Donnerstag, 1. Oktober
Heute Morgen hat es zur Abwechslung mal nicht geregnet, auch sah es nicht
danach aus, als ob es das vorhätte.
Wie auch schon die letzten Tage üblich, ging es uns nur noch darum, den Urlaub
so gut wie möglich zu beenden. Die Luft war raus und Ziele, die man unbedingt
sehen sollte, gab es auch keine mehr.
Wir packten also unsere Campingausrüstung zusammen, deponierten schnell noch
den fast vollen Tank Spiritus zur weiteren Verwendung im Restroom und gaben
Margret den Befehl: auf zum letzten Kapitol nach Trenton, New Jersey.
Auch unsere Margret hatte im Laufe der 3 Wochen bestimmte Rituale, denn egal,
welches Kapitol wir suchten, immer schickte sie uns zuvor in die miesesten
Gegenden der Stadt.
Man konnte schnellste, schönste oderoptimalste Route eingeben, aber ein Ausflug
in die Slums stand jedes Mal auf dem Programm.
Nachdem wir uns mühevoll in der näheren Umgebung einen Parkplatz ergatterten,
liefen wir auf direktem Wege zum Kapitol, durch die Drehtür, zur Security, ich
legte meine Fototasche auf das Band vor den Scanner und da fragte mich eine
schwarze dicke Polizistenmutti, was wir denn vorhätten.
Ich meinte, naja, das Capitol anschauen.

Alles, was sie sagte, war: keinen Gang auf eigene Faust und die nächste Tour
startet in 2 Stunden.
Aha…
Im Kapitol in einer der winzigsten und unbedeutendsten Hauptstädte der ganzen
USA war es uns verboten, alleine durch die Gänge zu schlendern.
Ok, sollte man wissen.
Wir drehten uns auf dem Absatz um und verließen diese ungastliche Stadt mit dem
Ziel: H Y A T T
Unterwegs ließen wir uns von Margret zum nächstgelegenen Diner chauffieren,
frühstückten mal wieder Ei und Toast und Pommes, man merkte aber, daß wir es
die letzten 3 Wochen schon zu oft hatten, denn es stand uns mittlerweile bis
zur Oberkante des Halses, und düsten anschließend auf direktem Wege bis auf den
riiiiiesigen Parkplatz des Hyatt.
An der Rezeption gab ich meine Buchungsnummer zum Besten und die Lady
antwortete: sie sind im falschen Hyatt. Ihr Hyatt liegt 1 Meile weiter südlich.
Ok, kein Problem, ab ins Auto und Margret Hyatt Nr 2 suchen lassen.
Alles, was sie aber fand, war der südliche Parkplatz des falschen Hyatt und so
irrten wir auf die US 1 zurück fuhren Richtung Süden und bogen in die flasche
Einfahrt ab.
Irgendwie wußten wir nicht mehr weiter. Margret kannte unser Hyatt nicht. Auch
die Adresse mit Hausnummer war ihr völlig unbekannt.
Hühnchen stöhnte schon wieder und so kam ich auf die geniale Idee: frag doch
einfach mal in dem großen Bürogebäude nach, vor dem wir gerade standen.
An der „Rezeption“ erntete ich aber nur mitleidige Blicke und von meinem Hyatt hatte
man hier noch nie etwas gehört oder gelesen.
Toll. Klasse. Und nun?
Wieder auf der US1 brauchten wir dann aber nur 500m fahren und schwupps, sahen
wir ein Schild: Hyatt Place.
Und wo befand sich dieses Hotel?
Luftlinie DIREKT gegenüber des Bürogebäudes.
Hätte die VoZiDa einfach mal aus der Tür geschaut, hätte sie das Hotel quasi
anspringen müssen.
Aber wie schrieb mal ein bekannter Reiseberichteschreiber, den ich hier schon
mehrmals zitiert hatte: Mitarbeiter kennen nur ihre Firma und den Weg nach Hause.
Check in war 15 Uhr und da wir es erst 13 Uhr hatten, dachte ich schon, der
nette Manager schickt uns noch einmal weg. Dem war Gott sei Dank nicht so und
wir bekamen unser Zimmer im 4. Stock mit kostenmlosem WLAN, 42“ Fernseher und
wenn wir Lust gehabt hätten, hätten wir im Indoor Pool noch unsere Runden
drehen können.
Massagen wurden leider nicht angeboten und auch für 10$ lies sich der Herr
nicht dazu erweichen

