Reisebericht aus Rom
Montag, der 4. Februar
Was ist schlimmer? Unter Reisefieber
leiden oder nachts halb 3 aufstehen müssen, weil sich Ryanair überlegt
hat, schon kurz nach 6 Uhr morgens nach Rom aufzubrechen?
Normal
bin ich ein nervliches Wrack, bevor es in den Urlaub geht. Ich kann
nichts mehr essen, nicht schlafen und mein Hirn ist in
Alarmbereitschaft.
Doch diesmal war es anders. Ok, daß ich nicht
schlafen konnte, liegt vermutlich daran, daß mein Kopf sagte, 4 Stunden
lohnen nicht um abzuschalten, also bleib mal schön munter. Aber diesmal
blieb mein Blutdruck unten, ich war die Ruhe in Person und ich hatte
ständig hunger. Ne Vorahnung, daß nichts schief gehen wird?

Irgendwann
war auch diese „Nacht“ vorbei und es ging endlich los. Die Anzahl der
einzupackenden Sachen hielt sich ja diesmal in Grenzen, was will man
auch großartig für 4 Tage Rom einpacken und so machte ich mich auf den
Weg zum Zubringerbus, der mich zum Hahn verfrachten wird.
Bei
Ryanair darf das aufgegebene Gepäckstück nur max 15kg wiegen. Meins
hatte deutlich weniger und trotzdem wog es wie Blei auf dem Weg vom
Parkplatz bis zum Busbahnhof. Irgendwas mache ich immer verkehrt. Oder
werd ich schwach? ![]()
Egal, der Bus wartete schon auf mich und es konnte losgehen.
Nach
einer Stunde kam ich mit ein paar Italienern zusammen völlig
durchgewärmt beim Hahn an. Der Busfahrer hatte es wirklich gut gemeint…
Meine
größte Sorge bestand eigentlich die ganze Zeit darin: werde ich es
pünktlich durch den Check-In schaffen? Die Schalter schließen
ausnahmslos 40min vor Abflug und ich kam nur 45min vor Schließung des
Schalters in Hahn an und wer schon einmal geflogen ist, weiß, wie lang
so eine Schlange werden kann. Bevor ich endlich den richtigen Schalter
fand, vergingen auch noch wertvolle Minuten und ich sah schon alle
Felle davonschwimmen…
Endlich…da war er: Check-In Rom Ciampino. Und die Schlange?
Naja, was soll ich sagen...
Ich war die einzigste. Und wenn ich mich hinten anstelle, bin ich bestimmt bald dran. ![]()

Wenn
das doch immer so wäre. Aber dadurch, daß die meisten nur Handgepäck
haben und schon über Inet einchecken, ist es hier doch Gott sei Dank
ein klein wenig anders.
Die Dame am Schalter machte nur nen Haken
hinter meinem Namen, gab mir die Bordkarte und schickte mich zu Gate
12. Das wars. Und ich dachte, ich hab jetzt noch haufenweise
„überwichtige“ Gebühren zu zahlen. Aber es blieb bei meinen 43€.
Nur noch meine Saftflasche entsorgen, mir nach der Sicherheitskontrolle ne neue kaufen und warten.
Was
das Fliegen bei dieser Gesellschaft noch unverwechselbar macht, ist die
Tatsache, daß man zu Fuß zum Flieger geht, der mit anderen draußen vor
der Tür schon Spalier steht und einem keine Sitzplätze zugewiesen
werden. Wo Platz ist, setzt man sich. Als Alleinreisende hat das
natürlich auch einen Vorteil. Wenn man ziemlich zum Ende hin einsteigt,
kann man sich seine Sitznachbarn aussuchen. Gefällt einem das Gesicht
von den Mitfliegern nicht, nimmt man eben nen anderen Platz.
Die
Chefstewardess spulte ihre Anweisungen mit einem russischen
akzentüberlagerten Englisch runter, löschte das Licht komplett und
schon ging es los.
Wir flogen mit einer 737-800, die weder
Fernseher an den Decken noch Taschen an den Sitzen des Vordermannes
besaß. Bedeutet: was macht man 1h 45min auf einem Sitzplatz am Gang,
wenn man nichts zum gucken oder lesen hat? Und wo waren die Brechtüten
versteckt?
Aber wie mein Magen die Nacht schon vermutet hat, war
heute mein Glückstag. Ungefähr 30 min nach Start, hat es eine
Passagierin „aus den Latschen gehaun“. Zum Glück war nen Arzt an Bord.
Nachdem sie 2 Sauerstoffflaschen konsumiert hatte, wurde sie auf
italienischem Boden von „Blaulicht“ abgeholt.
Herzlich Willkommen in Rom.

