Freitag, 14.September
Ich
sags mal so: die Nacht war ok. Nicht berauschend, aber der Übernachtung
in einem Zelt durchaus vorzuziehen, denn es hatte gefroren.
Im
Zimmerpreis war ein Frühstück enthalten, denn bei der Lodge handelte es
sich um ein B&B. Wir haben uns gesagt: die schädigen wir. Wir hauen
uns so richtig die Mägen voll. Und trinken, wie schon die letzten 4
Tage, heiße Schokolade.
Nachdem wir alles im Auto verstaut hatten, gingen wir zum Restaurant.
Und was wir da sahen, verschlug uns die Sprache.
Es gab Kaffee, Toast zum selber toasten, Honig und Erdnußbutter.
Nicht,
daß ich jetzt schreibfaul bin, es gab wirklich nur diese 4 Dinge. In
mir kochte es. 3 Maschinen für die exotischsten und leckersten Getränke
und alle waren „Out of Order“. Mein Teller sah aus, als hätte ich das
Gefängnisbuffet eines kolumbianischen Knastes gestürmt.

Sorry,
aber von Kanada hatte ich mir mehr versprochen. Die Landschaft war
sensationell, alles andere war aber eher dürftig. Man mußte hier
wirklich genügsam sein.
Nachdem wir das labberige Toast hinunter
gewürgt hatten und die Autoscheiben mit einer Packung Pringles vom Eis
befreit waren, fuhren wir in den Banff Nationalpark.

Unser
CG für die nächsten 2 Nächte lag etwas außerhalb am Icefield Parkway
und hörte auf den spannenden Namen: Mosquito Creek CG.
Er war
klein und lag wunderbar an einem Flußlauf nahe des Highways, was aber
nicht störte. WAS allerdings negativ war, die einzigste sanitäre
Einrichtung war ein … Plumpsklo. Wenn man sich waschen oder duschen
wollte, mußte man schon in den Fluß springen.
Nachdem das Zelt
aufgebaut und die Gebühr von 14$ fürs Zelt und 8$ Firepermit bezahlt
war, nahmen wir den kleinen „beschaulichen“
Ort Lake Louise in Angriff. Wir reihten uns in die Schlange der Japaner
ein und fuhren zum Lake Louise und zum Chateau. Jep, hier ließ es sich
leben.

Mit dem nötigen Kleingeld natürlich. Es wirkte zwar alles ein wenig kitschig, aber fürs Foto taugte es allemal. Die Seen sind hier in den Rockys wirklich einmalig. Man könnte da stundenlang Zeit verbringen, wenn… wenn nicht die ganzen Menschen wären. Einmal Kanu fahren kostete hier übrigens
50$.

Es gab einen Weg, der zu einer Aussichtsplattform führte, der auch „nur“ 1,6km
lang
sein sollte. Vielleicht war er es auch, aber bei einer Steigung von 10%
glaubt man schon nach 100m, man müßte doch langsam am Ziel sein. Ich
hab nach 200m mal wieder Hühnchen verflucht, daß sie mich zu so einer
Wahnsinnstat überredet hat. Jeden Tag nehme ich mir vor, nicht mehr als
1km am Stück zu laufen und dann kommt sie und schwups… vorbei isses mit
den guten Vorsätzen.
Nach gefühlten 150km Dauerlauf kamen wir
endlich oben an. Der Blick war einmalig, entschädigte aber nicht für
den Folterweg, zumal auch dort ständig Leute vor der Linse rumliefen
und uns die Sicht versperrten.

Nächstes
Etappenziel war der berühmte Moraine Lake, der ebenfalls gut mit dem
Auto zu erreichen ist und man daher auch hier mit einer Japanerplage zu
rechnen hat.
Tatsächlich ergatterten wir den letzten Parkplatz und
bahnten uns einen Weg durch die Menschenmengen um auch ein Stück des
Sees zu sehen.