Unser Zimmer war grandios!!
Naja, kein Wunder, denn der Normalpreis für diese Suite, möchte man sie am
liebsten nennen, betrug 209$ plus Tax.
Wir schnappten uns anschließend in der Lobby den Gepäckwagen und nun hieß es:
Auto ausräumen. Und zwar komplett.
Als wir am Manager vorbeifuhren, grinste er nur. Ich hatte ihm erst schon
gesagt, daß wir die letzten Nächte auf Campgrounds zugebracht hatten, sodaß ihn
unser Vorhaben zwar amüsierte, ihn aber nicht aus der Fassung brachte.
Irgendwann hatten wir unsere 2 Zentner Sperrigkeit im Zimmer und verteilten in
Windeseile unsere Habseligkeiten auf den ganzen 40m².


Nur Frauen verstehen es, so ein Chaos innerhalb von 10 Sekunden zu verursachen.
Es sah aus, als wäre hier ein Tornado durchgefegt. Oder 2.
1 gute Stunde haben wir gebraucht, um unser ganzes Zeug zu sortieren und für
die Abreise fertig zu machen.
Später fuhren wir noch in einen Bio-Supermarkt, Hühnchen holte sich etwas vom
warmen Buffet, was aufgebaut war, zahlte stolze 18$ dafür und den Rest des
Tages ließen wir im Hotelzimmer mit duschen, ausruhen, relaxen, Mails und
Reisebericht schreiben und auf dem riesigen Bildschirm „Dirty Dancing“ zum 25.
Mal anschauen ausklingen.
Fehlten nur noch der Champagner und die Fußmassage aber wie gesagt… ![]()

Freitag, 2. Oktober
Liebend gern hätte ich geschrieben, daß ich geschlafen hab, wie auf Wolken aber
leider machten mir 2 Arbeitskollegen einen Strich durch die Rechnung
, denn 2x die Nacht klingelte mein Handy,
weil sie mir unbedingt meine Arbeitszeiten für Montag durchgeben wollten.
Von Zeitverschiebung hatten die beiden sicher noch nie etwas gehört.
Gegen halb 9 haben wir uns endlich aus unseren Betten schälen können und
packten unser Zeug zusammen. Kurz danach klopfte auch schon die nette
„Housekeeping“, die wir aber noch eine halbe Stunde vertrösteten, denn wir
wollten noch schnell frühstücken gehen, bevor wir die letzte Etappe des Urlaubs
in Angriff nahmen.
Wir waren noch gar nicht richtig am „Frühstücksbufett“, als es auch schon von 2
übereifrigen Damen des Hauses weggeräumt wurde.
Hühnchen bestand aber darauf, denen die Suppe zu versalzen und bediente sich in
aller Ruhe an den Toasts, dem Kaffee und was es sonst noch so gab.
Sie meinte: „Ich bin im Urlaub und möchte gemütlich frühstücken. Immerhin haben
wir es bezahlt. Sie sollen gefälligst warten!“ ![]()
Während um uns rum also geputzt und augeräumt wurde, aßen wir in Ruhe und gegen
10 verließen wir mit unseren 2 Zentnern Gepäck das Hotel.
Heute war mir irgendwie mulmig, denn es gab mehrere Probleme zu bewältigen.
Erstens: Hühnchen wollte durch Manhatten fahren.
Zweitens: wir hatten nur noch sehr wenig Bargeld und wenn eine Mautstelle
kommt, kann es zum Problem werden
Drittens: wir werden sicher in den Freitagsnachmittagverkehr kommen
Viertens: Margret hat uns bezgl. der Mautstellen schonmal im Stich gelassen
Fünftens: Mietwagenabgabe.
Sechstens: reicht der Sprit?
Ich gab Margret den Befehl: bitte New York City, Manhatten, 34. Straße und
bitte KEINE Maut.