Kommen wir nun zum Witz des Tages.
Anders
als in Hahn gab es hier Busse, in die man steigen mußte, um zur
Ankunftshalle gebracht zu werden. Ein Flugzeug, 2 Busse…und ne
10-Minuten-Prozedur, bis alle Passagiere umgestiegen waren. Jetzt
kommts:
Die Fahrzeuge setzen sich in Bewegung, fahren eine leichte
Rechtskurve, bleiben stehen, öffnen die Türen und wir sind da. Der Weg
von der Gangway bis zur Tür der Halle entprach in etwa 40m. Sorry, aber
was soll der Schwachfug? Zu viel Treibstoff übrig? Langeweile?
Als wir am Gepäckband ankamen, liefen die Koffer schon ihre Runden und warteten auf uns.
Wieso war meine Tasche nass?
Egal. Raus hier und den Bus der Fa. Terravision
suchen, der mich für einen Supersonderpreis von 5€ je Fahrt zur
Stazione Termini bringen wird. Bis es endlich losging, verstrichen auch
noch einmal mind 20 min und wie es sich heute Morgen schon angedeutet
hatte, mögen es Busfahrer sehr warm. Es war nicht nur warm, es war
brütend. Ein Passagier nach dem anderen fing an sich zu entblättern und
man konnte schon an den Gesichtern sehen, daß sie sich vorkamen, wie in
einer Sauna. Auch der Gang eines Mitfahrers zum Busfahrer, der ihn auf
die Hitze aufmerksam machte, schaffte nur kurz Abkühlung. Und zu allem
Unglück ging es nur schleppend voran.
Endlich am Termini angekommen,
wollten alle nur noch so schnell wie möglich aus dieser Brutstation
raus. Der Fahrer öffnete die Busladeklappen und jeder konnte sich seine
Taschen und Koffer holen. Und was macht ein Spezi? Zieht seine Tasche
raus und reißt meine mit. Was ja nicht so schlimm wäre, wenn nicht vor
dem Bus ne riesige tiefe nasse dreckige Pfütze gewesen wäre. Und meine
Tasche mittenrein. Klasse.
Volle Punktzahl. ![]()
Nunja,
es half nichts, ich mußte zum Hotel. Hatte ich schon erwähnt, daß 10kg
nach 400m mehr sind, als die Waage anzeigt? Auf der Seite, auf der ich
das Hotel gebucht hatte, stand: von Termini 10min Fußweg.
Jaaaaaaaa, als Sprinter ohne Gepäck ist das auch zu schaffen, aber… ach, was reg ich mich eigentlich auf? Ich bin hier in Rom, in einer wunderbaren Stadt und muß mich jetzt um wichtigere Dinge kümmern. Nämlich um mögliche Taschendiebekandidaten. Und so vollgepackt, wie ich war, war ich natürlich ein gefundenes Fressen. Aber keiner hatte heute anscheinend Lust, mich auszurauben und so kam ich völlig geschafft und wohlbehalten und komplett am A… am Hotel Ducale an.

Nur noch schnell auf mein Zimmer und ne Mütze voll Schlaf.
Dachte ich.
So war mein Plan.
Bis jetzt.
Denn das Hotelpersonal hatte anderes mit mir vor. ![]()
Es war gg. 10, als ich im Hotel ankam und Check-In-Zeit war hier 12 Uhr mittags. Und nun?
Meine
große Tasche lies ich da und machte mich auf die Suche nach einem
Supermarkt. Im Netz hatte ich gelesen, daß 2 Blocks weiter vorn ein
Laden sein soll und tatsächlich, ein richtiger Supermarkt
in mitten einer Stadt, die für ihre Freiluftmärkte bekannt ist. Ich
kaufte erstmal nen Baguette und paar Äpfel, denn ich hatte echt
Kohldampf. Und nun?
Ok, andere Richtung. Vielleicht gibt’s auf der
Piazza Maggiore ne Möglichkeit, sich hinzusetzen. Dann warte ich eben
dort meine Zeit ab. Viel Lust zu laufen hatte ich nicht, denn ich war
wirklich geschlaucht. Und so stand ich da… mitten auf der Piazza mit
einem Apfel in der einen und der Uhr, die rückwärts zu laufen schien,
in der anderen Hand. Die Zeit kroch nur so dahin. Viertel vor 11. Immer
noch über eine Stunde warten. Ich halts nicht aus…

