten das Loch
in der Decke und flüchteten von Zeit zu Zeit den Regenschauern, die heute
endlich fielen, wo sie doch schon wochenlang vorher angekündigt waren.
So saßen wir da im Pantheon, guckten, lauschten, streckten unsere Beine aus und
hatten das Gefühl, unendlich viel Zeit zu haben.
Und nun?
Es war noch keine 13 Uhr.
Unser Bus zum Ciampino fuhr erst 19 Uhr.
Ok, wir gehen einfach drauf los und schaun, in welcher Ecke der Stadt wir
landen.
Piazza Navona? Campo de Fiori?
Klingt gut. Auf geht’s.

Im Gegensatz zu gestern, gab es heute sogar Fisch und allerlei anderes Getier,
was sich in unseren Meeren aufhält. So wirklich appetitlich sah es nicht aus
und es roch schon arg streng nach Fisch. Bloß gut, daß man es nachher auf den
Fotos oder im Film nicht mehr riecht

UND sie hatten Mandarinen zum Supersonderangebot von 1,80€ das Kg. Na da mußte
ich einfach zugreifen und außerdem: Vitamine sind wichtig.
Hühnchen genehmigte sich, als wir an einer Bäckerei vorbeikamen, 2
Schokocroissants und so waren wir beide zufrieden.

Immer noch hatten wir 4 Stunden Zeit und so langsam wollten wir nur noch nach
Hause. Ich sag ja: 3 Tage sind für Rom eindeutig genug. Klar gab es noch
dutzend andere Sachen zu sehen, aber wir konnten wirklich nicht mehr. Alles an
uns schaltete ab. Erst die Füße, dann die Beine und so ging es immer weiter
nach oben. Als nächstes folgte der Rücken und zum Schluß der Kopf. Bloß gut,
daß die Atmung selbstständig funktioniert, sonst hätte sie sicher auch noch
ausgesetzt
Was kann man noch tun, wenn man alles schon gesehen hat?
Nochmal zum Papst und uns die Absperrungen im Petersdom anschaun? Okeeeeee,
überredet.
Ab in die 64 und bis zur Endstation, namens „Piazza san Pietro“, was auch so am
Bus stand. Nur: woher sollte ich wissen, daß die Piazza san Pietro nicht am
Petersdom ist? Wir fuhren also viel zu weit und beratschlagten, was wir jetzt
tun. Einstimmig beschlossen wir: wo eine Endstation ist, ist auch ein
Startpunkt. Und so, wie wir aus dem Bus ausstiegen, stiegen wir in den nächsten
Bus mit der Nr. 64 wieder ein und fuhren 3 Stationen zurück.
Wie sag ich immer so schön: Bleede kamma sein, man muß sich nur zu helf’n wissn
Heute, über 40 Tage (hab ich schnell im Kopf ausgerechnet
) nach Weihnachten, bequemte sich das
Personal vom Vatikan endlich, den Weihnachtsbaum samt Krippe abzubauen, was
allerdings dazu führte, daß auf jedem Foto ein Baukran zu sehen war.
Auch im Dom war man fleißig dabei, die restlichen Spuren von Weihnachten zu
beseitigen und so schepperte es ständig, wenn die Krippenmonteure mal wieder
ein Brett sanft zu Boden legten…
Was uns als erstes auffiel, als wir zur Kirchentür hereinkamen: keine Stühle
und keine Absperrungen weit und breit. Endlich konnte man wieder in die
Richtung gehen, in die man wollte. Außerdem verteilten sich so die
Menschenmassen besser. Es wird zwar über den Dom gesagt, daß er 60.000 Menschen
Platz bietet, aber das kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen. Ob sie
dann übereinander stehen?