So fuhren wir also die 90km von Princeton, NJ nach New York, NY immer auf der
US 1 und immer durch Industriegebiet. Wir haben während der ganzen Kilometer
nicht eine grüne Fläche gesehen. Ein Burgerladen und eine Tankstelle und ein
Autoverkäufer reihten sich an den anderen. Immer nur unterbrochen von Ampeln
Nebenstraßen.
Wenn man sich die Straßenkarte für diese Region ansah, glaubte man, man hat den
falschen Maßstab, aber es gab hier wirklich nur Orte und Häuser und Straßen.
Wie sagt man so schön: hier möchte ich nicht tot über dem Zaun hängen.
So fuhren wir und fuhren und kamen am Ende an einem Schild vorbei: Holland
Tunnel. Cash & EZ-Pass only.

Meine eh schon angespannte Laune verschlechterte sich massiv.
Ich hatte dem Miststück Margret gesagt: K E
I N E Maut !! Und was macht es? Schickt uns mitten rein. ![]()
Naja, umdrehen war nicht möglich, also mußten wir in den sauren Apfel beißen
und die ACHT DOLLAR bezahlen. Erst wollten wir mit KK zahlen, aber sie wurde
abgelehnt.

Jetzt hatten wir nur noch 19$ in der Tasche, von denen wir 5$ für den
Gepäckwagen aufheben mußten. Wenn Margret uns noch einmal bluten läßt, wird sie
den Atlantik vor 3 Wochen das letzte Mal gesehen haben !!!
(Anm.: heute weiß ich, daß man, ohne Maut zu zahlen, nicht nach Manhatten
kommt, bzw. nur über sehr sehr sehr weite Umwege vom Norden her. Ich glaube, in
Vermont ist erst die nächste Möglichkeit)

Was nun folgte war eine stundenlange Abfolge von Chaos, Lärm und
Stromverschwendung.
Schon nach den ersten 15 min wollte ich eigentlich nur noch raus. Mir war das
alles zuviel. Ständiges Hupen. Gelbe Taxis, die meinten, denen gehört die
Stadt. Mißachtung der Straßenverkehrsordnung. Millionen telefonierender
Menschen. Nur Einbahnstraßen. Ampeln. Lichter. Hochhäuser. Autos. Autos. Autos.
Menschen. Menschen. Chaos. Hupen. Taxis…
Irgendwo zwischen der 34. und 20. Straße hab ich den Fehler gemacht und
gefragt, ob wir noch am Ground Zero vorbeifahren sollen, wo wir eh schon durch
die Stadt irren.
Ihre Antwort war zwar eine typische Hühnchenantwort, aber trotzdem war ich ein
wenig geschockt.
"Ground Zero? Was ist das?"
![]()


WIE KANN MAN SICH SOWAS FREIWILLIG ANTUN ????
Wie kann man diese Stadt lieben? Keine ruhige Minute. Kein Platz, um einfach
mal anzuhalten.
Wäre ich gefahren, so hätte ich das Auto schon nach den ersten Kilometern
irgendwo gegen eine Ampel gefahren, wäre ausgestiegen und schreiend davon
gerannt.
Es kam mir vor wie Jahre, die wir da von einer Kreuzung zur anderen geschlichen
sind und ich hasste mich dafür, dem Huhn gesagt zu haben, daß wir auf der
Rückfahrt NY mitnehmen.
Das war das erste und letzte Mal, daß mich diese Stadt gesehen hat. Wenn ich
hier schon her muß, dann allerhöchstens auf der Durchreise bei einem
Zwischenstop.