Ok,
dann gehe ich eben doch nen Stückchen. Und so drehte ich noch 45 min
meine Runden und beschloss, die restliche Zeit im Foyer abzusitzen.
Halb
12 war ich im Hotel und die Dame reichte mir den Zimmerschlüssel 107
mit dem Verweis, daß sich in dem Zimmer meine Tasche befand.
Allerdings
erwähnte sie nicht, daß das besagte Zimmer 107 nicht der Abstellraum
ist, sondern mein Zimmer für die nächsten 4 Nächte. Und was ich da sah,
kam dem Abstellraum nämlich sehr nah. Ok, die Besen fehlten, aber von
der Größe kam es durchaus hin. 4m lang und 1 bis 2 m breit. Platz für
ein Bett, nen schmalen Schrank und ein Beistelltisch auf dem ein
Kofferfernseher thronte. Neben der schmalsten Stelle des Zimmers war
das Bad untergebracht. Größe: 1m breit und 1,50m lang. Man konnte pippi
machen und brechen gleichzeitig, denn um es sich auf dem Klo gemütlich
zu machen, mußte man sich zwischen dem Waschbecken und dem Klo
einfädeln. Saß man endlich, und neigte den Kopf leicht nach unten,
berührte das Kinn den Beckenrand…![]()

An
der Zimmertür hing ein Zettel, auf dem geschrieben stand, was denn das
Zimmer im Normalfall so kostet. Da wollten die doch für dieses
Kämmerchen tatsächlich 100€ die Nacht haben. Ich glaubs ja nicht…
Egal, ich wollte es ja nicht anders. Hauptsache Rom.

Hauptsache
mal für paar Tage was anderes sehen, als dieses ewige und langweilige
Rheintal. Zumal ja heute auch noch Rosenmontag war und die Leute da eh
etwas am Spinnen waren. (als ob sie das nicht das ganze Jahr schon tun).
Nachdem
ich mich endlich in dem riesigen Gemach häuslich eingerichtet hatte,
beschloss ich, mich für ein paar Minuten auf’s Ohr zu haun.
Als ich wieder zu mir kam, war es halb 3.
Wow, das tat gut. Ich fühlte mich fast wie neu geboren.
So
richtig Lust hatte ich zwar keine, mich aus dem Bett zu schälen, aber
ich war hier in Rom schließlich nicht, um mich 4 Tage ins Bett zu
legen. Mein Ziel waren 1000 Fotos. Bisher brachte ich es auf 10.
Ich packte also meine neue Fototasche, die ich mir zu meinem Geburtstag morgen schenken ließ
und machte mich auf den Weg, mir die Stadt einzuverleiben. Da auch hier
im Winter die Sonne recht zeitig untergeht, blieben mir alles in allem
ca 2 Stunden. Also lief ich einfach los..

Mein Weg führte mich südwestwärts zur Basilika S. Giovanni in Laterano und dann weiter zum Kolosseum.

Von
da auf der Via Labicana und Viala Manzoni wieder zurück zum Hotel. Ich
bin, was das Thema Kirche angeht, eher…dagegen, aber wenn man schonmal
in Rom ist, sollte man sich schon allein der Kunst wegen, mal die ein
oder andere dieser Bauten anschaun.