Nach
10 Fotos entdeckte ich das Preisschild für die Kanufahrten. 35$/h stand
drauf. Das sind umgerechnet 24€, macht also pro Nase 12€. Dafür kann
man sich das Kanu nicht selber schnitzen und so überredete ich
Hühnchen, sich in das Abenteuer zu stürzen. Eine Stunde Kanu fahren und
als Kulisse dienen. Wer kann das schon von sich behaupten?
Hühnchen
saß noch nie in einem Kahn bzw. Kanu. (Sie sitzt grad neben mir,
deswegen muß ich vorsichtig sein, mit dem was ich
schreibe………………………………………………………)
Nach
anfänglichen Ruder-und Gleichgewichtsproblemen, haben wir es dann doch
hinbekommen und sind zum Ende des Sees gekanut oder wie immer das
heißt. Viel zu schnell war die Stunde vorbei. Wir hätten gern noch die
ein oder andere Runde gedreht, bzw ich, denn Hühnchen tat sich
irgendwie schwer, zu kanuten und gleichzeitig die Richtung zu halten.

Der
Tag war noch jung und so beschlossen wir, einfach mal schnell nach
Banff zu fahren, was eigentlich für den Urlaub gar nicht vorgesehen
war. Aber vielleicht konnte man es mit nem netten Stadtbummel und einem
Steakessen verbinden.
Wir fuhren den Transkanada Highway entlang
der in eine wunderschöne Bergkulisse gebaut wurde. Leider durfte man
nirgends anhalten, um Fotos zu machen.
Ich weiß schon, warum ich
nicht nach Banff wollte. In der Stadt wurde jede Straße aufgerissen,
die von Touristen oder anderem Fußvolk frequentiert wurde. Es reichte
gerade mal für 3 Fotos. Unser Weg führte uns an jeder Menge Läden
vorbei, die anscheinend nur wegen der Touristen eröffnet wurden. In
einem dieser Läden hingen Fotos von Seen der Region. Unter anderem auch
vom Moraine Lake. Und als ich DAS Foto sah, fiel es mir wie Schuppen
von die (ich weiß, „die“ ist falsch) Augen: Ich war am See, und hab
vergessen DAS Foto überhaupt zu schießen. Wie konnte mir das passieren?
Seit Monaten freute ich mich drauf und dann das. Ich hab mich geärgert.
Also was blieb uns anderes übrig, als am nächsten Tag noch einmal zum
See zu fahren. Lag ja praktisch am Weg. (Wieso ich es vergessen hab?
Weil man für DAS Foto des Sees auf einen "Steinhaufen" klettern muß
bzw. einen Weg, der dahinter langführt)

Danach
beschlossen wir, noch etwas zu essen und das erste Steakhaus gehörte
uns. Außerdem war es das Billigste und wie sich am Ende herausstellte,
auch das Beste. Der Kellner war Zucker… (nein, ich lösche den Satz
nicht!!!)
Hühnchen genehmigte sich ein Steak New York, richtig durchgebraten und ich hatte Spare Ribs mit Ofenkartoffel. Lecker.
Auf
dem Rückweg zum CG sind wir diesmal die 1A gefahren, die parallel zum
Highway verläuft, allerdings mehr durch den Wald. Und natürlich hatten
wir diesmal wieder die Sonne von der falschen Seite, sodas keine Fotos
möglich waren. Es ging vorbei an Elchwiesen, auf denen keine Elche
standen und an Seen, die viel zu weit weg waren, als das man mal eben
aus dem Auto springen konnte, um ein Foto zu machen. Tja, so ist das.
Wo wir waren, immer waren wir verkehrt.

Auf
dem CG hatten wir noch Smalltalk mit einem Deutschen, der mir beim
Campfire anzünden zusah (statt zu helfen), aber ich hab ihm bewiesen,
daß auch Frauen Feuer machen können. Es brannte sogar beim ersten Mal.
*Stolz auf mich bin* Schnell wurde es eiskalt und so haben wir uns,
nachdem alle Fotos überspielt waren, ins Zelt verkrochen, wo eine
eiskalte Nacht auf uns wartete.
Samstag, 15. September
Eiskalt.
Es war ja sooooooooooooooo kalt. Beide hatten wir einen Schlafsack, der
uns eigentlich bis -16° warm halten sollte, doch diese Nacht streikten
sie. Wir wachten auf, als ob wir nicht eh schon die ganze Nacht wach
wären, und hatten kalte Füße, kalte Nasen, kalte Hin…ääähm…naja, ihr
wißt schon. Es war saumäßig kalt. Aber das half alles nichts, durch das
rumliegen wurde es auch nicht wärmer. Also hieß es in den sauren Apfel
beißen und in die noch viel kälteren Sachen schlüpfen. Hab ich in
meinem Leben schonmal so gefroren????
*grübel*
Ja, im Yellowstone 2004. Also kein Vergleich.
Der
erste Weg heute ging ins Auto. Auto starten, losfahren, Heizung auf 4
und warten, bis das Zittern aufhörte. In Lake Louise überfielen wir die
Essotankstelle, holten uns lecker heiße Schokolade und beschlagnahmten
dann erstmal deren Washroom, um uns ein wenig die Nacht aus den Augen
zu waschen. Wie gesagt, unser CG hatte nur den Fluß…
Tagesziele
waren der Moraine Lake, wegen des vergessenen Fotos und der Johnston
Canyon. Ansonsten wollten wir heute eher ne ruhige Kugel schieben. Und
wie war das mit zur falschen Zeit am falschen Ort? Die Sonne stand noch
hinter dem Berg, sodas der See im Dunkeln lag.