Nachdem wir 3x wegen Margrets Macken die Brooklyn Bridge überquert hatten,
blieben wir nun endgültig auf der Queensseite und suchten nun mit Hilfe von
Margret erst eine Möglichkeit sich zu erleichtern, dann den Friedhof, von dem
aus man die Skyline sehen kann und zum Schluß noch einen Italiener, denn
langsam bekamen wir hunger.
Leider kann man nicht darauf hoffen, bei jedem MCD oder Burger King einen
Parkplatz zu finden, daher dauerte die Suche nach einem stillen Örtchen etwas.
Erst nachdem uns Margret die „Schönheit“ eines sowas von jüdischem Viertels
näherbrachte, fanden wir einen geeigneten Ort. Apropo Schönheit: ich hab da so
meine Zweifel, ob sich die Menschen dieser Gegend auf natürliche Art
fortpflanzen. Ich tendiere da eher Richtung Reagenzglas, denn die Natur wollte
DAS bestimmt nicht. Ich weiß, ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster, aber
ich habe selten so viele hässliche Menschen auf einem Haufen gesehen und es lag
NICHT nur an den komischen Hüten und den Haaren am Gesicht.
Unansehnliche Männer mit unansehnlichen Frauen hatten unansehnliche Kinder.
Alles an ihnen war irgendwie schief. Schiefe Nase, schiefe Zähne, schiefe
Augen, schiefe Brille…
Gott, soviel Alkohol kann man gar nicht trinken !!


Nachdem Ziel 1 abgehakt war, versuchte ich den Friedhof ausfindig zu machen,
von dem ich ein ganz bestimmtes Bild im Kopf hatte. Im Vordergrund ein grüner
Hang mit weißen Grabsteinen und im Hintergrund ragte die Skyline new Yorks
hervor.
Leider fand ich bis zum heutigen Tage das Foto wieder, noch die Stelle, an der
das Bild aufgenommen worden war. Bei dem Friedhof handelt es sich um den
Calvary Cemetery in Queens, der auch wirklich einen Umweg wert ist. Wir
schlenderten etwas zwischen den riesigen Grabsteinen, Mausoleen, Granitsäulen,
Engeln und Tafeln umher und fragten uns, wieso diese Geldverschwendung?
Da gab es Obelisken, die bald höher als das Washington Monument waren.
In den meisten Gräbern lagen mehrere Generationen einer Familie und alles war
sehr gepflegt.