Und prunkvoll sind sie ja. Schade nur, daß die Beichtstühle leer waren, ich hätte bestimmt das ein oder andere … ![]()
Das
Wetter war heute nicht das Beste und so ging mein zweiter Blick immer
Richtung Himmel, der heute selbst nicht so richtig wußte, was er machen
sollte. Bevor ich zum Kolosseum ging, machte ich noch einen Abstecher
zum Parco Colle Oppio, der sich nordöstlich des Kolosseum befindet.
Nicht berauschend, aber wenn man es gut anstellt, ist von da aus das
Kolosseum wirklich fotogen. Mein Weg führte mich bis zum Arco di
Costantino (Konstantinbogen) und danach ging es wieder Richtung Hotel.
Außerdem fing es grad an zu Regnen und dunkel zu werden. Da mir nämlich
jemand sagte, ich solle nicht allein im Dunkeln durch Rom… hielt ich
mich an die Ratschläge und machte mich auf den Rückweg. Im Supermarkt
holte ich mir noch ne Kleinigkeit für abend und bei einem netten
älteren Herren in einem Tante Emma Laden eine Flasche Rotwein, die er
sogar schon für mich öffnete. ![]()
Mittlerweile
ist es halb 9, die Flasche halbleer (oder halbvoll, je nachdem), der
Bericht fertig und im Fernsehen kommt nur Mist.
Zeit fürs Bett. Morgen wird ein harter Tag.
Dienstag, der 5. Februar
0.00Uhr
meldet sich „plötzlich“ mein Handy. Da ich aber schon seit Stunden im
Tal der Träume weilte, wußte ich natürlich nicht, weshalb. Als ich dann
aber las: „Wegen dir bin ich bis jetzt aufgeblieben. Alles Gute zum
Geburtstag!
“ wußte ich, was das alles sollte.
Was noch so drin stand, verschweige ich besser. Von wegen Oma… tze
Als ich alles verdaut hatte, drehte ich mich auf die linke Seite und schlief noch 7 Stunden weiter.
Nicht
daß jetzt jemand denkt, ich bin 7 Uhr aufgestanden. Mitnichten. Dann
piepte das Handy erneut. 0.00 Uhr konnte ich ja noch verstehen. Aber
morgens 7 Uhr????? Und dazu noch ne Kollegin. Sie müßte eig. wissen,
daß ich Urlaub hab. Aber das schmier ich ihr noch auf’s Brot, wenn ich
wieder da bin.
Irgendwann gegen halb 9 hab ich mich dann aber
endgültig aufgerappelt. Schließlich war ich ja nicht hier, um zu
schlafen. Aber ich glaub, das sagte ich bereits.

Geplant war für heute gar nichts. Ich wollte dahin gehen, wo meine Kamera mich hinführt. Doch zuvor: Frühstück.
Römische
Hotels sind dafür berühmt, daß es am Morgen immer „reichlich“ zu essen
gibt. Vor lauter Essen weiß man gar nicht, wo man anfangen soll. Ißt
man erst die einzigste Toastscheibe oder dann das Croissant oder
umgekehrt? Möchte ich Kirsch- oder Heidelbeermarmelade? Hach, die
Entscheidung viel schwer…
Ach ja, Kaffee gab es gratis, Cappuchino mußte man allerdings bezahlen. Von irgendwas müssen die Hotels ja leben ![]()
Nach
dem ausgiebigen Festmahl, das nach 5 Minuten verschlungen war, packte
ich meine 7 Sachen zusammen und verließ das Hotel in Richtung
Kolosseum. Dort angekommen, wollte ich mich dann spontan für eine
Richtung entscheiden.

Das
Wetter zeigte sich heute Morgen von der
„ich-weiß-noch-nicht-wie-es-werden-wird-Seite“. Links war es
wolkenverhangen und rechts sah man blauen Himmel. Hier und da tropfte
noch das Regenwasser der letzten Nacht von den Dächern, denn es hatte
die Nacht schwer gewittert. Gott sei Dank war davon heute nichts mehr
zu sehen und irgendwie hatte man das Gefühl, es wird nen schöner Tag.

Muß es ja auch, schließlich ist heute mein Geburtstag. ![]()
Am
Kolosseum angekommen, entschied ich mich spontan für das Forum Romanum.
Eigentlich logisch, ist es doch die am nächsten gelegene
Sehenswürdigkeit.
Bevor ich nach Rom kam, hatte ich mir fest
vorgenommen, die allseits bekannten Dinge links liegen zu lassen, und
mir stattdessen was anzschaun, wo sich die Touristenmassen noch nicht
so dafür interessierten. Übrigens das Wort „Massen“ trifft es auf den
Kopf. Wohin das Auge reichte: Japaner, Japaner, Japaner und andere
Völker. Was ist dann hier erst im Sommer los?
Müssen dann die antiken Schätze erneut ausgegraben werden, weil sie vor lauter Touristen nicht zu sehen sind?
Mittlerweile
hatte ich mich damit abgefunden, daß es auf meinen Fotos nur so von
Menschen wimmelte. Aber was will man machen? Warten, bis das Bild
menschenleer ist? Ich glaub, daß geschieht maximal nachts 4 Uhr. Aber
dann ist die Sicht nicht so schön. ![]()