Nach 30 Fotos war der Auftrag ausgeführt und wir stiegen hinunter. Und wie auf Gongschlag kamen die ersten Busse mit unseren ostasiatischen Freunden… *hust*

Nach 20km waren wir auch schon am Ziel Nr.2, dem Johnston Canyon, bei dem das eigentlich interessante aber die vielen Wasserfälle sind. Laut Wegweiser sollten es 1,2km bis zum Lower Fall und 1,9km bis zum Upper Fall sein.

Jaaa, ich weiß, wir wollten nicht mehr als 1km, aber… watt mutt, datt mutt. Wenn es denn wenigstens nur 2km wären, aber ich glaub, mit den km-angaben nehmen es die Kanadier nicht so genau. Wir haben mit knipsen 70 Minuten gebraucht, um zum Upperfall zu gelangen. Keiner kann mir erzählen, daß ich trotz Fotostopps über 1 Stunde für knapp 2km brauche, selbst wenn es berghoch geht.

Als ich die Reise vorbereitet hatte, hab ich mir überlegt, welche Zeit denn die Beste ist. Ich war der Meinung, Mitte September ist schon Nachsaison und die Touristen sitzen längst zuhause und kleben Fotos ein. Ich hatte mich wiedermal geirrt. Um das perfekte Foto zu machen, mußte man sich auch hier hinten anstellen. Aber was solls. Ist halt so.


Wiedermal
hat mich die Müdigkeit eingeholt und so sind wir auf direktem Wege zum
Zelt gefahren, in das ich mich für ne Stunde hingelegt hab, während
Hühnchen Essen gekocht hat. Sie sagte, sie läßt mich für ne Stunde
ausruhen aber ich könnt wetten, sie hat mich schon nach 5 min wieder
geweckt…
Nachdem es wiedermal Nudeln gab, sind wir noch zum
Bowlake gefahren, um den Tag mit einem schönen Anblick ausklingen zu
lassen. (Ich meine, ich hätte auch in den Spiegel gucken können, aber…)
Ok, Scherz.)
Und
was soll ich sagen? Die Sonne stand wie immer an der falschen Stelle.
Wir können machen, was wir wollen, wir haben immer Gegenlicht. Wenn es
stattdessen geregnet hätte, hätten wir uns auch beschwert, also bin ich
mal lieber still.
Sonntag, den 16.September
Es
war kalt. Es war sogar sehr kalt, um nicht zu sagen: Eiskalt. Es war so
kalt, daß wir es nur mit Müh und Not geschafft haben, das Zelt
abzubauen, bevor unsere Finger wegen zu Eis erstarrt abfielen. Wir
waren so froh, als alles irgendwie im Auto verstaut war und wir fahren
konnten.
Die letzten 2 Tage waren wir immer an der Esso
Tankstelle in Lake Louise und haben einen riesigen Becher mit heißer
Schokolade geholt. Leider fuhfren wir heute in die andere Richtung,
sodaß das leider ausfiel und wir auf die Heizung im Auto angewiesen
waren.
Ziel des heutigen Tages waren die 220km Icefield Parkway bis nach Jasper auf den Whistlers Campground.
Langsam
tauten wir auf. Wir beschlossen aber, auf einem Parkplatz noch schnell
nen Kaffee zu kochen und paar Sandwiches zu machen. Erste Station der
Fahrt sollte eigentlich der Bowlake sein, den wir gestern abend schon
gesehen hatten, doch leider stand die Sonne noch so tief, daß der See
fast schwarz war. Von der wunderschönen blauen Farbe von gestern abend
war nichts zu sehen. Auch die Berge ringsum waren erst zur Hälfte
angestrahlt. Hätten wir das gewußt, wären wir später losgefahren.
Leider war es nicht mehr zu ändern. Vielleicht war es aber auch gut so,
denn wer weiß, was uns auf dieser schönen Strecke noch alles erwartete…
Wir ließen den See also mehr oder weniger links liegen und fuhren
weiter zum Peyto Lake auf dem Bow Summit (dem höchstgelegenen Stück des
Icefield Parkway), der auf keiner Westkanadareise fehlen darf.