Wir knipsten ein bisschen rum und nach einer halben Stunde verließen wir diesen
mystischen Ort.
Irgendwo in der hintersten Ecke Queens kehrten wir bei einem Italiener ein und
verspeisten einmal Spaghetti mit Chicken und eine Pizza nur mit Käse.
Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht wußte: ich hätte es nicht essen dürfen.
Zumindest nicht dieses Essen mit dieser Sauce. Schon auf den letzten Kilometern
zum Flughafen bemerkte ich dieses schreckliche Gefühl namens DURST !!!
Ich hatte mir zwar noch im Hotel meine kleine Reiseflasche gefüllt, aber immer
wieder griff ich danach und kam mir vor, als hätte ich am Abend zuvor einen zu
viel getrunken.
![]() |
Wie sagte meine Mama immer: „Durst ist schlimmer als Heimweh“. Ich meine,
noch ging es, ich konnte immer trinken, aber was kam, wenn die Flasche leer
war? Es war halb 5 und mein Plan sah vor, daß ich spätestens 17.30 Uhr das Auto
beim Vermieter abgeben wollte. Laut Margret waren es 19km bis zum Flughafen,
wir hatten also noch genügend Zeit. |
Eine Ampel nach der anderen sorte dafür, daß schnelles Vorankommen nicht
möglich war und auch die 3spurige Straße machte das alles nicht viel schneller.
Man fuhr hier, wie man wollte, Spurwechsel waren an der Tagesordnung und
außerdem stand man mehr, als das man fuhr.
Irgendwann waren es 3 Straßen mit je 2-3 Spuren nebeneinander und Margret
schwieg sich aus. Auch auf dem Bildschirm des Navi erkannte man nur
Schemenhaft, wie man fahren sollte und so verließen wir uns darauf, daß uns,
wenn wir falsch waren, Margret schon rausboxen würde.
Nur kurz vor dem Ziel mußte sie eingreifen, und schickte uns durch merkwürdiges
Gelände wieder auf die richtige Spur.
Hühnchen fluchte die letzten 5km fast pausenlos und erinnerte mich irgendwie an
den Film mit Michael Douglas, als er im Stau stand. Bald wäre
sie soweit..
Bisher gab es nur einen Flughafen auf meinen Reisen, der einfach zu erreichen
war und mit dem jeder Idiot zurechtkam: Denver.
Man mußte nur die Airline wissen und der Rest ging wie von alleine. Nie wurde
man schildermäßig im Stich gelassen und mußte Extrarunden drehen.
New York dagegen war eine mittelprächtige Katastrophe. 30 Straßen, 50
Abzweigungen und mittendrin ein popeliges Schild auf der falschen Route auf dem
stand: Car Rentals
Verpaßte man es, hatte man Pech. Hier ohne Navi? UNMÖGLICH !!!
Nach über einer Stunde Rumgurkerei haben wir es endlich geschafft und National
schloß uns wieder in seine Arme.
Was mir hier sofort auffiel: sie hatten den Stellplatz aufgeräumt. Endlich sah
man nur Mietwagen, die auch noch da standen, wie es die Schilder anzeigten.
Midsize-SUV’s standen aber trotzdem nur wenige rum und irgendwie waren sie viel
kleiner, als das Auto, was wir die 3 Wochen hatten und es waren alles Asiaten.
Unser Wagen wurde anstandslos entgegen genommen, ich schrieb schnell noch den
km-Endstand auf, der Mann drückte mir eine Quittung in die Hand, auf der erst
+81$, dann -81$ standen und schon war das Auto in der Waschanlage.
Was es mit der Summe aufsich hat, weiß ich nicht. Sicher irgendeine Gebühr für
irgendwas, die er wieder rückgängig machte, nachdem ich ihm sagte, daß wir den
Sprit schon am 13. bezahlt hatten. (74$)
Mit einem 1Zentner-5$-Gepäckwagen bewaffnet schafften wir es in 20 min bis zum
Terminal 4, Reihe 6, Internet-Check-In-Schalter, holten dort nur unsere Tickets
und gaben dann 10m weiter das Gepäck an einem
Extragepäckdurchleuchtungsmaschinchen ab. Irgendwie sah es dort aus, als würden
wir unsere Koffer und Taschen nie wiedersehen.
Ein Mann beschäftigte sich dort mit 300 Gepäckstücken und meinte immer nur:
lassen sie den Wagen einfach hier stehen.
Ok, kein Problem.
Wir taten, wie uns geheißen und schlenderten zum Duty Free Shop.
Ich hasse ja shoppen, aber ich hatte noch einen Auftrag auszuführen und im
Flieger gab es nicht das, was ich mitbringen sollte.