Da
meine Knochen Stadtwanderungen nicht besonders gut vertragen, hab ich
mir vorgenommen, die 4 Tage nur das zu sehen, was ich mit einem
gemütlichen Schlendergang zu sehen bekomme. Bin ich für Rom zu langsam,
hab ich halt Pech gehabt. Ja, ich weiß, man könnte auch mit dem Bus von
A nach B fahren, aber so recht bin ich noch nicht hinter das System
hier gestiegen. Außerdem gibt es hier ca. 300 Buslinien und bei keiner
sieht oder weiß man, wo sie hinführt.
Wenn man allein in Rom oder
in irgendeiner anderen Stadt unterwegs ist und man wird nicht gerade
überfallen oder gerät sonst wie in eine Situation, die erwähnenswert
wäre, gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen.
Ich könnt natürlich jetzt lang und breit drüber reden, wo ich wie lange war aber das interessiert am Ende doch eh keinen.
Im
Vorwort zu der Romreise habe ich davon erzählt, was man alles in Rom
anstellen und sehen kann. Und was soll ich sagen? Ich habe es
ausprobiert...ich bin, ohne nach rechts und links zu schaun, über die
Piazza Venetia gelaufen. Von einer Straßenseite auf die andere. Man
glaubt es kaum, aber alle Fahrzeuge haben angehalten und niemand hat
sich darüber in irgendeiner Art und Weise darüber beschwert, daß ich
diesen Blödsinn gemacht hab. ![]()

Wichtig
ist für Rom noch zu wissen: wo ist die nächste öffentliche Toilette?
Denn davon gibt es in Rom nicht sonderlich viele.
Heute fand ich nur
eine, und die befindet sich mitten im Forum. (Anm 02/2009: die Toilette im Forum kann man seit März 08 nur noch benutzen, wenn man vorher eine Eintrittskarte für 12€ gekauft hat.)
Sie ist nicht zu
verfehlen. (Es gibt, soweit ich es mitbekommen habe, auch in fast jeder
Metrostation welche, die dann aber in etwa so aussehen:

Aber manchmal muß man eben Prioritäten setzen...)
Es macht nämlich keinen Spaß, wenn man 12 Stunden durch Rom latscht und 8 Stunden davon pippi muß…
Als
Tip nur soviel: MC Doof ist als öffentliches WC wunderbar zu
gebrauchen. (Wozu auch sonst?) Und da es von diesem „Lokal“ in Rom
dutzende gibt, ist es nicht ganz so schlimm, wenn man zu viel getrunken
hat.


Wer
es dennoch wissen will: mein Weg führte mich vom Forum zum wegen
Restaurierung verhangenem Monumento Vittorio Emanuele ll, von den
Italienern scherzhaft "Die Schreibmaschine" genannt, weiter Richtung
Westen zur Piazza Campidoglio. Da es nicht weit nach Trastevere war,
nahm ich auch noch diesen Stadtteil mit, der, wie der (ital.) Name
schon sagt, jenseits des Tiber (Tevere) liegt.


Endlich
kam ich mal dazu, Ansichtskarten zu kaufen. Gar nicht so einfach, wenn
die Auswahl eher dürftig ist. Aber egal. Ich hatte 5 und das sollte für
den Anfang reichen.
Über die Ponte Sisto gelangte ich wieder ins
Zentrum Roms. Vorbei am Campo die Fiori, der mit Marktmüll übersäät
war, weiter zur Piazza Navona und zum letzten Ziel meines
Gewaltmarsches, dem Pantheon, welches auf der Piazza de Rotonda (Mc
Donalds) steht.

Mittlerweile meldeten sich auch meine Knochen extremst und ich machte mich auf den Weg nach Hause.
Bei
jedem Schritt überlegte ich mir, nimmste nen Bus oder nimmste keinen?
Aber wie schon erwähnt, da die Busse zu hauf unterwegs sind, aber meist
nicht dahin fahren, wo man gern hinmöchte, schlenderte ich lieber die
restlichen 2km gemütlich vor mich hin und freute mich schon auf meine
Dusche.
Halb 6 abend war es dann endlich soweit: Zimmer
aufschließen, 7 Sachen fallen lassen und ab unter das wirklich heiße
Wasser. Auch das ist in römischen Hotels nichts Alltägliches. Meist ist
es nur ein lauwarmes Rinnsal, aber ich hab es wirklich gut getroffen.