Auf
dem Parkplatz waren wir einer der ersten. Unsere japanischen Freunde
schienen noch zu schlafen. Wir haben also unsere Kameras geschnappt und
sind wiedermal einen Anstieg hochgewandert, der zum See führte. Wir
wollten doch gar nicht mehr so steile Wege nehmen… Leider bleib uns
hier keine andere Wahl. Naja, wenigstens warm wurde uns dabei.

Oben
angekommen, War die Aussichtsplattform fast leer. Der Grund war
wahrscheinich der gleiche, wie beim Bowlake. Der See lag noch im
Schatten, die Berge waren noch unklar und es war lausig kalt. So kalt,
daß auf dem See eine dünne Eisschicht zu sehen war. Auch leuchtete er
noch nicht so blau, wie man es von den Ansichtskarten her gewohnt war.
Wir machten unsere obligatorischen Touristenknipser und gingen zurück
zum Parkplatz. Wir waren noch gar nicht wieder ganz am Auto, als ein
kleiner Reisebus vorgefahren kam. Doch hielt er nicht an, sondern fuhr
weiter den Berg hoch in Richtung See.
Wir setzten uns also ins
Auto und fuhren ihm hinterher. Daß am Straßenrand ein großes Schild
stand, auf dem gesagt wurde, daß der obere Parkplatz nur für Busse und
Behindertenfahrzeuge gedacht war, verriet ich H. nicht. Schließlich war
es früh am Morgen und wen sollte ein einzelnes Auto schon stören.
Außerdem sollte man soviel englisch verstehen. Nur überlaß sie
geflissentlich alle Schilder, weil sie sich in der Beziehung immer auf
mich verließ.
Sie parkte und wir wollten die Zeit, bis die Sonne
den See richtig ausleuchtete, damit verbringen, Kaffee zu kochen und
uns ein paar Schnittchen zu schmieren.
Also Kocher hervorgekramt, Messer und Brot gezückt und Feuer im Topf gemacht.
Ein zweiter Reisebus kam. Diesmal mit unseren japanischen Freunden. Wie hatten wir sie schon vermißt…
Als sie in Richtung See verschwunden waren, hörten wir auf einmal hinter uns eine Stimme, die da laut sagte:
„First:
it’s a Parking Area only for busses and handicaps, second, it’s
illegal, to make fire!” Das war der erste Satz. Bei den anderen 30 hab
ich nur notdürftig zugehört, weil ich ja wußte, was er wollte.
Irgendwas mit Auto gerade hinstellen, weil sie hier wenden müssen. Ich
fragte mich, was es bei einem Fußballfeld großen Parkplatz für Probleme
damit geben sollte.
Am Ende schrie er nur noch: „It’s illegal. It’s illegal!!“
Wir
hatten den Kofferraum geöffnet, sodaß er unser Nummernschild nicht
notieren konnte, denn so wie er drauf war, hatten wir ihm alles
zugetraut.
Wir kochten indess unser Wasser weiter und aßen unsere
Schnittchen. Was sollten wir auch machen? Den brennenden Kocher in den
Kofferraum stellen und verschwinden?
Hühnchen sagte nur: „Der redet, als hätte er nie was Illegales in seinem Leben gemacht! Der soll sich mal nicht so anstellen“
Und schwups, kam Auto Nummer 2, daß sich sogar noch bekloppter hinstellte, als wir.
Irgendwann
verschwand der Buss mit unseren Freunden und unser Frühstück war
beendet. Die Sonne stand nun doch ein ganzes Stück höher am Himmel und
so haben wir unsere Knipsen erneut geschnappt und sind diesmal bergab
die 100m zum Ausguck geschlendert. Jaaa, diesmal lohnte sich das
fotografieren. Es waren nun zwar mehr Leute da, die einem ständig im
Bild rumlatschten, aber wenigstens strahlte der See nun richtig blau.
Nach 10 Minuten war das Thema Peyto Lake abgehakt und es ging weiter
Richtung Norden.