Kurz vor der Angst liefen wir zum Gate A4, mußten dort sogar die Schuhe
ausziehen und waren 50m weiter schon an der Tür zum Flieger. So spät waren wir
noch nie dran, denn das Boarding schien schon seit Ewigkeiten im Gange zu sein.
Kurz vor dem Einstieg reichte man uns noch die Tüten mit unserem zollfreien
Einkauf und schon waren wir wieder zurück auf Platz 64H+K.
Waren wir nicht erst gestern hier gesessen?
Was ich jetzt erwähnen muß, ist die fortsetzung der Durstgeschichte.
Vor 30 min war meine Flasche leer gewesen und seit genau diesem Zeitpunkt
bildete sich in meinem Mund und Hals eine Wüste. Es verschlimmerte sich von
Minute zu Minute und ich betete, daß wir schnell in der Luft waren und etwas zu
trinken bekamen.
Ich mache es jetzt kurz, denn ich möchte euch meinen Leidensweg ersparen.
Der Flieger hob mit 30 minütiger Verspätung ab und das Tablett mit den
Vorabgetränken war genau vor uns leer geworden.
Ich jammerte und winselte und wollte eigentlich heulen, aber ich fühlte mich
derart dehydriert, daß sicher nicht mehr genug Flüssigkeit für eine Träne übrig
war.
Nach gefühlten 4 Wochen der Wartezeit bekam ich endlich ein Becherchen mit
Wasser und hatte es heruntergekippt, noch ehe es die zierliche Hand der
zierlichen Stewardess verlassen hatte.
Gott sei Dank waren es nur 6,5h Flugzeit, denn für eine längere Reise hätte
deren Getränkevorrat nicht gereicht.
Was den restlichen Flug anging, so war er langwieriger, als der Hinflug. Hunger
hatten wir beide keinen und das essen, was uns gereicht wurde, war auch nicht
der Brüller.
In den 6 Stunden sahen wir uns, wie schon auf dem Hinflug, 3 mal den Film „The
Proposal“ mit Sandra Bullock an und 10:15 Uhr landeten wir 1h früher als
geplant in Frankfurt.
Leider mußten wir noch weitere 15 min auf dem Vorfeld verbringen, denn es war
kein Gate für uns frei. Nachdem ich den Durst endlich überwunden hatte, war es
nun diese endlos scheinende Warterei, die mich an den Rand der Verzweiflung
brachte. Erst das warten, bis man ein Gate hat, dann weitere 10 min, bis sich
endlich die Türen öfneten, dann der „Lange Marsch“ durch sämtliche Terminals
bis zum Gepäckband und erst nach weiteren 20 min konnten wir endlich unseren
letzten Koffer auf den kostenlosen Gepäckwagen laden.
Unser „Taxi“ wartete da bereits seit 60 min auf uns und der Blick unseres
Taxifahrers verfinsterte sich sehr, als er die zu entrichtenden Parkgebühren
sah.
Halb 2 war ich nach 24h wach sein endlich zuhause und gegen 14 Uhr knipste ich
das Licht aus, was ich, mit wenigen kurzen Unterbrechungen erst nach 22 Stunden
wieder anschaltete.
Noch immer stehe ich ein wenig neben mir und mir ist ganz und gar nicht danach,
am nächsten tag wieder arbeiten zu müssen. Aber wie sagte mal ein Mann zu mir:
Das ist Leben.
Fazit:
Wir beide haben eindeutig Maine als schönsten Bundesstaat festgelegt, aber
Whale Watch kommt für uns nicht mehr in Frage. Während ich einen großen Bogen
um New York mache, geht es ihr so, wenn ich Neuengland sage.
Eines Tages komme ich hierher zurück, werde dies aber vermutlich alleine machen.
Ich habe Spaß daran, einfach nur so durch die Gegend zu fahren und mir weiße
Kirchen vor bunten Bäumen anzuschauen. Mir macht es nichts aus, nur
Briefkästen, gemähten Rasen und Holzhäuser zu bewundern.
Ich mag die Ruhe und Abgeschiedenheit des Nordens. Städte hingegen sind mir
zuwider.
Wer nach Neuengland fährt, sollte sich bewußt sein, daß es hier keine Top
Highlights gibt. Es ist das Ganze um einen herum, das fasziniert. Man muß Zeit
und Geduld mitbringen. Wer es eilig hat und nur die km so schnell wie möglich
hinter sich bringen möchte, ist hier falsch. Es gibt kein „DAS Ziel“, wie z.B.
im Westen, wo man sagt: heute fahren wir zum Grand Canyon oder zum Bryce oder
in den Arches.
Wenn man das beherzigt, werden einem diese Staaten gefallen. Ansonsten sollte
man einen weiten Bogen darum machen.