Nach
dem Abendessen, das aus selbstgemachten belegten Baguettes bestand,
machte ich mich an den Reisebericht, der…nunja, etwas dürftig ausfällt.
Egal, hauptsache die Fotos werden. ![]()
Sollten mir noch wichtige Infos einfallen, kann ich sie ja immer noch nachliefern.
Jetzt gibt’s erstmal nen Geburtstagswein und ne Runde RTL. Na wenn ich mir DAS heute nicht verdient hab…?! ![]()
Mittwoch, den 6. Februar
Heute
hatte ich einen Auftrag zu erledigen und da euch das alles nichts
angeht, halte ich es bis gegen 13 Uhr mittag eher allgemein.

Schon
gestern hatte ich mir eine Busfahrkarte (und einen Stadtplan MIT
Buslinien-Nummern) für einen kompletten Tag für 4€ gekauft. Die Karte
habe ich mir am Abend zuvor noch einverleibt, studiert, auswendig
gelernt und... die wichtigsten Nummern und Routen rausgeschrieben.
Wenn
man dann das erste Mal den Bus betritt, wird der Schein in den
Entwerter gesteckt und auf der Rückseite des Fahrscheins ist dann zu
sehen, wie lange er Gültigkeit besitzt:

Apropo Ticketpreise:
Wer
in Rom lebt und auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, hat es
hier wunderbar erwischt. Wenn man die Preise mit denen in D vergleicht,
ist das hier ein Eldorado. Für 1 Tag zahlt man 4€, für 3 Tage 11€, für
eine Woche 16€, der Monat kostet 30€ und das Jahresticket 230€. Und das
Gute daran, man kann so oft und so lange und mit was auch und wohin man
auch will, fahren. 230€ im Jahr. Wenn man das auf den Tag
runterrechnet, kommt man auf knapp 60ct. Was kostet eine Fahrt mit dem
Linienbus hier? Der km kostet, glaub ich 30ct?
Man zahlt hier pro km, nicht, wie in Rom, pro Fahrt.

Ok, in D ist das unvorstellbar, aber man würde sich das schon 2x überlegen, hier mehr Öffentliche zu benutzen, wenn nicht eine 10km-Fahrt zur Arbeit 3,70€ kosten würde. Und zurück möchte man ja auch… (ich hab grad mal nachgesehn: eine Monatskarte für meinen Arbeitsweg kostet 81€ im Monat. Jahreskarten gibt es nicht. Aber ich glaub, es würde mich 960€ kosten. Wie gesagt: Rom 230€)

Ich fand es jedenfalls genial. Man kauft sich nen Ticket und sollten einem die Füße wehtun, was spätestens nach 3km Fußmarsch in der Innenstadt der Fall ist, besteigt man einfach den nächstbesten Bus und läßt sich durch die Stadt kutschieren.

Etwas
muß ich noch zu den Bussen und Bahnen in Rom sagen: Es gibt dort bald
mehr öff. Verkehrsmittel, als Mopeds. Es war nicht selten, daß ich von
einer Linie gleich 3 Busse gleichzeitig sah. Fahrpläne erübrigen sich
also.
Wichtig ist halt nur ein Plan der Stadt, in dem alle Linien eingezeichnet sind oder man notiert sich die wichtigsten.
An
jeder Haltestelle waren Hinweistafeln auf die Linien incl.
Haltestellen. Wobei man sich natürlich unter „L.go Torre Argentina“
nicht viel vorstellen kann. Geht man aber davon aus, daß es sich um die
Linie 40 handelt, wo der Startpunkt Stazione Termini ist und und in der
Mitte „C.so Vitt. Emanuele ll“ (die "Schreibmaschine") auftauchen, dann
weiß man: jou…bin richtig. Irgendwo im Zentrum werd ich schon
rauskommen und weit ist ja hier nichts voneinander entfernt.
Es
bedarf ein klein wenig Übung aber nach spätestens einem Tag hat man den
Dreh raus. Und sollte man einmal falsch sein, der nächste Bus kommt in
10 Sekunden und bringt dich auch wieder zum Ausgangspunkt zurück.
Ich hatte einmal mein Geld vergessen, was ich natürlich erst in der Stadt merkte. Also was tat ich?
Metro
Linie B, Buslinie 64, Linie 105, Geld holen, Linie 105, Linie 40 und
schon war ich wieder im Zentrum. Zeitverlust: 45min. Mach DAS mal in
Koblenz. Da wirste arm bzw. ohne Geld biste da aufgeschmissen…
So, genug davon
Es ist 13 Uhr und ich war zurück von meinem Auftrag.
Was nun?
Ich
fuhr mit der Metro bis zur Piazza del Popolo und bin südwärts bis zur
spanischen Treppe, weiter zur Fontana di Trevi gelaufen. Und was ist,
wenn man mittags diese Strecke läuft?
Riiiiiichtig…die Sonne kommt von vorn. ![]()