Ich
hatte für die heutige Route nichts Genaues geplant. Da wo es schön war
und da, wo man stehen bleiben durfte, hielten wir und machten das ein
oder die 100 anderen Fotos und fuhren so immer Richtung Jasper weiter.

Wir
waren seit 2 Wochen unterwegs und ob man es nun glaubt oder nicht,
dieser Drang, alles sehen zu wollen, läßt spürbar nach. Man ist auf
einer der schönsten Straßen Amerikas unterwegs und trotzdem fährt man
so, als ist es was ganz alltägliches. Ok, man möchte trotzdem noch
schöne Bilder machen, aber wenn man mal nen türkisfarbenen Fluß
verpaßt, isses auch nicht schlimm, weil man weiß, da kommen noch
dutzende andere.





Die
Aufnahmefähigkeit für diese außergewöhnliche Szenerie hat stark
abgenommen. Zu Beginn einer Reise macht man ständig ah und oh, will
alles sehen, kann nicht genug bekommen, doch jetzt? Jetzt würde mir ein
Tag, an dem ich mal nichts sehe und an dem ich mal nirgends hinfahren
muß, gar nichts ausmachen. Einfach mal nen Tag im Campground sitzen und
den Leuten beim Zeltauf- oder Abbau zuschauen… Alles verarbeiten. Ja,
das ist es, was wir jetzt eigentlich bräuchten. Stattdessen jagten wir
hier einem Ziel nach dem anderen nach.
Auf der Hälfte der Strecke erreichten wir das von Touristen überlaufene Columbia Icefield.
Was muß man darüber wissen?

Es
ist der einzigste für den Normalverbraucher erreichbare Gletscher, der
sich aber im Laufe der Zeit schon um einige hundert Meter zurückgezogen
hat. (Mittlerweille dürften es 2km sein, denn zu Beginn des
20.Jahrhunderts ging der Gletscher an der Straße los.)Vom Parkway bis
zum Gletscher führen erst eine Stichstraße und dann ein Weg, an dem in
bestimmten Abständen Markierungen angebracht sind, in welchem Jahr der
Gletscher wo endete. Am Icefield Parkway endete er 1890. Bis zum
Gletscher ist es jetzt gut 1,5km. Pi mal Daumen. Noch 1992 brauchte man
nur 100m weniger weit zu laufen, um ihn zu erreichen.
Man hat 3
Möglichkeiten, dahin zu gelangen: Entweder laufen, mit dem Auto bis zum
Parkplatz 200m vor dem Gletscher und den Rest zu Fuß gehen oder für 40$
diese hohen Ungetüme von Busse nehmen, die direkt auf den Gletscher
fahren. Wir haben uns für Variante 2 entschieden und gemerkt, daß sich
alles im Leben nur um Geld dreht. Willste was sehen, mußte zahlen.
Umsonst ist der Tod und nichtmal der.
Geht man zu Fuß, darf man auch auf den Gletscher. Aber nur 20m. In einem abgesteckten Bereich.
Wenn
man nicht wüßte, daß es ein Gletscher ist, könnte man meinen, man
trampelt auf einem alten Eis und Schneehaufen rum. Wie interessant.
Ok,
am Ende dient alles der Sicherheit wegen der Gletscherspalten, aber
sehen will ich dann doch etwas mehr. Schließlich sind Gletscher für
ihre blaue Farbe bekannt.
Also bricht man mal wieder Gesetze und geht unbekannte Wege…

Auf dem oberen Foto sieht man die weißen Zacken, welches die Abgrenzungen sind. Nur dort dürfte man sich frei bewegen...
Bisschen
weiter links war ein riesiges Loch, das in allen blauen Farben
schimmerte. Wer da reinrutscht, ist zwar hin, aber was tut man nicht
alles, für ein Foto.
Irgendwann wurds aber langweilig und so haben wir den Rückweg angetreten.
Im
Visitorcenter des Gletschers ging es übrigens zu, wie zum
Sommerschlußverkauf in einem großen Einkaufszentrum. Menschen über
Menschen, aber Schnäppchen sucht man vergebens.
Und wo ich schonmal dabei bin: Auch hier gab es keine Ansichtskarten, die jüngeren Datums waren. Schade.
Wir
verließen den Ort, der bald nicht mehr so sein wird, wie wir ihn
gesehen hatten und fuhren die restlichen 105 km praktisch in einem
Rutsch durch. Einen längeren Stop machten wir nur noch beim Athabasca
Fall.