Auf dem Weg nach draußen, hat sich Hühnchen überlegt, jemandem, der genauso ein
Heidekind ist, wie ich, ein schönes Geschenk mitzubringen und so sind wir zur
Vatikanpost gegangen und sie schrieb ihm eine Karte mit Benedikt dem XVl.
darauf. Da wird er sich aber freuen…
Mittlerweile hat es sich eingeregnet und ab dem Zeitpunkt lief ohne Regenschirm
nichts mehr. Unsere Fotos hatten wir im Kasten und so konnten wir damit leben.
Langsam meldete sich der Hunger und wir beschlossen, zum Abschluß des Trips
doch noch einmal Pizza essen zu gehen. Wir fuhren mit dem Bus in die Stadt und
suchten uns rund um das Pantheon eine Pizzeria, die vielleicht auch Kaffee oder
Cappuccino anbietet.
Es dauerte eine ganze Weile, bis wir auf der Piazza de la Rotonda fündig
wurden, denn da gab es eine Pizzeria, die Schilder aufgestellt hatte, auf denen
stand:
menü, Pizza or Pasta, Cafe 12€

Tja..und dann kam es, wie es kommen mußte. Der überaus zuvorkommende Kellner
führte uns in einen Gastraum, der vor Prunk und Marmor nur so strotzte und
eigentlich hätten DA die Alarmglocken schon schrill bimmeln müssen. Hier gibt
es nie und nimmer ein komplettes Menü für 12€. Soviel kostet es ja schon, zum
Tisch geführt zu werden…
Naja, jetzt war es zu spät und wir ließen uns in die Polster sinken. (Ob ich
hier je wieder hoch komme?)
Er brachte uns die Karte und bevor wir sie öffneten, bestellte ich einen Cappu
und Hühnchen eine Coke.
Dann öffneten wir die Karte……… ![]()
Wir haben sie wortlos wieder hingelegt. Nach 2 Minuten kam der Kellner mit
einer Dose Cola und einem Fingerhut voll Cappuccino. Er war lecker, keine
Frage, aber nur bis zu dem Zeitpunkt, als man uns die Rechnung brachte.

Vor der Tür sah ich mir die Tafel mit dem Angebot noch einmal genauer an und
dann entdeckte ich das kleine Wort, das auf Deutsch soviel heißt, wie:
Vorspeise
Menü bestehend aus erster Vorspeise (Pizza or Pasta) und Cafe für 12€. Nächste
Tafel: Menü, 1.u.2.Vorspeise und Kaffee für 20€.
Ich mag mir gar nicht ausmalen, wie in dem Laden eine Pizzavorspeise aussieht,
wenn der Fingerhut schon 4,50€ kostet. Piccolini Pizza?
Wir waren jedenfalls stink sauer. Erst über uns und dann über den Laden, der
die Leute so richtig schön verarsc…hinters Licht führt.
2 Straßen weiter fanden wir eine echte Pizzeria und bekamen sogar einen
Fensterplatz mit hübscher Aussicht.
Wir waren die einzigsten in dem Laden. Die Bedienung brauchte aber für alles so
lange, als wäre sie mit 50 Gästen alleine..

Nach 30 min kam unsere Pizza, die wirklich gut war und nach weiteren 30min, kam
endlich die Rechnung, mit der sie ein weiteres Mal Probleme hatte, denn wir
wollten getrennt bezahlen. Ich bar und Hühnchen mit Kreditkarte.
Lange Rede, kurzer Unsinn: nach weiteren 15 min hat die Kellnerin es geschafft,
2 Pizzen und eine Flasche Wasser so zu teilen, daß es für sie übersichtlich
blieb.

Gestärkt und müde verließen wir das Restaurante in Richtung Hotel, um unsere
Koffer zu holen.
Der Rest ist kurz erzählt:
Wir nahmen schon den halb-7Uhr-Bus zum Flughafen, an dem wir trotz halbkaputtem
Bus heil ankamen. Es ist schon komisch, in einem Bus zu sitzen, der nur den 1.,
den 2. und den 6. Gang hat…
Bis der Schalter der Gepäckannahme öffnete, dauerte es noch eine Stunde und so
beschäftigten wir uns in der Zeit mit der Katze, die sich da irgendwie
ringeschlichen hatte.
Kurz nach halb 10 war boarding und wir hofften inständig, daß sich die seit
etlichen Minuten nervende Familie Flodder nicht in unsere Nähe setzt.
Und, was soll ich sagen?
Es kam sogar noch schlimmer. Flodder’s Sohn samt schwulem Freund saß vor uns
und beide unterhielten mit ihrem seltendämlichen und sinnwidrigen Gelaber alle
hinteren Reihen. Gott, laß diesen Flug zuende gehen..
Der Mann da oben hatte ein Einsehen und nach nur 90 Minuten landeten wir
pünktlich in Frankfurt Hahn, wo für uns beide einer der anstrengendsten Urlaube
endete.