Also erstmal was essen.
In
Rom kann man alles, nur nicht verhungern. Irgendwo steht immer ein
Wagen mit einem Inder/Pakistani rum, der überteuerte belegte Ciabatta
anbietet oder man findet einen ital. Schnellimbiss, wo man Pizzastücke
auf die Hand kaufen kann. Nur leider stehen da nie Preise dran und wer
mich kennt: ich kaufe nichts, wo ich nicht vorher weiß, was es kostet.
Aber mit Sicherheit wäre es billiger gewesen, als das, was ich mir dann
in einem Ristaurante bestellte:

Da ich noch ein Geburtstagsessen gut hatte und grad niemand in der Nähe war, der mich einladen würde, zahlte ich die 22€ selber.
Ich
zahlte mit Kreditkarte. Da ich draußen aß, und das im Februar, bezeigte
mir der Kellner, daß ich doch bitte für die PIN einzugeben nach drinnen
kommen sollte.
(Ich mußte bei der KK noch nie ne PIN eingeben und
guckte erstmal nach, wie sie überhaupt lautete) Ich packte also meine 7
Sachen zusammen, bin nach drinnen und der Kellner sagte: „oh sorry, no
PIN. Sign here please.“
Tja…das hatte er nun davon. Kein Trinkgeld.
Es gab nämlich keine Zeile, in die man das TG hätte eintragen können
und Kleingeld hatte ich keins.
Scheint ihn auch nichts sonderlich gestört zu haben.
Was das Essen anging: viel besser, als das, was ich `94 auf dem Teller hatte. Endlich mal ne Pizza mit Belag.
(Wobei die Pilze aus der Dose mit der Aufschrift „3.Wahl“ kamen).

Heute
ist Mittwoch. Das bedeutet, der Papst hat Dienst. Das bedeutet
wiederum: lohnt ein Besuch im Vatikan oder verschiebe ich es wegen der
Menschenmassen lieber auf Donnerstag?
Egal. Nun bin ich einmal in der Nähe, dann geh ich auch hin.
Gehen?
Ich glaub, ich bin gar nicht gegangen. Wenn ich mich recht erinnere,
hab ich die 40 genommen und hab mich wie viele andere auch bis vor die
Tore der „Stadt“ karren lassen. Es macht auch zu viel Spaß, sich
einfach in einen Bus zu schwingen, wohlweißlich, daß man ja das Ticket
den ganzen Tag nutzen kann.
Der Bus hält genau zwischen der Engelsburg und der Peterskirche. Luftlinie gesehn.
Bevor
man also zum wichtigeren Teil des Ausfluges kommt, sollte man sich den
Engeln widmen. Ok, nur für 2 oder 3 Fotos, aber ganz ausfallen lassen
geht nicht. Wozu hat man ne Digitalkamera mit 4GB-Speicher? ![]()

Nachdem
das erledigt war, kam jetzt ein Teil, den ich an touristischen Teilen
der Welt nicht sonderlich mag. Das Spießrutenlaufen an fliegenden
Händlern vorbei. Die komplette Promenade bis zum Vatikan war gesäumt
von Waren anbietenden Schwarzafrikanern. Hauptsächlich wurden Taschen
der Fa. D&G angeboten. Zumindest wurde es groß und breit
draufgeschrieben.
Und damit der arme Tourist auch merkt, daß andere
Touristen dem Angebot nicht widerstehen konnten, wird von den
Verkäufern die ganze Zeit über Geld gezählt. Man soll schließlich
denken, sie hätten es gerade erst bekommen. Das es sich dabei
allerdings ausnahmslos um 5€-Scheine handelte, sollte man übersehen.
Wären es wirklich D&G-Taschen gewesen, hätten sie in 50€-Scheinen
geblättert..
Egal, ich war froh, als ich endlich an den Leuten vorbei war.

Gerade
wollte ich schreiben: „Endlich stand ich vor ihr…“, hab mich dann aber
anders entschieden, denn schließlich bin ich ein Heidenkind und von
„endlich“ kann in keinster Weise die Rede sein.