Berauschend. Im wahrsten Sinne, des Wortes.
Wie
aus einem fast ruhig dahinfließenden türkisfarbenen Fluß ein lauter
Wasserfall wird, kann man hier wunderbar sehen und hören. Nach 50m
freiem Fall über großes Felsgestein, beginnt wieder eine etwas ruhigere
Reise des Wassers. Es beginnt in einem glasklaren und wunderschönen
blauen See.


Nicht
weit von dem Fall lag auch schon linker Hand der Whistlers Campground,
auf dem wir für viel Geld einen wunderschönen Platz bekommen hatten.
Zwar darf man sich den Platz nicht selber aussuchen, aber das tut dem
ganzen keinen Abbruch.
Langsam hatten wir Erfahrung in Sachen Zelt aufbauen und es ging eins, zwei fix.
Da
es noch zeitig am nachmittag war, beschlossen wir, uns noch etwas die
Stadt anzusehen und vielleicht haben wir auch irgendwo die Möglichkeit,
unsere Emails abzuschicken, die sich schon beträchtlich stauten.
Außerdem mußten wir noch unsere Vorräte auffüllen. Ein Supermarkt war
also gar nicht mal so schlecht.
Jasper ist nur 4km vom Campground
entfernt und auch ein Parkplatz war schnell gefunden. Bisher mußten wir
übrigens in ganz Kanada nicht einen Cent Parkplatzgebühren zahlen.
Alles kostenfrei. Wenigstens etwas Positives.
Unser erster Gang
führte uns wie immer zur Information. Da es kein direktes Visitorcenter
war, konnte man nur wieder Abreißstraßenkarten bekommen und/oder Fragen
stellen. Unsere lautete: wo es hier einen Supermarkt gibt.
Da er gleich um die Ecke lag, gingen wir wieder zum Auto zurück und fuhren einkaufen.
Der
Parkplatz des Supermarktes war so winzig, daß wir uns nach einer
anderen Parkmöglichkeit umschauen mußten. Südlich des Hospitals fanden
wir einen Platz fürs Auto und, da wir schonmal da waren: wir hatten das
einzigste freie Netz in ganz Jasper gefunden. Und diesmal wars nen
Volltreffer, nicht wie sonst, daß man trotz eingeloggt sein, ein
Paßwort braucht.
Den Einkauf verschoben wir daher gleich mal um eine
Stunde, weil es jetzt daran ging, alle mails zu versenden und neue zu
holen. Bei 1 Mbit pro Sekunde, kann das ganz schön lange dauern. Aber
wir wollen uns ja nicht beklagen…
Nachdem alles erledigt war und die Einkäufe sicher im Kofferraum verstaut waren, blieb für heute nur noch eins zu tun:
Essen.
Wir
hatten wiedermal Steaks und Würstchen gekauft, die gegrillt werden
sollten. Nach dem täglichen Nudeleinerlei tat es mal wieder gut, etwas
Fleisch zwischen die Zähne zu bekommen. Und was soll ich sagen?
Es war ein Festessen. Selbstgegrillt schmeckts eben doch am besten.

Bevor es dunkel wurde, haben wir noch eine Runde über den Campground gedreht, denn vielleicht sahen wir die Elks, für die der Campground berühmt war.
Und tatsächlich, nur ca. 300m von unserem Zelt entfernt, graste ein riesiger Hirsch.
Schade nur, daß es schon zu dunkel war, um Fotos zu machen. Hühnchen wollte es zwar trotzdem probieren, denn sie war schon wieder aus dem Auto gesprungen, als hat sie noch nie so ein Tier gesehen.
Ich hab sie dann aber doch noch auf morgen vertrösten können und so kehrten wir zufrieden zum Zelt zurück.
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