Ich formuliere also um:
Die
Kirche war nun in greifbarer Nähe, wenn man das so sagen kann, denn
schließlich ist der Platz vor ihr nicht gerade winzig. Auch scheint
St.Petro nicht so groß, wie sie tatsächlich ist. Niemals würde man
meinen, daß da über 50.000 Leute drin Platz finden. Es ist eher
unwirklich.
Wie damals am Grand Canyon. Man steht davor, weiß, daß
er riesig ist, ist sich der Dimensionen in dem Augenblick aber nicht
bewußt. Das Hirn spielt einem wahrscheinlich einen Streich.

Mein Ziel war es, auf die Kuppel „zu klettern“.
Als ich das letzte Mal hier war, kam uns dieser Gedanke überhaupt nicht. Also mußte ich etwas nachholen.
Man
hat 2 Möglichkeiten: Entweder 550 Stufen für 5€ steigen oder für 7€ den
Lift benutzen und 320 Stufen bis zur Kuppel erklimmen. Ursprünglich
wollte ich alle 550 Stufen…
Als ich jedoch kurz vor einem Herzkasper
oben ankam, war ich froh, 2€ draufgelegt zu haben. Der Gang ist
mörderisch. Alle, die oben ankamen, japsten nur so vor sich her und
mußten sich erstmal neu finden.
Vor allem die letzten 50-100
Stufen sind der Hammer. Die Treppen werden immer enger, schräger und
steiler. Wer also ein paar Pfund zu viel auf den Rippen hat, könnte da
Probleme bekommen. Auch für etwas betagtere Menschen ist dieser „Ritt“
absolut ungeeignet. Find ich.

Das
Schöne da oben ist, daß im Gegensatz zu anderen Aussichtspunkten in der
Welt, dieser nicht durch ein nerviges Absperrgitter zugemauert wurde.
Man kann also nach Herzenslust ein Foto nach dem anderen machen, ohne
durch irgendwelche Stäbe gucken zu müssen.

Wahrscheinlich
gibt es dort kein Gitter, weil man eh nicht weit kommt. Würde man
springen wollen, landet man nur auf einer kleinen Kuppel. Nirgendwo
geht es steil nach unten.
Nachdem mein Puls wieder auf normalen 80
Schlägen war und ich meine 20 Fotos im Kasten hatte, beschloss ich die
550 Stufen nach unten zu gehen. Und eins kann ich sagen: das
ziiiiiiiiieeeeeeeeht sich. Die meiste Zeit, also praktisch immer, läuft
man im Kreis.

Unten
angekommen, drehen sich die Augen noch mind. 30 min weiter um sich
selbst. Man kommt sich vor, als hätte man zuviel Messwein… ![]()
Ja, ok, der Aufstieg war es wert. Obwohl ich es nicht noch einmal probieren möchte.
Zweiter Gang des Tages war die Kirche selbst.
Wie
gesagt mach ich mir nichts aus kirchlichem Pomp und Prozedere, aber
wenn aus einer Seitentür 30 rosaumhängte Zölibaten gestiefelt kommen,
dann ist es allemal ein Foto wert.

Dabei
war ich noch zurückhaltend, denn ich weiß, was sich gehört. Andere
waren mit ihrer Knipse nicht so sensibel. Es wird voll draufgehalten
und geblitzt, was das Zeug hält. Das sich die Rosamänner nicht noch ins
Szene geschmissen hatten, war aber auch alles. Ich fand die Situation
etwas…daneben. Kindertheater.
Während die gläubige Rentnerschaft
am Altar ihre Show abzog, widmete ich mich der Kunst. Fotos der
Deckengewölbe sind derzeit in und da alle anderen mit Beten beschäftigt
waren, hatte ich alle Zeit der Welt, das perfekte Foto zu machen.


Nach
40 Fotos verließ ich die heiligen Gemäuer und merkte, daß es schon arg
spät geworden war. Von den Stufen aus sah man, wie die Stadt wunderbar
ins abendliche Rot getaucht war.

Schade, daß ich zu weit weg war. Aber ein beleuchteter Springbrunnen im Vatikan tat es auch.
Langsam schlenderte ich zum Tiber, um mir dort zu überlegen, welchen Bus ich in die Innenstadt nehmen sollte.

Vor meiner Reise hierher wurde ich von mehreren Stellen gewarnt, nicht allein und nicht im Dunkeln durch Rom zu gehen. Also schwang ich mich in die 84, die bis zum Termini fuhr und nahm dort die 105 bis zum Hotel.
Da es grad Feierabendverkehr war, standen wir im Bus alle übereinander. Und mittendrin schreiende Kleinkinder. Toll. Gaaaaanz toll. Ich liebe Rom…
Startseite: zurück: weiter:

